Interview mit Michael Holmes von IQ


MCR:   Hi Michael, zu allererst einmal Danke, daß wir dieses Interview mit euch führen können. „The Road of Bones“ ist jetzt fast ein Jahr draußen. Wie waren die Reaktionen der Presse und der Fans bis  jetzt ?

Michael: Ja, super. Tatsächlich wahrscheinlich die besten Reaktionen zu einem Album in unserer gesamten Karriere. „The Road of Bones“ wurde zur Nummer 1 in vielen Umfragen und Auszeichnungen gewählt, gemeinsam mit unserem Titelsong als besten Song des Jahres und noch ein paar Kategorien mehr (beste UK Band, beste Keyboards, Vocals etc.). Alles in allem weit mehr als 30 Top Ergebnisse, was toll ist und einen kräftigen, moralischen Schub gibt.

MCR: Eventuell gibt es ein paar Prog Fand, die bisher noch nicht die Gelegenheit hatten, „The Road of Bones“ zu hören. Kannst du ein kurze Beschreibung über das Album geben ?

Michael: Oh Mann, das ist schwierig mit einem eigenen Album. Für mich ist es ein IQ Album:  es besitzt das gleiche Gespür für Melodien wie immer, aber ich nehme an es fällt etwas dunkler und wahrscheinlich heavier aus. Ich würde sagen, es wird den alten Fans der Band gefallen, aber ich denke es besitzt definitiv eine moderne Vorgehensweise, was Songwriting und Arrangements, die Produktion und den Sound betrifft.

MCR: Mit dieses Album ist nun euer „neuer“ Keyboarder, Neil Durant, endgültig in die Band integriert, nachdem Martin die Band vor einigen Jahren verlassen hat. Kannst du bestätigen, daß er jetzt ein vollständiges Mitglied der IQ Familie ist ?

Michael:  Absolut. Bevor er zu IQ kam, war er mehr als 20 Jahre lang ein großer Fan der Band, so hatte er bereits ein gutes Verständnis, um was es bei uns geht und er wußte, nach was für einem Keyboarder wir suchen. Es war sehr leicht, die Arbeit mit Neil zu beginnen – er passte irgendwie dazu und ist nun ein großer Teil unserer Familie.

MCR: Auch Tim Esau kam zu IQ zurück. Was waren die Hintergünde von dir und ihm wieder zusammen zu arbeiten ?

Michael:  Es schien uns die offensichtlichste Wahl. John (Jowitt – der ehemalige Bassist) verließ die Band und für uns machte es Sinn, erst einmal Kontakt zu Tim aufzunehmen, bevor wir mit irgendjemand anderem reden. Glücklicherweise war Tim begeistert, wieder mit uns zu arbeiten und auch hier fiel die Zusammenarbeit von Beginn an leicht. Wir haben jetzt wieder ein gutes und hoffentlich stabiles Line Up und die Band fühlt sich im Augenblick gut aufgestellt.

MCR:  Wenn wir uns die Artworks von „The Road of Bones“ und „Dark Matter“ anschauen, stellen wir fest, daß beides Mal ein Gesicht in unterschiedlicher Art und Weise aus dem Himmel erscheint. Zufall oder Konzept ?

Michael:  Ja, ich verstehe, was du meinst. Obwohl ich nicht glaube, daß hier eine bewusste Entscheidung von irgendjemandem zugrunde liegt. Wir haben sehr eng mit Tony, unserem Designer, für dieses Album gearbeitet und ich denke er hat großartige Arbeit geleistet die Stimmung der Musik im Artwork rüberzubringen.

Der Titelsong erzählt die Geschichte einer Stadt, die aufgrund einer Serie von Morden in der Angst gefangen ist und das Gesicht auf dem Albumcover stellt den Killer dar. Es scheint mir, als würde der Killer seine Gedanken mit uns teilen wollen, in uns Vertrauen zu erwecken und uns zu beten, alles zu verheimlichen – eine Art Zusammenarbeit mit ihm. Ein ziemlich verstörender Gedanke.

