PINK FLOYD - Animals



Autor:  MC Lucius

Bewertung:  8 / 10


Tracklist:

  • Pigs On The Wing (Part 1)
  • Dogs
  • Pigs (Three Different Ones)
  • Sheep
  • Pigs On The  Wing (Part 2)


VÖ:  23.01.1977

Label:  Harvest Records / Columbia

Seinen 40. Geburtstag feiert am 23. Januar 2017 der Klassiker "Animals" aus dem Hause Pink Floyd. Es war seinerzeit das zehnte Werk der englischen Art / Prog Rock Legende und zeitlich somit zwischen zwei weiteren Meilensteinen der Band ("Wish You Were Here", 1975 und "The Wall" 1979) angesiedelt. "Animals" könnte man als die musikalische Umsetzung des Fabel Stoffs "Animal Farm" ("Farm der Tiere") von George Orwell verstehen. Rogers Waters, Bassist, Sänger und zu jener Zeit hauptsächlicher Songwriter innerhalb der Band, verglich in seinen Texten die Menschen mit Tieren, wobei er allerdings die Orwell'sche Vorlage weitestgehend ignorierte und lediglich seine "Sheep" ähnlich ausrichtete wie Orwell. Die Schafe nämlich stehen auf "Animals" für die breite Masse der Menschen, die alles klaglos hinnimmt, sich nicht selbst positioniert und von den profitgeilen Hunden, die sich dem Kapitalismus verschrieben haben, untergebuttert werden. Die dritte Kategorie der Menschen auf dem Album sind die Schweine, die alles besser wissen, ihren Mitmenschen per erhobenem Zeigefinger den rechten Weg weisen wollen, selbst aber genau jene Fehler machen, die sie dem Rest der Menschheit ankreiden.

"Animals" ist eines jener Alben, welches vom Gitarrenspiel David Gilmours beherrscht wird. Im Gegensatz zum Vorgänger "Wish You Were Here" schraubten Pink Floyd hier den Einsatz von Synthesizern deutlich zurück, wenngleich sie in den drei überlangen Stücken "Dogs" (17:05), "Pigs (Three Different Ones)" (11:25) und "Sheep" (10:19) immer noch deutlich vernehmbar sind. Lediglich das Intro "Pigs On The Wing (Part 1)" und das Outro "Pigs On The Wing (Part 2)" mit ihren jeweils knapp anderthalb Minuten Spielzeit verzichten auf den Einsatz der elektronischen Soundgeneratoren und setzen auf die akustische Klampfe Gilmours und Waters' charismatischen Gesang.  

Ein Album wie "Animals", so völlig ohne das übliche Radiofutter in Form von Drei - Minuten - Tralala - Songs, ist natürlich nur schwierig zu promoten, weshalb es vielleicht bis heute als eines der meist unterschätzten Werke der populären Musik gilt. Zwar hat es durchaus den Kultstatus inne, den damals viele Produktionen gerade im Bereich des Prog- oder auch Psych Rock genossen, doch mangels einer Singleauskopplung fällt vielen Musikfreunden, selbst wenn sie an Pink Floyd interessiert sind, spontan kein Song des Albums ein, wenn sie danach gefragt werden. Eigentlich unverständlich, sind doch gerade die kurzen, prägnanten Titel (Dogs, Pigs, Sheep) wie geschaffen um sich daran zu erinnern.

Musikalisch ist das Album durchaus rockig ausgerichtet, die Band kommt immer wieder auf den berühmten Punkt, die Dynamik der Stücke ist allgegenwärtig. Schon 1977 verwendete David Gilmour eine Talk - Box (auf "Pigs (Three Different Ones)"), wie man sie später auch häufig bei Bon Jovi vernehmen konnte. Trotz der klaren Rock Linie auf "Animals" ließ Keyboarder Richard Wright es sich nicht nehmen, die ein oder andere Jazz Akkord Folge über die Melodieführung zu legen, was in "Sheep" besonders deutlich hervor tritt.

Bekannt geworden ist auch das Cover der LP, welches ein schwebendes, ca. 40 qm großes (Stoff) Schwein zwischen den Schornsteinen des Kohlekraftwerks Battersea Power Station am Themse Ufer in London zeigt. Doch nicht nur im Floyd'schen Kosmos kennt man Battersea. Nein, dieses Kraftwerk schaffte es beispielsweise auch auf das Cover der "The Who" Scheibe "Quadrophenia" (1973) und fand auch Verwendung in Filmen von Alfred Hitchcock und Monty Python.

Interessanterweise spielten Pink Floyd nach der damaligen zugehörigen Tour danach nie wieder Stücke aus "Animals" live. Der "Rolling Stone" platzierte das Album bei einem Poll im Jahre 2015 auf Platz 13 der 50 wichtigsten Alben des Progressive Rock.

Dieser Tage also jährt sich das Release der Scheibe zum vierzigsten Mal, und obwohl es einmal als die vielleicht kälteste Musik, die jemals auf ein Band aufgenommen wurde, bezeichnet wurde, mit Songs, die länger sind, als es erlaubt sein sollte und es einem negativen Trip mit unheimlich coolen Gitarren gleicht, hat man es hier doch mit einem nahezu perfekten Album zu tun.

Diese ca. 42 Minuten Musik sind es auch heute noch wert, entdeckt zu werden. Sei es von älteren Semestern oder auch von der jungen Hörerschaft - die "Animals" packen zu, beißen sich fest - und zerschmettern dir das Hirn.

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