Interview mit Richard Sundström von


MCR: Hi Richard, ihr seid gerade in Sachen Promotion für das neue Album „Mournful Boy“ unterwegs. Aber gib uns doch zuerst einmal eine Einführung, wer Vindra sind und was bisher so passiert ist...

Richard:  Vindra sind eine 4-Mann-Band aus Linköping/Schweden. Alles hat mit Cliff (vocals) und mir begonnen, mit einer Akkustik-Gitarre 2002 und später, 2004, haben wir dann den Namen gewählt. Früher waren wir einmal 5 Bandmitglieder mit zwei Gitarristen, aber heute sind wir nur noch zu viert mit einem Gitarristen. Wir glauben, daß dies zu einem solideren Live Sound führt. Gitarrist Daniel musste etwas musikalisch aufrüsten und mit mehr Abwechslung spielen, bringt aber immer noch seine Melodien und Soli. Andreas ist unser Drummer. Er war von Anfang an in der Band, hatte aber ein paar Jahre ausgesetzt. Aber er war rechtzeitig zurück für unsere beiden, offiziellen Studioalben. Digital haben wir jetzt 3 Releases veröffentlicht. Obwohl einer davon nur aus Demo-Songs besteht, die wir zusammengestellt haben. „Mournful Boy“ als unser neuestes Werk ist auch gleichzeitig Teil der „neuen“ Vindra. Dies hat 2010 begonnen, mit direkterem und härteren Auftreten, was sich für uns absolut gut anfühlt.

Wir haben an die neuen Songs geglaubt und wollten ein authentisches Album abliefern, mit ein wenig mehr als einem „Plastik Container“ und einem simplen Artwork. Daher haben wir Claudio Marino für das Cover kontaktiert und unser Freund, Robert Kanto, hat für den Rest des Artworks genauso einen tollen Job abgeliefert, welches in ähnlichem Stil gehalten ist.

Das Album sollte im Frühjahr 2015 veröffentlicht werden, aber unser Label geriet in finanzielle Schieflage. So haben wir halt von Grund auf alles selbst gemacht. Letztendlich kann das Album nun weltweit digital erworben werden und kann über Bengan's Webshop europaweit auch geordert werden. Und hier sind wir nun also...

MCR: Ok, dies war schon mal eine gute Werbung für's neue Album. Aber, wie würdest du den Sound von Vindra beschreiben ?

Richard:  Wir haben immer versucht, die Musik zu machen, die wir selber gerne hören würden. Große Sounds, atmospärischer Rock mit Gitarrenmelodien. Zuletzt mehr energetisch und härterer Ausrichtung als zuvor, ohne den typischen Vindra Sound zu vernachlässigen. Es muss zu Cliff's Stimme passen. Er hat eine eigene Ausdrucksweise, wie wir finden.

MCR:  In früheren Tagen gab es eine gewisse Nähe zu Rush. Das hat sich jetzt etwas geändert. Sind Rush ein Einfluss für euch, oder ergab sich das rein zufällig ?

Richard:  Gute Frage ! Nun, wenn wir die Ähnlichkeit von Cliff's Stimme weglassen, was wirklich rein zufällig ist, dann wie du schon sagst in den früheren Jahren. Rückblickend auf 2004 – 2007 hatten wir mit Christian Ljungberg an den Drums und Bassist Nicklas Brännström einen ganz anderen Background. Beide waren erfahrenere Musiker als der Rest von uns. Sie wurden beide in den 60er Jahren geboren und sind große Fans von Rush. Ich bin mir ziemlich sicher, daß Christian letzthin in die USA gereist ist, um sie live zu sehen. Wahrscheinlich sogar mehr als einmal. Somit hatte dies natürlich einen Einfluss auf unseren früheren Sound, nachzuhören auf unserem Release „The Beginning“. Das Bassspiel von Nicklas ist mit das schärfste, das du weit und breit findest, er hat sogar schon Solo Konzerte gespielt. Aber wir haben verschiedene Pfade eingeschlagen, sind aber nach wie vor gute Freunde. Wir hatten nie beabsichtigt, wie Rush zu klingen, wir haben nur versucht, unser Ding so gut wie möglich zu machen. Nicklas und Christian waren auch nicht die Hauptsongwriter der Band, aber sie hatten halt diesen Einfluss.

