Interview mit Oli, Andi & Malte von

LARCENY


MCR:  Hi, mit „Into Darkness“ ist euer zweites Album draußen, trotzdem kennen viele Leute Larceny wohl noch nicht. So erzählt uns doch mal, wie die Band entstanden ist....

Andi: Ok, das ist dann wohl mein Part. Das Ganze habe ich wohl in Bewegung gesetzt. Bin eines Abends bei Freunden auf dem Sofa gesessen und war gerade mal wieder ohne Band.. Ja, mal wieder. Ich hatte zuvor schon in anderen Bands gespielt. Leider hat sich daraus nie richtig was entwickelt. Jedenfalls lag ich da auf der Couch, bin ein wenig eingesunken und dachte mir, es ist zu früh mit der Musik aufzuhören und alles an den Nagel zu hängen. Ich muss weiter suchen. Dann fiel mir Malte ein. Den kannte ich bereits und wir sahen uns hin und wieder mal bei Konzerten und Kneipen. Ich wusste dass er Schlagzeug spielte und vielleicht noch spielt? Also, ran an das Telefon. Da hat man noch mit einander telefoniert. Das sieht heute ein wenig anders aus. Man sollte wissen dass dies im Jahr 2004 war. Fuck vor 11 Jahren schon !!! Ok, ich ruf Ihn an und ja, er spielte noch und war auch ohne Band. Das war der Anfang.

Dann kam alles sehr schnell. Da kann Malte bestimmt auch was erzählen...

Malte: Ja, ich kannte Oli damals schon und hab den angefunkt. Oli war dann Feuer und Flamme was auf die Beine zu stellen und dann ging alles recht zügig voran und wir waren innerhalb von etwa 3 Monaten komplett besetzt und die ersten Songs wurden geschrieben.

MCR: Euer Musikstil ist schwer einzuordnen. Ich habe ihn im Review zum Album mit Dark Metal bezeichnet. Wenn ihr eure Musik beschreiben müsstet, was käme dabei heraus ?

Andi: Hm, in der Tat, nicht ganz einfach. Aber ich glaub das mit dem Dark Metal ist nicht schlecht. Wobei in unseren Songs hier und da Thrashelemente zu hören sind.

Malte: Ich würde den Stil als Melodic Death Thrash einordnen. Für jede Stilmischung aber immer wieder einen neuen Überbegriff zu suchen und zu verwenden macht die Sache auf Dauer noch komplizierter. Im Endeffekt sollte sich jeder Hörer ein Bild über die Musik machen und dann urteilen, ob sie ihm gefällt oder es eben nicht seinen Geschmack trifft.

Oli: Wie oft hatten wir diese Diskussion schon im Proberaum gehabt? Letztendlich trifft Malte den Nagel auf den Kopf. Du hörst Dir `ne Platte im Laden oder sonst wo an und es gibt eigentlich nur 2 Möglichkeiten. Entweder gut und kaufen oder halt nicht. Aber Du siehst ja, dass es bei uns manchmal etwas anders ist.Melodic Death Thrash.“ Aha.Mit Einflüssen aus dem Black Metal. Für jeden etwas dabei.“ Aha. Am Arsch Mann. Das ist keine Marketingstrategie, sondern lediglich das Resultat unserer verschiedenen Vorlieben, die sich beim Songwriting einfach zeigen. Andi hört viel Thrash, also gibt es auch Thrash zu hören. Ich mag meistens Melodic Death und Black, also gibt es auch das zu hören. Alles ganz einfach.

MCR: Früher hattet ihr ja eine Sängerin. Was war der ausschlaggebende Punkt, daß Oli zusätzlich zu den Gitarren auch noch den Gesang übernimmt ?

Malte: Das hat sich im Laufe der Jahre so ergeben. Der Stil hat sich weiterentwickelt und aus dem weiblichen Sologesang wurde zunächst der Wechsel aus weiblicher und männlicher Stimme. Aber Oli kann das aus seiner Sicht auch beschreiben.

Oli: Ah ja, jetzt also die erste Gretchenfrage. Ja, Anna ist uns leider abgegangen. Naja leider und nicht leider. Mir selbst fiel es sehr schwer mit ihr darüber zu sprechen, weil sie eine gute Freundin von mir ist. Danach war eine Zeit lang Funkstille. Mittlerweile hat sich der Kontakt mit ihr wieder auf ein Minimum erhöht.

Wir hatten gleich nach dem Release von My Fall geplant weiter an neuen Songs zu schreiben. Aber Anna fiel scheinbar in ein Loch und war dann einige Zeit nicht zu den Proben erschienen. Zudem deutete sie an aussteigen zu wollen. Einige von uns hat das alles echt angekotzt und es wurde klar, dass es so nicht weitergeht. Nur wie sollten wir weitermachen? Manche wollten, dass ich es alleine versuche, andere wollten wieder weiblichen Gesang. Ich selbst hatte mich zwar enthalten, muss aber schon zugeben, dass ich keine Lust mehr hatte schon wieder „Oberschwaben sucht die Metal-Voice“ zu spielen. Ich hatte diese ganze Casting-Scheiße so satt, dass ich vorschlug eine Show, nur mit mir als Shouter, auszuprobieren. Glücklicherweise hatten uns an diesem Abend genau diese Kumpels gehört, die uns immer sagen was Mist ist und was nicht. Also gibt es auch hier nur 2 Möglichkeiten. Entweder sie fanden es wirklich gut oder alle waren besoffen wie 10 Russen. Klingt beides nach nem Plan.