MCR:  Ihr habt das neue Album auch mit einer Bonus-CD veröffentlicht, welche 6 neue Stücke von euch beinhaltet. Was war der Grund hierfür ? Für mich besitzen die Songs nicht die Qualität des Hauptalbums....

Michael:  Ich stimme dir zu, daß die Bonus-Songs unterschiedlich zum Hauptalbum klingen...darum ist's ja auch eine Bonus Disc. Ein paar Leute haben behauptet, es handele sich um ein Doppelalbum, aber das ist falsch. Es ist definitiv ein Einzel-Album, mit einem weiteren, welches den Wert eines Bonus-Albums trägt.

Wir schreiben meistens mehr Material, als wir für das Album benötigen und in der Regel fliegt der Stoff, den wir nicht brauchen zur Seite und gerät in Vergessenheit. Diesmal dachte ich wäre es vielleicht interessant für die Leute zu sehen, an welchem Material wir sonst noch so gearbeitet haben.

MCR: Ihr seid immer noch ,,on the road“ mit kommenden Shows in Europa und ein paar Dates in Kanada dazwischen. Warum spielt ihr nur zwei Dates in Übersee ? Ist es nicht zu teuer für einen Kurztrip dorthin ?

Michael: Nun ja, es ist eine teure Angelegenheit das zu tun, aber wir haben wirklich keine große Wahl. Der Großteil der Band hat seine tägliche, zivile Arbeit und nicht die Möglichkeit viel Zeit für's Touring frei zu nehmen. Wir tun, was wir können, aber es ist nicht möglich, eine längere Kette von Dates zu spielen. Es ist schade, da es, wie du ja sagst, finanziell mehr Sinn machen würde eine oder zwei Wochen an Gigs zu spielen. Ein Punkt ist aber, daß wir von Live Auftritten nie gelangweilt werden, da wir ja nie zu viel davon spielen – immer wenn wir live spielen, bedeutet uns das sehr viel und wir legen uns so gut es geht ins Zeug.

MCR:  Wenn ihr zu „Tales from the Lush Attic“ zurückschaut und den Weg bis heute verfolgt, was ist der größte Unterschied in progressiver Rockmusik von vor 30 Jahren und heute ?

Michael:  Hm...ich weiß nicht, ob ich diese Frage beantworten kann. Es scheint, daß es heute OK ist, sich zu ProgRock zu bekennen. Vor 30 Jahren war Prog fast ein Schimpfwort und etwas was du nur mit deinen besten Freunden geteilt hast.

Auch scheint es heute mehr Unterarten des Prog zu geben. ProgMetal, Neo Prog (...ich weiß immer noch nicht, was das bedeuten soll), Nu Prog, traditioneller 70er Prog...Ich denke, es ist eine schöne Sache und fördert einige interessante Musik zu Tage.

MCR:  Bei euren Live-Shows fordert das Publikum immer „The Wake“. Ihr könnt keine Show beenden, ohne diesen Song gespielt zu haben. Was ist die Magie hinter diesem IQ Klassiker ? Vielleicht, weil es ein mehr pulsierender Song ist ?

Michael:  Keine Ahnung ! Weil man hoch springen kann, eventuell ?

MCR:  Neben Peter's Gesang ist dein Gitarrenspiel das absolute Erkennungsmerkmal im Sound von IQ. Kannst du uns etwas verraten über deine Technik, Gitarre zu spielen ? Es muß da etwas geben, das keiner in der Lage ist zu spielen, außer du....ha, ha.

Michael:  Hmm....ich habe noch nie wirklich über mein Gitarrenspiel nachgedacht. Ich mach nur das, was ich fühle, daß es der Song braucht. Ich denke, ein Instrument zu spielen ist ein bisschen wie einen Song zu schreiben – es ist wichtig, authentisch zu sein und das zu spielen (oder zu schreiben), was tief in einem drin ist. Wenn nicht, kann es gestellt wirken und die Leute können es immer sagen...

Ich bin wirklich nicht der Typ einer dieser „lass mich so schnell spielen, wie ich kann“-Gitarristen. Ich weiß, daß es sehr beeindruckend ist, aber es lässt mich oft kalt, wenn ich diese Art des Spielens höre. Ich möchte etwas hören, daß von Herzen kommt...und das kann manchmal technischer Natur sein, aber auch nur ein großes, wundervolles Geräusch.

