Interview mit Ben Blutzukker

MCR: Moin, zuerst einmal herzlich Willkommen in Aschaffenburg.  Wie gefällts Dir bisher hier so bei uns ?

Ben: Danke und Hallo! Bisher ist es hier in Aschaffenburg okay, aber so richtig habe ich mich noch nicht eingewöhnt. Vorher habe ich einige Jahre in Nürnberg gewohnt. Dort war alles deutlich größer und somit auch belebter. Aber ich weiß auf jeden Fall wo hier in der Regel die Metalkonzerte stattfinden und wo ich leckere Burger bekomme.

MCR:  Das mit dem Eingewöhnen kommt schon noch.....nun zu Dir selbst. Unter dem Banner Ben Blutzukker hast du gerade eine EP ("Analog Blood") rausgebracht. Erzähl mal, wie es dazu gekommen ist, nachdem du anscheinend längere Zeit mehr im Electro Sektor unterwegs warst.....

Ben:  Der wohl wichtigste Grund ist: es war möglich. Lass mich dafür ein bisschen ausholen. Mein Musikgeschmack ist generell wenig einschränkt, wobei Metal schon am beständigsten ist. Ich habe vor meiner Dark Electro Zeit mit "blutzukker" einige Jahre in einer Metalband gespielt. "blutzukker" habe ich dann damals gestartet, weil mir die Electro-Sparte der Gothic-Szene sehr gefallen hat und ich zudem lieber als Einzelperson an Musik arbeite. Mit mehreren Leuten zusammen Songs entwickeln ist nicht so meins. Damals bei der Metalband "Jormundgard" habe ich mich dann auch wiederum beim Songwriting gar nicht beteiligt. Und in den letzten Jahren wurde dann mein Metal-Hören wieder dominanter und der Drang zum eigenen Metalprojekt größer. Und anders als noch vor 10 Jahren ist es technisch mittlerweile ziemlich hürdenlos eine Metalplatte alleine im Wohnzimmer zu produzieren. "Analog Blood" ist auch als eine Art Zwischenschritt zu verstehen, eben weil es ja alles Songs sind, die ich auch schon mit "blutzukker" realisiert habe. Als nächstes gibt es dann ganz frische Kompositionen!

MCR:  Gehen die neuen Kompositionen dann in eine ähnliche Richtung (Black/Thrash) ?

Ben:  Ja, ich denke schon. Wobei ich nie einen Musikstil vorplanen kann, wenn ich komponiere. Das war auch schon bei "blutzukker" so, da gab es auch unterschiedliche Stile zwischen den verschiedenen Songs. Aber Black / Thrash / Death ist ein gutes Ziel. Metalcore mag ich eh nicht und Powermetal wird wohl alleine wegen meiner Stimme nicht möglich sein ;-)

MCR:  Ja, deine Stimme liegt mehr im derberen Bereich. Tom Warrior fällt mir hier ab und an dazu ein. Welche Bands beeinflussen dich generell beim Komponieren ?

Ben:  Bewusst keine. Unterbewusst kann das natürlich ganz anders aussehen. Komponieren lasse ich aber immer "ziellos passieren", da kann ich mir gar nichts vornehmen. Ansonsten habe ich im vergangenen Jahr am meisten Snowy Shaw (inklusive aller möglichen Projekte bei denen er mal beteiligt war, wie z.B. Notre Dame. Mad Architect usw.), Imperium Dekadenz und Winterfylleth gehört. Auf Immortal, I und Abbath steh ich auch total.

MCR:  Eingangs hast du erwähnt, daß du zumindest schon mal weißt, wo die Metalkonzerte stattfinden. Bei uns gibt es eine, zwar überschaubare, aber recht nette Metalszene. Kennst du ein paar ortsansässige Musiker oder bist du schon mit der ein oder anderen Band in Kontakt gekommen ?

Ben:  Bisher kaum. Als wir nach Aschaffenburg gezogen sind hatte ich kurz mal geschaut, ob ich vielleicht irgendwo einsteigen könnte, habe aber eigentich nur Cover- oder Tribute-Bands finden können, die auf Musikersuche waren. Prinzipiell cover ich schon gerne Songs, aber in einer reinen Cover-Band hätte ich keinen Spaß. Bei einem relativ neuen Metalprojekt habe ich zwischenzeitlich einmal vorgespielt, aber wir haben nicht so richtig zueinander gefunden. Ansonsten habe ich als One-Man-Band natürlich wenig Gelegenheiten mal auf andere lokale Musiker zu treffen, den Konzerte kann ich so natürlich keine spielen.

MCR:  Ich glaube herauszuhören, daß du durchaus gerne live auftreten würdest. Ist hier früher od. später etwas geplant ? Mit Live-Musikern beispielsweise ?

Ben:   Spaß würde mir das natürlich machen, aber momentan habe ich da keine Connections. Daher werde ich mich lieber auf weitere Veröffentlichungen konzentrieren als auf Konzerte.

MCR:   Was hat es mit dem Albumcover für "Analog Blood" auf sich ? Es ist ja schon eine Anlehnung an Guns'n Roses.....Hast du keine Angst, deswegen Ärger bekommen zu können ?