Das alles war kurz nach dem Release von My Fall. Es war zwar eine Lösung, aber richtig gut war die auch nicht. Du machst doch keine Platte mit dualem Gesang und 3 Monate später trennst Du Dich von einem der Sänger. Clever geht anders. Wie man es auch drehte und wendete, richtig glücklich waren wir also nicht. Um auf den Konzerten wenigstens irgendetwas in der Hand zu halten, haben wir uns dazu entschieden, bei 3 Songs meine Vocals neu aufzunehmen und Annas Vocals rauszuschmeißen. Somit gab es etwas, was die Leute sich im Netz saugen konnten und was so klingt, wie es jetzt halt klingt.

Trotz Release war 2013 also doch ein ziemlich gelungenes „Fickt Euch doch alle“-Jahr. Als wir dann Ende 2014 mit neuen Songs und erneuerter Motivation die Vorproduktion starteten, entschieden wir uns einen weiteren schon älteren Song neu aufzunehmen und mit auf die Platte zu packen. Für alle, die uns schon lange kennen, ist dies ein spezieller Dank dafür, dass sie immer noch zu unseren Konzerten kommen – nach diesem ganzen Affentheater jedes Mal. Into Darkness ist also die einzige Hardcopy auf der diese 4 Songs in diesen Versionen vorliegen. Ein Dankeschön eben.

MCR: Der Gesang an sich ist meiner Meinung nach dem von Dani Filth von Cradle of Filth nicht ganz unähnlich. Ist diese Dark-Black-Band für euch als Einfluß zu nennen, oder eher Zufall ?

Andi: Wenn ich mir Gitarrenriffs überlege dann denke ich nicht bewusst an Dani Filth oder Cradle of Filth, noch an anderen Bands. Dani ähh ich meine Oli, wie sieht es da bei dir aus?;-)

Oli: Seggl. Ja, erstaunlicherweise höre ich das nicht zum ersten Mal. Ich weiß noch nicht, ob ich das wirklich gut finde. Cradle Of Filth. Vor einer Ewigkeit hat mir das echt Spaß gemacht, aber leider hat sich die Band mit Thornography für mich erledigt. Jede Parallele die hier gefunden werden kann, wäre tatsächlich reiner Zufall.

MCR: In eurem Sound spielt das Keyboard eine nicht unwichtige Rolle. Gerade wenn es um den Bereich Melodien geht. Wie wichtig seht ihr den Einsatz von Keyboard-Sounds für die Musik von Larceny ?

Andi: Ich finde ihn sehr wichtig da es sonst auch nicht unser Stil wäre. Die Keys machen gerade die Refrains so groß.

Oli: Seh ich auch so. Klar ist es schön, wenn es im Song so richtig in die Fresse gibt, aber genauso geil finde ich Dramatik durch Piano und Größe und Breite durch Strings. Also ich selbst kann mir das alles ohne Keys momentan nicht vorstellen. Vielleicht werden wir das Ganze in der nächsten kreativen Phase noch etwas besser temperieren…

MCR: Ich denke, daß ihr alle ja auch noch berufstätig seid. Wie schwierig ist es für euch daher, Live-Auftritte zu koordinieren ? Wenn ich mir die Gig-Liste auf eurer Webseite anschaue, finde ich hier lediglich sporadisch Auftritte und dann auch fast ausschließlich im süddeutschen Raum....

Andi: Ja, es sind bis auf Conny (Studentin) alle berufstätig. Das muss wirklich gut koordiniert  werden. Darum haben wir auch Malte, unser sechstes Bandmitglied der das ganze Organisiert. Danke Malte !

Malte: Ganze Touren selbst zu organisieren stellt sich als schwierig bis nicht machbar dar. Da ist unsere Bekanntheit einfach noch zu gering. Beruf, Familie und Band zu vereinbaren ist auch nicht immer einfach, allerdings spielen wir inzwischen   deutlich mehr Gigs als in vergangenen Jahren und auch der Radius wird immer größer. Letztes Jahr waren wir mehrmals in der Schweiz. In diesem Jahr sind wir zwischen Passau und bis nach Duisburg unterwegs. Für 2016 laufen derzeit die ersten Planungen und da soll auch der hohe Norden des Landes berücksichtigt werden. Sollte uns ein Angebot als Toursupport erreichen, sind wir dafür aber natürlich auch offen.

MCR: Bisher habe ich nur ein Video zu dem Song „Still“ vom „My Fall“-Album gefunden. Gibt's Pläne einer visuellen Umsetzung auch für eins der neuen Stücke, oder seht ihr den Bereich Videos als nicht so wichtig an ?

