WISHBONE ASH - Argus


1972 wurden einige Rockklassiker veröffentlicht, so zum Beispiel Machine Head von Deep Purple, Thick as a Brick von Jethro Tull oder Demons & Wizards von Uriah Heep. Aber auch Argus von Wishbone Ash. Platz 3 der Britischen Albumcharts und von den Lesern der renommierten Musikmagazine „Sounds“ und „Melody Maker“ zum Album des Jahres gewählt. Angesichts der Konkurrenz kein geringer Erfolg.

Und das völlig zu Recht. Denn das Album ist kompositorisch wie spieltechnisch hervorragend. Zwei Leadgitarristen, Wishbone Ash waren eine der ersten Bands, die zwei gleichberechtigte Gitarristen hatte, und drei Leadsänger, ein Umstand den nur noch die Eagles und ein paar Jahre später Toto auszeichneten. Textlich geht es hauptsächlich um Geschichte und/oder Krieg.

„Time was“, mit fast zehn Minuten der längste Song, beginnt als Akustiksong nur mit Gitarre und Gesang und fast schon folkloristischen Zügen. Im zweiten Teil steigert sich der Song zu einem richtigen Rocker und weist ein leichtes The Who-Feeling auf.

„Sometime world“ ist in etwa genauso aufgebaut, ruhiger, balladesker Beginn und Steigerung zu einem für damalige Verhältnisse recht hartem Rocker mit starkem Solo von Andy Powell.

Der eingängigste und kommerziellste Song des Albums dürfte „Blowin‘ free“ sein, dessen Text von Martin Turner schon vor Wishbone Ash-Zeiten geschrieben wurde. Luftige Gitarrenriffs, einprägsame Melodien und dreistimmiger Gesang generieren einen Gute-Laune-Song, obwohl es im Text um Trennung geht, was aber auch die Chance für einen Neuanfang und also auch befreiend sein kann.

Die, meiner Meinung nach, stärksten Songs befinden sich alle auf der zweiten LP-Seite. Angefangen mit dem großartigen „The king will come“. Langsam lauter werdende Riffs, Militärartiges Schlagzeug im Intro, Ash-typischer mehrstimmiger Gesang und großartige Melodien ergeben zusammen mit den exzellenten Soli eine Rockhymne, die ihresgleichen sucht.

Mit „Leaf fand stream“ folgt eine wunderschöne, aber auch bei vielen Wishbone Ash Fans völlig unterbewertete, Akusticballade. Zwei Gitarren, einen Schellenring und gefühlvoll, melancholischer Gesang, so einfach kann ein hervorragender Song sein.

„Warrior“ und „Throw down the sword“, die musikalisch ineinander übergehen, beschließen das Album. Zwei Titel, die natürlich den Krieg zum Thema haben, wobei ersterer mehr den Kampf um die Freiheit beschreibt. Was dazu führt, dass „Warrior“ vor allem im Refrain kraftvoller klingt als „Throw down the sword“. Das Eingangsriff des Rausschmeißers war eigentlich „nur“ als eine Übung zum Aufwärmen der Finger gedacht. Ein weiterer „Fehler“ ist das Gitarrensolo am Ende. Eigentlich sollte eine Gitarre lauter sein, als die andere aber Produzent Derek Lawrence legte die beiden Spuren übereinander, so dass sie zu einer verschmolzen. Trotzdem, oder vielleicht sogar gerade deshalb, gehört es zu den besten Solos des Albums und sorgt für ein stimmungsvolles Finale.

Auch mehr als 42 Jahre nach seinem Erscheinen hat „Argus“ nichts von seiner ursprünglichen Faszination verloren und zählt bei Musikliebhabern noch immer zu den besten Classic Rock Alben


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