Inteview mit Carsten Kachelmus von


RCF: Face Down Hero...existieren so weit ich weiß seit 2004. Euer neues Album "False Evidence Appearing Real" ist nun das sechste in Eurer Geschichte. Apropos Geschichte: Erzähl doch erst einmal etwas zur History von Face Down Hero.

Carsten: Hallo - wir haben zu danken :). Face Down Hero haben sich 2004 aus den Überresten der Band Mind - Ashes gegründet die es von 1993-2002 gab. Nach dem Ende von Mind-Ashes habe ich persönlich erstmal eine Pause eingelegt, bevor ich Ende 2003 mit Kali, der ebenfalls Gründungsmitglied bei Mind-Ashes war, überlegte wieder was Neues zu machen. Das Resultat ist Face Down Hero. Unser erstes Lebenszeichen gab es 2005 in Form eines "Press Only" Demos und nun haben wir bereits Album nr 6 am Start. Keine schlechte Schlagzahl wie ich finde :)

RCF: Ok. Wir wollen nicht zu viel über die Vergangenheit reden, immerhin soll euer neues Album ja im Fokus stehen. Nur soviel noch....warum habt ihr mit Mind-Ashes nicht weitergemacht ? Wenn ich richtig sehe, hattet ihr mit der Band auch schon drei Alben am Start.

Carsten: Ja das ist richtig. Mind-Ashes brachte es auf 3 Alben und eine EP. Wir hatten bei Mind-Ashes immer ein gravierendes Sängerproblem. Jedes Album hatte einen anderen Vocalisten was zum einen schlecht für den Wiedererkennungswert war und zum anderen ganz schön an die Nerven der übrigen Mitglieder ging. Du musst dir vorstellen das wir immer wenn man gerade los legen wollte um die Platte zu promoten und live zu spielen quasi bei null anfangen musste. Den größten Knacks gab es als uns der Tobi verlassen hatte, der das zweite Album Trend Cemetary eingesungen hat. Mit dem Album schien wirklich was zu gehen. Die Kritiken waren klasse und wir hatten einige richtig gute Gig bzw. Tour Angebote. Tobi stieg dann aber leider aus und davon haben wir uns nicht mehr erholt. Zwar gab es noch ein drittes Album aber das hätten wir uns sparen können da wir selber nicht mehr an die ganze Sache geglaubt haben bzw. nicht mehr davon überzeugt waren. Somit war es nur logisch und meiner Meinung nach richtig, dass wir das Kapitel beendet haben.

RCF: Gut, soweit die Vergangenheit. Gegenwart ist euer neues Album "False Epidence Appearing Real". Darüber wollen wir jetzt reden. Der Albumtitel klingt kritisch, fast sogar politisch. Welche Aussage steckt hinter dieser Message und inwiefern spiegelt sich das in den Songs wieder ?

Carsten:  Wir leben in sehr unruhigen Zeiten in denen Hetze, Falschmeldung, Manipulation und Verleumdungen an der Tagesordnung sind. Das wollten wir mit dem Cover darstellen. False Evidence Appearing Real ist ja ein acronym für FEAR also Angst. Genau das passiert meiner Meinung nach gerade regelmäßig in der Welt speziell in den sozialen Medien. Eine eigentlich harmlose Situation wird durch Stimmungsmache manipulativ so wieder gegeben, dass sie plötzlich bedrohlich oder beängstigend wirkt. In vielen der Songtexte, z.B. "Fractured Nation" oder "When a promise becomes a lie  " geht es um diese Manipulationen von Meinungen um Hetze und die Wiederauferstehung des Populismus weltweit. Wahrscheinlich ist FEAR in der Tat unser bisher politischstes Album auch wenn sich nicht alle Songtexte um Politik drehen.

RCF: Musikalisch seid ihr nicht nur im Thrash unterwegs. Gerade das neue Album glänzt durch Abwechslung und verschiedene Einflüsse. Hat sich das im Songwritingprozess so ergeben oder seid ihr bewusst an die Sache herangegangen, möglichst viele Einflüsse mit einfließen zu lassen ?

Carsten: Das war eigentlich immer schon so bei uns das wir nicht starr im "Thrash Modus" denken beim Songwriting. Wir haben uns von Beginn an gesagt das wir uns mit Face Down Hero keine stilistischen Limits setzen wollen. So sind wir zB. gar nicht anfangs hingegangen und haben uns Thrash Band genannt sondern ganz allgemein Metal Band. Sicher kommen dann aber natürlich die eigenen Präferenzen, die man als Fan hat, durch. Da Kali und ich mit dem 80er / 90er Thrash Metal aufgewachsen sind ist dies natürlich ein wesentlicher Faktor in unserem Sound. Aber wir hören und mögen eben auch ganz viele andere Sachen von denen wir uns dann auch inspirieren lassen. Das dies auf der neuen Scheibe noch intensiver bemerkbar ist als früher, das mag durchaus sein.