MCR:  Wie lange braucht es von der Idee zum kompletten Song ? Ich würde sagen, eine lange Zeit, wenn ich mir die Komplexität eurer Lieder anschaue...

Michael:  Das variiert stark...manche Songs können Jahre brauchen, sie zu vollenden und andere gehen sehr schnell den direkten Weg. Ein paar Songs von „The Road of Bones“ waren sofort fertig, während es bei anderen Songs Monate dauerte, bis wir wussten, daß sie fertig sind.

MCR:  Visuelle Elemente sind großer Bestandteil eurer Live Shows. Wer ist für die Backdrops und Filme verantwortlich, die wir immer bei euren Shows genießen dürfen ?

MIchael:  Wir haben schon immer versucht, die bestmögliche Show zu bringen mit dem ständig limitierten Budget, welches wir haben. Alles fing an mit den Subterranea Shows, als wir einen riesigen Bildschirm im Hintergrund hatten und eine durchsichtigen vorne, der sich hoch und runter bewegte.

Danach spürten wir, daß wir nicht einfach zurück gehen konnten, mit lediglich 5 Jungs, die auf der Bühne stehen. So überlegten wir uns, was wir mit unserem Budget umsetzen können und trotzdem beeindruckend wirkt. Ich denke, die Idee mit den 3 Bildschirmen funktioniert gut und ist zu einem wesentlichen Bestandteil unserer Shows geworden.

Für die aktuellen Bilder, die wir projezieren, gilt:  Dies ist hauptsächlich der Verdienst von Dene (Wilby) unserem Projektions Menschen. Er ist ein wahres Wunderkind, wenn es darum geht mit Software (und Hardware) Bilder zu bewegen und er hat einige großartige Ideen, wenn er unsere Musik hört. Ich habe während der Jahre auch ein paar Filme gemacht, aber dies passiert nur, wenn Dene zu beschäftigt ist, rechtzeitig für die Auftritte fertig zu werden. Frank (Goodwillie) ist für die aktuelle Bildschirmkonstruktion jeden Abend beauftragt, aber viel wichtiger ist, daß er mir auf der Bühne Bier bereitstellt. Vervollständigt wird der visuelle Aspektvon Lol (Dyer), unserem Lichttechniker – mit ihm arbeiten wir seit fast 30 Jahren...

MCR: Vor vielen Jahren habt ihr mal einen Auftritt in unserer Heimatstadt Aschaffenburg gehabt. Pete war damals stark erkältet und Martin Orford musste die meisten Parts des Abends singen. Nun ist Martin aber ja nicht mehr in der Band. Wenn so etwas nochmal passieren sollte, gibt es dann jemanden, der kurzfristig für Pete einspringen könnte oder müsstet ihr die Show absagen ?

Michael:  Oh mein Gott...ich wüsste nicht, was wir in einer ähnlichen Situation momentan machen würden. Tim und ich übernehmen gelegentlich Background-Vocals, aber ich denke, daß keine unserer Stimmen stark genug ist einen ganzen Song zu tragen. Hoffen wir einfach mal, daß so etwas in der Zukunft nicht mehr passiert, ha ha.

MCR:  Wenn ich mich nicht täusche, bist du auch der Kopf von GEP Records. Arbeitest du selbst dort noch mit anderen Bands oder was ist deine spezielle Aufgabe ?

Michael:  Ich bin einer unserer vier Direktoren bei GEP. Jeder von uns hat sein eigenes Gebiet von Erfahrungen. Meine besteht in der Verbindung von aktueller Musik und Künstler. Peter (Huth) ist ein bekannter Journalist und Redakteur und er behandelt die Presse und Promotion Seite. Thomas (Waber) ist der Chef von InsideOut Music und ist großartig für die geschäftliche Perspektive und Rob (Aubrey) ist ein bekannter Studio-u. Livetechniker und trifft sich mit vielen Musikern und Künstlern während deren Arbeit, was für uns natürlich super ist.