MCR:  Euer neues Album heißt „Mournful Boy“. Gibt es eine Art Konzept hinter diesem Titel ?

Richard:  Der Titel „Mournful Boy“ wurde zuerst von Cliff vorgeschlagen. Er ist hauptsächlich für die Lyrics verantwortlich und einige Songs, wie beispielsweise „Cold Eyes“, behandeln die Anstrengungen seiner Kindheit. Es war für ihn nicht immer einfach, aufzuwachsen. Nun, der kleine Junge im Titel ist also Cliff und wenn du so willst ist dies das Konzept hinter dem Titel. Obwohl nicht alle Songs in dieses Konzept passen, fühlen wir eine enorme Wichtigkeit seiner Sichtweise.

MCR:  Dies bedeutet also, daß Cliff der Hauptsongwriter der Band ist....wie ist die Arbeit bei Vindra aufgeteilt ?

Richard:  Normalerweise sind es Daniel und ich, welche die Songs komponieren. In der Vergangenheit lag es auch an uns, die Lyrics zu schreiben. Erst bei „Mournful Boy“ hat sich Cliff als Hauptschreiber herauskristallisiert, so daß Daniel und ich mehr den Fokus auf die Instumentalarbeit und andere Dinge legen konnten. Somit hatte Cliff die Chance, sich noch mehr auszudrücken, aber trotzdem habe auch ich ein paar Lyrics verfasst. Wir haben auf dem Album viel zusammengearbeitet und alle vier von uns haben regelmäßig gejammt. Die Songideen entstanden zu Beginn von Daniel und mir. Ich persönlich spiele den Bass auf dem Album, habe aber auch einige Gitarrenparts geschrieben, die sich später in den Songs wiederfinden. Wir gesagt, wir haben viel zusammengearbeitet, inklusive den Tagen im Studio. Wo immer du die Keyboards hören kannst, haben diese Cliff und ich eingespielt und in den Versen von „Shangri-La“ habe sogar ich die Vocals übernommen. Ein Novum für mich. Der rein instrumentale Song wurde komplett live im Studio eingespielt, Ausnahme die Soli und Keys. Wir versuchen immer, Spaß zu haben und diese Art des Aufnehmens bereitet Spaß. Ich darf auch sagen, daß Daniel und ich zudem die Arbeiten übernehmen, die uns voranbringen. Dies beinhaltet auch alles Angelegenheiten rund um „Mournful Boy“. Viel Email-Verkehr nach hier und dort und auch zwischen uns.

MCR:  Um euren Bekannheitsgrad in Deutschland/Europa zu verbessern, arbeitet ihr jetzt mit Rock'n Growl Promotions zusammen. Was erwartet ihr von diesem Deal ? Gibt es vielleicht in naher Zukunft die Chance euch in Deutschland live zu sehen ?

Richard:  Das ist es, um was es geht...um unser Album ins rechte Licht zu rücken scheint dies der richtige Weg. Nach dem Bruch mit unserem Label haben wir uns nach einem PR Partner umgesehen, weil mir alle der Meinung waren, daß das Album mehr Publicity nötig hat. Dies war der Hauptgrund, warum wir anfangs diesen Deal eingegangen sind. Den Rest kann man ja heutzutage selbst machen.  Ich glaube,wir haben einen vertrauenswürdigen Partner mit Rock'n Growl gefunden und wir sind absolut der Meinung, daß wir damit neue Hörerschaften erreichen. Wir waren schon immer der Meinung, daß uns eine Tour oder Mini-Tour in Deutschland enorm weiterbringen würde. Leider ist unser Sänger im Augenblick außer Gefecht. Er musste ins Krankenhaus, ihm geht es aber aktuell wieder besser. Natürlich hoffen wir, in naher Zukunft live zu spielen, aber wahrscheinlich nicht diesen Sommer. Aber, wir geben die Hoffnung nicht auf.