Ben:  Klar ist das eine Hommage an das Album "Appetite for Destruction". Guns'n'Roses gehört auch zu meinen absoluten Lieblingsbands. Live gesehen habe ich sie bisher 1993 und 2012. Aber Grund für Ärger sehe ich da keinen.

MCR:   Guns'n Roses als deine Lieblingsband hätte ich jetzt nicht unbedingt vermutet, wenn man "Analog Blood" hört. Was hältst du denn von der Wahrscheinlichkeit der Reunion in Original Besetzung von Axl und Co. ?

Ben:   Eine Reunion fänd ich schon cool, aber im Prinzip ist mir der Sänger immer wichtiger als der Rest der Band. Daher fand ich auch das Konzert 2012 trotzdem sehr geil. Bei einer Reunion Tour wäre ich aber auch definitiv als Gast dabei! GNR haben mich quasi im Alter von 12 Jahren von der Chartsmusik zur Gitarrenmusik missioniert. Ansonsten habe ich Long-Time-Favorits in den verschiedensten Musikrichtungen. Dazu gehören neben GNR der Metal-Gott Snowy Shaw (der auch schon die verschiedensten Metal Stile gespielt hat) und Bands wie Theatres des Vampires, M83, Laibach, Alter Bridge, Bludgeon und Falco. Ich denke, die werde ich niemals alle in einem Release unter einen Hut bringen. Und in der Oper war ich auch schon mehr als einmal ;-)

MCR:   Falco ? Opern ? Ok...ein breitgefächertes Spektrum also.  Nun aber zurück zu deiner Musik.  Gibt es spezielle Themen, über die du schreibst, oder wie gehst du generell ans Songwriting heran ?

Ben:   Die meisten Songs haben ich über Vampire und andere Horrormotive verfasst. Ich bin kein großer Weltverbesserer, daher versuche ich das auch nicht in meinen Songtexten vorzugeben. Und Vampire waren irgendwie immer mein Ding, zumindest vor dem großen Hype. Mein Songwriting war bisher immer ähnlich; ich sammel über einen gewissen Zeitraum lose Ideen für Textzeilen, Wörter, Songtitel, Riffs, Melodien und Sounds und irgendwann gibt es den Tag X an dem ich beginne diesen gesammelten Pool auszuwerten und aus diesen Fragmenten richtige Songs zusammenzubauen.

MCR:  ......und dann nimmst du auf. Wie läuft so ein Aufnahmeprozess bei dir ab ? Woher hast du die Erfahrung, selbst zu produzieren ?

Ben:   Bei der Metal EP war es so, dass ich in der Songwritingphase das Schlagzeug schon ziemlich fertig programmiert hatte und zwischendurch Schmutzspuren für Gitarre und Bass aufgezeichnet habe. Zumindesst meisten, manchmal habe ich in der Phase auch nur einen Midi Bass benutzt. Und an dem Tag an dem ich beschlossen habe, dass die Vorproduktion nun vor bei ist, also das eigentliche Arrangement geklärt ist habe ich begonnen jede Menge Spuren für Bass, Gitarre und Gesang aufzuzeichnen. Darauf folgt dann immer die Auswahl der besten takes und das Editieren. Erst wenn dann alles beisammen war habe ich mich auf das Mixing konzentriert. Meine Erfahrungen basieren auf Erfahrungen *lach* Ich habe mich die meiste Zeit als Musiker auch immer mit der Aufnahmetechnik beschäftigt, habe auch ein paar Bands abgeschmischt und/oder gemastert. Für mich war immer die Erschaffung eines kompletten Songs der Fokus meines Musizierens, nicht die Perfektion an einem einzigen Instrument.

MCR:   Wie kommt man auf "Blutzukker" oder "Ben Blutzukker" ? Eine Anspielung auf Bloodsucker oder einfach ein nettes Wortspiel ? Ich denke, einen größeren Hintergrund hat der Name nicht, oder ?

Ben:  Der Name "blutzukker" ist nur indirekt auf meinen Mist gewachsen. Snowy Shaw hatte für seine Band "Notre Dame" (die sich auch hauptsächlich um Vampire drehte) einst einen Song mit diesem Namen angekündigt, der aber leider nie veröffentlicht wurde. Aber da ich diese Schreibweise von "bloodsucker" so originell fand habe ich das als Bandname übernommen. Und irgendwann hatte es sich eingebürgert, dass ich als Einzelperson meinen richtigen Vornamen mit dem Namen meiner Elektroband verbinde. So bin ich "Ben Blutzukker" geworden. Wobei die meisten das trotzdem wie das deutsche "Blutzucker" aussprechen. Ich auch.

MCR:  Ok, Ben. Dann dank ich Dir mal einstweilen für das Interview.  Bitte erzähl uns noch kurz, was als absolut nächstes bei dir ansteht und gerne kannst du noch ein paar abschließende Worte an uns Aschaffenburger und darüber hinaus richten....

Ben:  Ich habe zu danken! Aktuell arbeite ich weiter an meinem Musiker-Service MI On Air. Da sollten die lokalen Metalbands ruhig mal vorbeischauen. Ciao!    Hier der Link:  http://mionair.com/

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