Ja, wir arbeiten mit anderen Bands neben IQ – kürzlich haben wir mit Big Big Train und Synaesthesia gearbeitet (wir haben gerade begonnen, das nächste Album mit ihnen aufzunehmen). Und wir haben gerade das neue Album von Special Providence herausgebracht, eine unglaubliche Band, die Prog, Metal und Jazz in höchst interessanter Weise vermischt. Dann haben wir da noch ein neues Album, daß im Juli herauskommt, von den neuen Künstlern Purposeful Porpoise, was toll wird. Prog zum Zurücklehnen, mit richtig gutem Groove und mit sehr interessanten und bekannten Bandmitgliedern.

MCR:  Du als „alter“ (sorry !) Veteran der Progrock Musik – kannst du junge Bands empfehlen, die es wert sind, gehört zu werden ?

Michael:  Es macht mich stolz, die jungen Bands zu hören, mit denen wir zusammenarbeiten, als Teil der Firma. Und natürlich kann ich diese wärmstens empfehlen.

MCR:  Was sind die nächsten Pläne für IQ ?

Michael:  Wir haben noch eine Reihe von Auftritten dieses Jahr, was noch Teil der ausgedehnten „Road of Bones“-Tour ist (mit ein paar in Deutschland im Januar nächsten Jahres). Außerdem habe ich bereits mit dem Schreiben des nächsten IQ Albums begonnen. Dies sind nur ein paar grobe Entwürfe bis jetzt, aber ich bin schon sehr zufrieden damit. Dann habe ich die Musik für den „Subterranea“-Film abgeschlossen und wir werden den Soundtrack dazu irgendwann dieses Jahr veröffentlichen. Und...immer wenn ich dazu komme, arbeite ich an einem neuen The Lens Album.

MCR:  Meistens, wenn ihr in Deutschland seid, spielt ihr auch im Colos Saal in Aschaffenburg. Entscheidet ihr selbst, in welchen Clubs ihr spielt, oder ist dies die Aufgabe einer Booking Agentur ?

Michael:  Es ist ein bißchen von beidem – normalerweise bekommen wir Angebote von Auftrittsorten für Gigs und wir versuchen ein paar dazu herum zu organisieren. Ich muß sagen, der Colos Saal ist ein toller Ort für Auftitte. Es herrscht dort immer eine super Atmosphäre und wir genießen immer die Zeit dort.

MCR:  Ich glaube, es war die „Subterranea“-Tour, als du und andere Bandmitglieder euch dort unter's Publikum nach der Show gemischt habt, um zu reden und zu trinken. Damals hab' ich euch gefragt, ob ich IQ Sachen unterscheiben würdet und du hast mein „Tales from the Lush Attic“-Shirt auf der Rückseite von oben nach unten komplett unterschrieben. Was zur Folge hatte, daß ich das Shirt nun nie mehr waschen konnte und es als Fan-Stuff aufheben musste.

Was ich damit sagen will...ich glaube, du hast einen ausgeprägten Sinn für Humor und ihr habt Spaß, euch unter die Leute zu begeben. Nur Pete verlässt den Veranstaltungsort recht schnell. Ist das richtig ?

Michael:  Ja, das klingt nach etwas, was ich wohl getan habe, ha ha. Ich hatte immer ein paar Becher Bier zum Ende des Abends hin und ich war bekannt für die Kreativität, meine Unterschriften zu leisten.....Normalerweise mögen wir es, uns nach einem Auftritt in der Bar mit den Leuten zu treffen, um zu reden und zu trinken. Es ist gut um abzuschalten und nach dem Stress des Auftritts zu relaxen. Und normalerweise beinhaltet dies auch Freibier, ha ha. Pete trifft sich letztendlich auch mit uns, aber es dauert bei ihm ein bisschen länger, bis er sich umgezogen und wieder alles verstaut hat.

MCR:  Michael, danke für dieses Interview. Noch ein paar abschließende Worte an unsere Leser ?

Michael:  Wir wäre es mit „Ffarfentl Smesatsmesens“ - zwei meiner favorisierten Worte im Augenblick (ah ja – red.)


Autor (inkl. Übersetzung) für Monkey Castle:  Kerbinator

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