RCF: Du hast schon das Cover Artwork erwähnt. Was wollt ihr konkret damit ausdrücken. So wie ich das sehe, steht auf der einen Seite ein Kind mit Puppe und auf der anderen Seite der ungnädige Mob. Quasi die Unschuld/Reinheit eines Kindes gegenüber dem Hass und der Brutalität der gemeinen Welt. Und hattet ihr genaue Vorstellungen, wie das Artwork auszusehen hat ?

Carsten: Das hast du prinzipiell richtig erkannt. Wir wollten darstellen das eine relativ harmlose Situation komplett anders dargestellt werden kann bzw. wird und die Menschen, in dem Fall der Mob, darauf anspringt ohne den Wahrheitsgehalt zu hinterfragen Das Mädchen, das nur seine Puppe aufhebt erscheint im Schattenbild so als würde es jemanden erwürgen. Den Mob haben wir auch absichtlich Gesichtslos darstellen lassen während das kleine Mädchen ein Gesicht hat. Das sollte die Anonymität darstellen hinter denen sich der sg. Wutbürger gerne versteckt. Wir wollten das Cover bewusst wie ein altes Propagandaplakat erscheinen lassen.  Das Motiv selber hat sich dann der Felix ausgedacht. Von uns hatte er nur die farblichen Vorgaben und die Aussage die wir treffen wollten. Das hat er alles meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt.

RCF: Dann wären wir auch schon beim Thema, wer macht was bei euch....Erklär mal, wer bei Face Down Hero die Lyrics schreibt, für die Musik verantwortlich zeichnet und sonst so die Ideen einbringt

Carsten: Ideen bringen wir alle ein. Die Songs entstehen zu einem großen Teil so, dass Kali ein Riff anschleppt oder mehrere Riff Ideen und wir das dann zu zweit (Drums/Gitarre) ausarbeiten. Manchmal entsteht es aber auch durch reines jammen. Diesmal hat aber auch z.B. erstmals unser Basser der Sebi einen Song beigesteuert. Wolfchild basiert auf einer Idee von Sebi. Die Lyrics schreibe fast alle ich. Später verfeinere ich diese aber noch zusammen mit Kali - schließlich muss er die Teile auch singen und da ist es wichtig das wir das zusammen anpassen damit es gut auf die Musik passt. Bei uns kommt also alles irgendwie durch Teamwork zustande.

RCF: Hast du denn schon immer feste Ideen im Kopf, wenn du deine Lyrics schreibst, oder kommt dann oft eins zum anderen während des Songwriting Prozesses. Gibt es Themen, die du hier bevorzugst ?

Carsten: Ich hab schon meist, bevor wir die Platte aufnehmen in ungefähr eine Ahnung in welche Richtung es thematisch gehen soll. Meistens behandle ich alltägliche Themen und versuche nicht in irgendwelche Klischees abzudriften. Ein großer Themenbereich ist aktuell natürlich die angespannte Weltlage und der immer stärker werdende Rechtspopulismus. Das ist ein Thema was uns innerhalb der Band sehr beschäftigt und wir wollten da bewusst mit der Platte ein Statement dagegen setzen. 

Ein mir persönlich sehr wichtiger Text ist der von Goodbye to all heroes in dem es um den Verlust bewunderter und geliebter Menschen geht. Aber ich habe auch z.B. zum zweiten Mal einen Text über eines meiner Fave PC Spiele Mass Effect geschrieben. Du siehst ich setze mir auch bzgl lyrics wenige Grenzen :)

RCF: Im angesprochenen "Goodbye To All Heroes" singt eine Frau zu Beginn und Ende. Überhaupt kristallisiert sich dieser Song durch seine balladeske Strukturen als besonders auf dem Album heraus. Wo habt ihr die Dame her und wie kommt die denn überhaupt mit euch Wilden klar :-) ?

Carsten: Oh unterschätz mir die Stefania nicht - die ist wilder als wir alle zusammen - südländisches Temperament und so hehe. Stefania kenne ich seit über 10 Jahren durch ihre alte Thrash Metal Band Niebelheim aus Italien bei der sie gesungen hat. Ich habe damals, noch zu MySpace Zeiten, einen Song gehört und fand den super. Dann bin ich mit ihr in Verbindung gekommen, wir haben CDs getauscht und sind über all die Jahre immer in Kontakt geblieben. Da ist schon irgendwie eine tolle Freundschaft entstanden. Bei Niebelheim schreit und growlt sie extrem, aber nebenher machte sie immer als Solo Künstlerin unter dem Namen Natisfea schon ruhigere Sachen die mich wirklich beeindruckt haben. Als wir dann bei „Goodbye to all heroes“ überlegten Frauengesang einzusetzen, war sie jedenfalls direkt meine erste Wahl und ich bin total glücklich mit dem Resultat.

RCF: Das neue Album wurde von Martin Buchwalter produziert. Ein Name, der immer häufiger in der (Thrash-)Metal Produktions-Szene auftaucht. Der Mann müsste mittlerweile ja vielbeschäftigt sein. Wie seid ihr mit ihm in Kontakt gekommen ?

Carsten: Martin ist ja bereits unser Stammproduzent seit unserem zweiten Album "Where all this anger grows" von 2008. Wir kennen uns bereits seit ungefähr 20 Jahren. Mit unsere alten Band Mind-Ashes haben wir mit Martins Band Perzonal War ich glaube erstmalig 1997 zusammen gezockt. Seitdem ist der Kontakt nie abgebrochen, wir sind Kumpels geworden und als wir einen Produzenten für unser zweites Album suchten dachten wir direkt an ihn. Er hat auch diesmal wieder einen klasse Job gemacht!

RCF: In der Tat. Der Bursche hat's wirklich drauf einen amtlichen Sound zu erschaffen. Wie wichtig sind euch die einzelnen Elemente eures Sounds. Sprecht ihr da gehörig mit, oder vertraut ihr im Großen und Ganzen dem Produktionsteam ?

Carsten: Uns ist es natürlich wichtig wie das ganze klingt. Wir wollten diesmal einen organischeren Sound als auf der Vorgänger Scheibe die im Nachhinein betrachtet teils etwas "kalt" klingt für meinen Geschmack. Damals wollten wir das schon so haben aber diesmal  sollte es eben wieder ein bisschen "natürlicher" klingen - die Gitarren haben wir zB. auch wieder höher gestimmt. Besonders das Drum sollte so unbehandelt wie möglich klingen, was aber auch ganz im Interesse Martins war.Bei den Drums haben wir uns wirklich intensiv mit dem Sound beschäftigt und ich finde es den besten Drumsound den wir je hatten - ohne das ich das früher schlecht fand.  

Mittlerweile muss man auch nicht viel dazu sagen da Martin sehr genau weiß wie wir klingen wollen _- schließlich begleitet er uns jetzt auch schon 10 Jahre und 5 Scheiben. Ich würde uns ein eingespieltes Team nennen.

RCF: Ihr kommt ja aus Marburg. Gibt's bei euch eine Metalszene, oder müsst ihr das schon weiter wegfahren, um euch mit Freunden, Bands zu treffen oder Konzerte zu genießen ?

Carsten: Es gibt schon eine Metalszene bei uns. Es gibt einige kleinere und mittelgroße Metalkonzerte über das Jahr verteilt. Für die etwas größeren Acts fährt man dann nach Frankfurt oder Wiesbaden die beide eine knappe Stunde entfernt liegen. Das hält sich also eigentlich im Rahmen.

RCF:  Ok. Somit natürlich die nächste Frage:  Wo und wann kann man euch live dieses Jahr bewundern ?

Carsten: Leider hat uns ja kurz nach der Aufnahme abermals unser zweiter Gitarrist verlasse so, dass wir da aktuell eingeschränkt sind. Wir arbeiten aber gerade eine Aushilfe ein und sind dann ab Juli hoffentlich wieder einsatzfähig. Geplant ist jedenfalls ab Juli wieder livetechnisch präsent zu sein. Einige Sachen sind da im Gespräch aber spruchreif leider noch nichts.

RCF: Hättet ihr denn organisatorisch die Möglichkeit, auf eine Tour aufzuspringen ? Oder müsstet ihr euch beruflich oder privat zu sehr verbiegen ?

Carsten: Organisatorisch ist das weniger ein Problem. Ok klar könnten und wollten wir keine 4 Wochen am Stück Touren. Aber so nen zwei Wochen Ding wäre nicht das Problem. Problematisch sind da eher die fehlenden vernünftigen Angebote haha. Klar gibt's immer mal Anfragen aber dann eher in Preislichen Dimensionen die wir dann doch nicht stemmen können. Pay to play eben.

RCF: Pay to play...das weit verbreitete Problem. Dann lieber gezielte Konzerte in Eigenregie ? Kannst du uns vielleicht sogar ein paar Dates nennen ?

Carsten: Wir arbeiten derzeit einen neuen zweiten Gitarristen ein und werden erstmalig in der Besetzung am 9. Juli bei uns in Marburg spielen. Andere Termine stehen noch nicht fest.

RCF: Kommen wir langsam zum Ende. Was steht als nächstes an bei Face Down Hero ? Hat der ein oder andere evtl. auch noch eine "Nebenspielwiese" musikalisch, bei der Aktivitäten anstehen ?

Carsten: Als nächstes arbeiten wir unseren neuen Live Gitarristen ein und hoffen natürlich das wir auch alsbald wieder ein festes viertes Mitglied bekommen. Dann werden wir auch ganz langsam wieder mit Songwriting beginnen und hoffentlich noch den ein oder anderen Gig dieses Jahr zocken.  Musikalisch sind wir drei recht konservativ und spielen nur bei Face Down Hero. Für andere Projekte fehlt uns auch immer die Zeit oder der Abtrieb. 

RCF:  Ok, dann danke für das Interview und viel Erfolg mit dem neuen Album

Carsten:  Ebenfalls vielen Dank, hat Spaß gemacht und hoffentlich sieht man sich mal auf nem Gig...


Interview geführt von Kerbinator

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