MCR:  Das sind ja keine guten Neuigkeiten von eurem Sänger...Hoffentlich geht es im rasch besser. Wenn ihr denn touren könntet...wäre euch eine kleine Headliner-Tour oder ein Support-Slot lieber ? Ich denke, es ist immer auch eine Frage des Geldes, oder ?

Richard:  Wir danken dir für die Anteilnahme an unserem Sänger...In Europa oder Deutschland zu touren wäre neu für uns. Ich denke, es wäre gut für uns eine Band zu begleiten, was wir in der Vergangenheit auch sehr oft in unserer Heimat gemacht haben. Damit hätten wir kein Problem. Die Liste der verschiedenen Genres von Bands, die wir begleitet haben ist lang, aber hauptsächlich natürlich Rockbands. Und manche haben sogar uns supported. Der größte Name, der vor uns aufgetreten ist, ist eine Version von Rednex. Du kennst „Cotton Eye Joe“ ? Es geht immer um die Zuschauer....der größte Traum wäre ein Support Slot von Hammerfall, Helloween oder noch größeren Bands wie Europe. Das wäre ein absoluter Traum, der wahr werden würde. Am liebsten würden wir eine Co-Headlining Tour machen mit Bands aus dem selben Land wie wir. Bevorzugt natürlich mit einer Band, die zuvor auch schon getourt ist.

MCR:  Zurück zu „Mournful Boy“...Mit „In Depths of Vanadis“ ist ein rein instrumentaler Song auf dem Album zu hören, wie du ja auch schon zuvor erwähnt hast. Was war der Beweggrund, diesen Song auf's Album zu nehmen ? Teil der Album-Atmosphäre oder um zu zeigen, welches technische Know-How man besitzt ?

Richard:  Wir haben versucht ein solides Album hinzukriegen und dieser Song sollte ein Teil der Atmosphäre sein, wie du richtig vermutest. Aber, im frühen Stadium des Songwriting Prozesses hatte ich die Idee, daß wir 2 EP's aufnehmen sollten. Aber nachdem wir darüber nachgedacht und gesprochen hatten, stellten wir fest, daß unsere verfügbare Zeit unglücklicherweise sehr verschieden ist. Drei von vier Bandmitglieder haben Familien, so daß wir versucht haben, so viel wie möglich auf einmal aufzunehmen. Und es hat sich am Ende des Tages gut angefühlt, daß Album in zwei Teile aufzusplitten. Es hat außerdem bei uns Tradition, einen Song im Studio zu improvisieren. Wenn er uns gefällt, verwenden wir ihn. Auf unserem Debut Album „Heroes...“ beendete ein solcher Song, ebenfalls live-recorded  eben dieses.

MCR:  Das heißt, ihr habt so viel ihr konntet in euer Freizeit aufgenommen....Wie schwer ist es eure Musik und eure Familien unter einen Hut zu bringen ? Ich denke, auf den Familien liegen die Prioritäten...

Richard:  Ja natürlich...alle vier haben zivile Jobs und Zeit ist ein entscheidender Faktor für uns. Wir müssen alle Prioritäten setzen, vorausschauend denken, zu Hause üben etc., alleine arbeiten vor einem Treffen, effektiv sein im Studio und gut vorbereitet sein, bevor man reingeht. Nicht nachlässig werden...und natürlich alles im Einklang mit unseren Familien. Ohne deren Unterstützung wäre das Album wahrscheinlich erst Ende 2018 oder so rausgekommen. Wir lieben es, Musik zu machen, aber da es bedeutet weg von unseren Familien zu sein, versuchen wir es, so gut wie möglich zu machen.

MCR:  Da du gerade das Studio ansprichst...Wo nehmt ihr eure Musik auf ? Wer nimmt auf und wie läuft ein „normaler“ Tag für Vindra im Studio ab ?

Richard:  Wir haben durch die Jahre verschiedene Studios in der Nähe unserer Heimatstadt Linkoping ausprobiert. Dan und ich haben immer versucht, in die Produktion mit einzusteigen. Aber diesmal glaubten wir, etwas Spezielles machen zu müssen. Und genauso wollten wir den absolut richtigen Produzenten. Als Jörgen geantwortet hat, daß er mit uns zusammenarbeiten möchte, wussten wir, daß er unsere Top-Wahl in der Umgebung ist. Er ist auch ein angesehener Musiker, so daß wir in Erwägung gezogen hatten, ihn als Bandmitglied zu verpflichten. Er war genauso ein Teil wie der Rest von uns in dieser Zeit. Es hatte sich angefühlt als kennten wir ihn schon seit Jahren, obwohl wir erst ein paar Tage zusammengearbeitet hatten. Zusammen verbrachten wir ein paar Wochenenden im Zeitraum von 4 – 6 Monaten und haben unser bestes Werk zustande gebracht, wie wir finden. Jörgen besitzt sein eigenes Studio (Lyckan) in der Landschaft Ostergötlands. Du kennst bestimmt diese kleinen Häuser aus rotem Holz mit weißem Rahmen....Ein normaler Studiotag ist voller Erwartungen und voller Humor. Wir haben zwar einen Plan, aber wir haben keine Angst davon etwas abzukommen und Stoff aus dem Bauch heraus zu verarbeiten. Normalerweise wissen wir aber schon weit im Voraus, was wir aufnehmen wollen. Aber manchmal entwickeln sich vor Ort gute Ideen und warum sollte man diese dann nicht umsetzen...

MCR:  Wie siehts mit dem visuellen Aspekt aus ? Wollt ihr ein paar der neuen Songs als Musikvideo umsetzen oder ist es schlichtweg zu teuer, solche zu produzieren?

Richard:  Darüber haben wir nachgedacht. Oder über ein Lyric Video für „Shangri La“ zum Beispiel. Auch eine Vinyl-Pressung wäre toll. Aber das ist alles Luxus für uns als Band, die immer noch independent ist. Aber, wir haben nicht vor, mit unserer Musik reich zu werden. Da hätten wir schon lange aufgeben müssen. Wir lieben unsere Art und Weise und wollen immer große Dinge zustande bringen. Unsere begrenzte Anzahl als physisches Album, welches im europäischen Raum durch Bengans.se erworben werden kann, besitzt aber einen nicht unerheblichen visuellen Aspekt und Tiefe. Wir konnten eine günstige Produktion durchführen aber wollten nicht an einem tollen Booklet und feinem Layout sparen. Dies war nicht die günstigste Variante, aber wir glauben, daß alles toll aussieht und es Wert war.  Hoffentlich setzen wir genügend Einheiten ab, so daß wir uns finanziell beispielsweise ein Musikvideo leisten können. Wir warten mal ab uns harren der Dinge...

MCR:  Es ist es definitiv wert...Dies könnte man als abschließendes Statement stehen lassen. Aber erzähl doch mal zum Schluß, wie es mit Vindra weitergeht. Gibt es Pläne für die nahe Zukunft. Eventuell gar etwas Spezielles ?

Richard:  Wir planen einen Release-Gig oder vielleicht auch zwei. Aufgrund unseres Sängers liegen diese Pläne allerdings auf Eis. Vielleicht nach diesem Sommer. Natürlich hoffen wir, mehr Alben und T-Shirts zu verkaufen. Wenn ihr uns nicht in den Stores findet, können wir auch etwas über Facebook arrangieren. Wir haben PayPal. Das Album wird erhältlich sein, bis die Limitation ausläuft. Auch können wir signierte Alben zur Verfügung stellen, falls das jemand möchte. Sprecht einfach mit uns.

MCR:  Ok. Danke für das Interview. Falls ihr noch abschließende Worte loswerden wollt...

Richard:  Danke auch. Es ist viel passiert durch meine PR Aktionen, aber auch durch Rock'n Growl. Es werden mehr Reviews erwartet. Eines davon durch ein bekanntes, schwedisches Magazin. Es war toll mit dir zu reden !


Interview geführt von Erich Robbers

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