Malte: Wir sehen diesen Bereich durchaus auch als wichtig an, um den Hörern auch ein zusätzliches visuelles Erlebnis zu bieten. Für ein neues Video sammeln wir derzeit noch die Ideen und überlegen wie eine Umsetzung am Besten aussehen könnte. Also wartet ab, was da noch kommen wird ;-)

Oli: Darüber könnten im Proberaum bei ein paar Kisten Bier sicher auch immer wieder diskutieren. Als Metaller sollte ich wohl so etwas sagen wie: „Ja, natürlich ist die Musik das Wichtigste, alles andere spielt doch keine Rolle.“ Aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Das Auge isst mit. Immer! Leider fehlt es entweder an der Zeit oder an Ressourcen. Oder an beidem ,Ich würde unsern Youtube-Kanal gerne wachsen sehen… wir bleiben dran.

MCR: Für mich ist „Limbus“ der stärkste Song des neuen Albums. Die Lyrics dazu sind komplett in deutscher Sprache verfasst. Gibt es einen besonderen Grund, warum ihr diesen Song in deutsch interpretiert ?

Oli: Limbus. Bei Limbus hatte sich ein deutscher Text einfach aufdrängt. Vermutlich war ich nicht in bester Stimmung (sag bloß) und kam irgendwie auf das Thema Limbus. Der Limbus ist die Vorhölle für Seelen, die nicht in den Himmel kommen können. Weil diese Intellektuellen ja nicht den ganzen Tag über das Gleiche nachdenken können und etwas Abwechslung brauchen, haben sie sich aus Ihren Dogmen und prähistorischen Schriften den Limbus definiert. Die Vorhölle. Ein Wartezimmer vor der Hölle sozusagen. Wer mag schon Wartezimmer? Wartezimmer sind die Hölle.

Was zur Aussage des Songs führt: das Leben auf dieser Welt ist nicht das Leben, sondern einfach nur das Warten auf etwas anderes.   Was Wortwahl, Rhythmus und Reim angeht, versuche ich immer darauf zu achten, dass es irgendwie auch mit den Metaphern und dem Thema zusammenpasst. Allein die Zeile „Gefangen im Treibsand der Täume“ ist voll von diesem ganzen Kram. Es ist ja das Offensichtlichste im Treibsand festzustecken, aber sehe ich auch diese halbstarke Alliteration? „Treibsand der Träume“. Wenn man es so ausspricht klingt es schon fast wütend, was ja irgendwie ins Konzept passt. Dazu kommt noch die Assoziation mit dem Sandmann, der Dir gute Träume bringt. Träume. Keine Träume während des Schlafs, sondern eher Lebensträume, die Dich davon ablenken wie öde und trist doch alles ist. Vorstellungen, die man Dir mit Kino, TV und Werbung einpflanzt damit Du die Wahrheit besser erträgst: Du wartest nur.

Puh, das jetzt wohl mehr als gefordert  Jedenfalls entstand bei Limbus dadurch ein Text mit sagen wir mal „biblischen Beigeschmack“. Ich könnte mir schon vorstellen, dass es auf der nächsten Platte wieder Ausflüge in die Muttersprache gibt. Das hat Spaß gemacht. Auch wenn es sich beim Schreiben eigentlich nie so anfühlt.   

MCR: Da wir es gerade vom Komponieren haben....was sind die Inspirationsquellen für eure Musik ?

Andi: Das wird auch von Person zu Person in der Band verschieden sein. Ich denke so wie auch die Stimmung in einem ist, so komponierst du auch.. Jeder gibt dann sein Teil dazu und gibt sein Bestes.

Oli: Jetzt hab ich vorher schon zu viel gelabert. Es gibt so viel, was inspirierend sein kann. Angefangen bei den Typen, die Dir täglich tolle Steine in den Weg legen. Oder ein Song einer anderen Band, vielleicht auch die ganze Show und die Atmosphäre, die dabei entsteht.

MCR: .und wer ist für die Lyrics und wer für das Schreiben der Musik zuständig bei euch ?

Andi: Textlich ist Oli zuständig. Was das Musikalische betrifft machen Gitarren den ersten Schritt. Dann wird nach und nach aufgebaut. Schlagzeug, Keys, Bass und Gesang. Dann kann es aber auch gut sein, dass man die Gitarren oder alles nochmal ändert.5 Musiker, 5 Meinungen;-)

Oli:   Ja, Texte schreib ich natürlich selbst, sonst kann ich nix dabei fühlen. Das wär ja scheiße. Andi oder ich machen meistens den ersten Schritt und bringen ne Idee mit in die Probe. Dann wird, wie Andi schon sagt, gebastelt. Ich moderiere und natürlich sind alle Ideen immer willkommen.

MCR: Was dürfen wir in naher Zukunft von Larceny erwarten ?

Andi: weitere Gigs und weitere neue Songs.

Malte: möglichst viele Shows – vielleicht auch in deiner Nähe? Dann komm und trink ein Bier (oder mehrere) mit uns  \m/

MCR: Gerne, Vielen Dank !!


Interview:  Kerbinator

Weitere Artikel:  LARCENY - "Into Darkness"  (Review)  

                                                                                                     Kommentare: