12. METAL FEMALE VOICES FEST

Location:  Oktoberhallen, Wieze / Belgien

am 17.10. - 19.10.2014

Vom 17. bis 19. Oktober fand es zum zwölften Mal in Folge statt, das Metal Female Voices Fest in Belgien, und zum zehnten Mal in den Oktoberhallen von Wieze, einer kleinen Gemeinde in der Provinz Ostflandern,  nordwestlich von Brüssel. In dieser Zeit entwickelte sich das Festival zu einem großen Familientreffen der Fans  von Heavy Metal Musik mit Sängerinnen an der Spitze. Für mich war es nun bereits die sechste Teilnahme. Zum sechsten mal abgestiegen im IBIS Hotel im benachbarten Aalst und zum sechsten Mal als “Bus Coach” im Einsatz, sozusagen also als Fahrkartenkontrolleur im Shuttle Bus von Aalst zu den Oktoberhallen.

Freitag

Der Opener am Freitag Abend waren Diary of Destruction aus Lille in Frankreich, eine Mischung aus  Melodic Death Metal und Metalcore. Für mich waren das zu viele Growls, die zwar durch gelegentlichen Klargesang aufgelockert wurden, also nicht so ganz nach meinem Geschmack.

Es folgte Ayin Aleph, eine in Moskau geborene und jetzt in Los Angeles wohnende Sängerin, Pianistin und  Schauspielerin mit ihrer Band. In ihrer Musik vermischen sich Einflüsse aus Heavy Metal, Barock- und klassischer Musik und auch russischer Folklore. Dieser sehr progressiv angehauchte Musikstil ist nicht leicht verdaulich und wirkt auf mich zum Teil etwas nervig. Ihre schauspielerische Leistung äußerte sich in einer guten Bühnen-Performance.

Kurze Verschnaufpause, die japanische Sängerin Saeko Kitamae präsentierte den Song für Opfer des großen Erdbebens in Japan 2011 “The Light Of Life”. Der Song kann von Amazon oder auch iTunes heruntergeladen werden.

 Zum Abschluss des Abends zeigten dann die Mädels, wo der Hammer hängt im Rock und Metal. MFV United, sechs hervorragende Sängerinnen rockten die Bühne: Ailyn Giménez (Sirenia), Maxi Nil (Jaded Star), Karolina Pacan (Skeptical Minds), Iliana Tsakiraki (Enemy of Reality), Mariangela Demurtas (Tristania) und Kassandra Novell. Zu hören gab es viele geile Cover-Versionen von Rock- und Metal-Klassikern. Zwei Höhepunkte für mich waren “Perfect Stranger” (Deep Purple) und “I’m walk alone” (Tarja). Riesig!

Samstag 

Zum PPM Fest zu Ostern hat es leider nicht geklappt, die Band hatte kurzfristig den Auftritt beim Finale bei der Metal Battle Alliance 2014 absagen müssen. Aber nun war es soweit. Ich konnte La Ventura aus den Niederlanden endlich live erleben. Und die Band rockte so richtig los. Mit einem starken melodischen Power-Metal und dazu der Superstimme von Carla van Huizen präsentierte der Vierer  Songs vom aktuellen zweiten Album “White Crow”. Und etwas später hatten wir dann auch noch ein Photo-Shooting mit Carla und der der gesamten Band. Danke an den Festival-Photographen Tim.

Und dann begann das “griechische Wochenende” mit Seasons Of Ghost aus Thessaloniki, einem Projekt der in Venezuela geborenen und Griechenland aufgewachsenen Sängerin  Sophia Aslanidou. Für mich war das  eine der vielen positiven Überraschungen des Festival. Harte Metal Riffs gepaart mit eingängige Melodien und einer guten gesanglichen Leistung.

Vor ein paar Jahren war sie noch die Stimme von Amberian Dawn, Heidi Parviainen. Nach der Trennung begann sie ihr eigenes Soloprojekt Dark Sarah aufzubauen. Mit einer Mischung wunderschöner Melodien, harter Metal Riffs und soundtrackartiger Hymnen und dazu der klassisch ausgebildeten Sopran-Stimme wurden großartige Soundgemälde präsentiert. Dark Sarah arbeitet zur Zeit an ihrem Debüt-Album, das mit Crowdfunding-Unterstützung ihrer Fans produziert wird. Auf dem Festival präsentierte sie Songs aus den ersten beiden bereits fertiggestellten Episoden. Der Gastauftritt von Zuberoa Aznárez (Diabulus in Musica) war der Höhepunkt der Show.

Ancient Bards spielten typischen italienischen symphonisch-epischen Power-Metal. Ein überzeugender Auftritt. Schöne Melodiebögen unterlegt von großartigem Keyboard-Spiel. Vergleiche zu Rhapsody drängen sich unwillkürlich auf, obwohl der Bombast etwas runtergefahren wurde, dafür jedoch mehr Härte in den Songs lag als bei ihren berühmteren Landsleuten.

Bleiben wir gleich in Südeuropa, Jaded Star aus Griechenland, die neue Band von Maxi Nil, enterten die Bühne. Eine Klasse Show. Hervorragender Melodic Metal. Das ging so richtig ab. Beim vorletzten Song kamen die dreißig Gewinner des Contests (zu denen ich erfreulicherweise auch gehörte) auf die Bühne und feierten mit mit Maxi und ihren Jungs eine fette Heavy Metal Party.  Krönender Abschluss war der Gastauftritt der Triastania-Sängerin, Mariangela Demurtas, beim letzten Song.

Sie passen in keine Schublade - Head Phones President aus Japan. Bestenfalls als J-Rock, aber diese Einstufung ist nur ein Sammelbegriff für diverse Musikstile aus dem Land der aufgehenden Sonne. Starke Stimme mit gelegentlichen Growls.

Sängerin Karolina Pacan fiel mir schon bei meinem ersten Festivalbesuch 2009 auf, gekleidet als Fee im leuchtend blauen Kleid mit einem Krönchen im Haar. Inzwischen konnte ich sie näher kennen und als hervorragende Sängerin schätzen lernen.  Ihre Band Skeptical Minds steht nun bereits zum dritten Mal beim MFVF auf der Bühne. Druckvolle Elekto-Industrial Musik mit harten Metal Riffs und sehr melodischer weiblicher Stimme. Zur Zeit arbeitet die Band an einem neuen Studio-Album. Pünktlich zum Festival wurde auch das Buch “Once upon a Poem” mit Poemen von Karolina und Illustrationen von Helcanen, Mitorganisatorin und “gute Seele” des Festivals, veröffentlicht.

Diabulus in Musica aus dem baskischen Pamplona haben eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich. Noch im Jahre 2009 (beim 7. Festival) gab es eine erste Demo CD mit der Ankündigung des Debut-Albums. Inzwischen haben sie drei Alben veröffentlicht und einen Vertrag mit Napalm Records an Land gezogen. Live liefern sie immer beeindruckende Shows ab, so auch dieses Jahr wieder.  der Auftritt war eigentlich eines Headliners würdig. Zuberoa bezaubert mit ihrer wundervollen und wandlungsfähigen Stimme und spielte auch wieder auf ihrer Querflöte. Dazu kommt ein hervorragendes Songwriting mit großen Melodien und knallharten Riffs. Ein kleiner Background-Chor und Gastauftritt von Ailyn Giménez (Sirenia) waren das i-Tüpfelchen der Show.

Gothic/Doom/Dark Metal ist das Markenzeichen der schwedischen Band Draconian - schwermütige Klänge mit guter klarer weiblicher Gesangsstimme (Heike Langhans) und dezent gesetzte Growls. Erinnert mich stark an die Landsleute von Candlemass oder auch Isole.

Drei Grand Damen des Female Fronted Rock und Metal – ein Projekt: “The Sirens”. Gemeinsam auf der Bühne standen Liv Kristine Espenæs Krull (Leaves’ Eyes, ex-Theater of Tragedy), Anneke van Giersbergen (Agua De Annique, ex The Gathering) und Kari Rueslåtten (ex-The 3rd and the Mortal). Ein rockig-poppiger Mix aus diversen Coverversionen (u.a. von Theater Of Tragedy und The Gathering) und Neukompostionen..

Die norwegische Band Sirenia wurde 2001 von Morten Veland (ex-Tristania) gegründet. Nach mehreren Besetzungswechseln am Mikro wurde nun mit der spanischen Sängerin Ailyn Giménez (seit 2008) die optimale Besetzung gefunden. Sirenia präsentierten  einen Mix aus neuen und alten Songs, gute Riffs, wunderschöne Melodiebögen, dazu die betörende Stimme von Ailyn.

Der Höhepunkt des Festivals war die 10th Anniversary von Leaves’ Eyes “Hymnes of a Decade”. Diese Show wurde für eine Live-DVD mitgeschnitten. Da wurde geklotzt und nicht gekleckert. Tolles Bühnenbild, Feuer- und Pyro-Effekte sowie eine geniale Lichtshow. Knallende Riffs, herrliche Balladen und wunderschöne Melodiebögen sind das Markenzeichen und die verzaubernde Stimme von Liv Kristine als Sahnehäubchen. Und als Gast kam auch Ailyn Giménez auf die Bühne. Was für ein Abschluss des Samstag Abend. Einziges Manko, die etwas kurze Spielzeit von lediglich einer Stunde und vierzig Minute.

Sonntag

Lange Zeit war ich nur via Facebook in Kontakt mit Aziza A. Poggi, der Sängerin von Aria Flame. Auf dem Festival stand sie nicht nur mit ihrer Band auf der Bühne sondern hatte auch einen eigenen Stand, an dem nicht nicht nur die erste EP und diverse Merchandising-Artikel den Besitzer wechselten sondern auch ihre Kosmetik-Produkte, wie Shea-Butter und Eau de Colognes  und auch Duftkerzen. Wie fast alle Sängerinnen dieses Festivals brilliert auch Aziza mit ihrer Klasse-Stimme. Mit ihrem Mezzosopran rockt sie so richtig los – klassischer Rock mit symphonischen Elementen - und beeindruckt auch mit ihrer Bühnenshow. Unterstützt wird die Band von Joop de Rooj am Keyboard. Mitgebracht hat sie drei Freundinnen, die sie bei einigen Titeln am Mikrophon unterstützen: Sabrina Cruz (Seven Kingdoms), Grace Meridian  und Kassandra Novell.

Danach rockten Evenoire aus Italien die Bühne – melodischer teilweise symphonischer Rock teilweise mit Folk-Elementen. Sängerin Lisy Stefanoni bereicherte den Sound bei einigen Songs durch ihr Spiel auf der Flöte. Die Einflüsse, u.a. Jethro Tull, Blackmore’s Night, After Forever oder auch Ayreon waren deutlich zu erkennen.

Dann wurde es wieder exotisch Magistina Saga - druckvoller Metal aus Japan. Da waren echte Könner auf ihren Instrumenten am Werk. Gekleidet in historische japanische Kostume.

Und es gab noch ein freudiges Wiedersehen, bei diesem Festival, mit Iliana Tsakiraki. Sie freut sich jedes Mal, beim Wiedersehen gibt es immer eine herzliche Umarmung. Nach dem Split mit Meden Agan hat sie eine neue Band aufgebaut - Enemy of Reality. Einfach nur geil diese Mischung aus Opernstimme und druckvollem symphonischen Metal. Eine der besten Sängerinnen ever! Zelebriert wurden Songs aus dem überwältigenden Debut-Album “Rejected Gods”.

Viper Solva aus Norwegen brachten dann extremen Metal auf die Bühne, eine Mischung aus Trash- und Death-Metal. Eine Stilrichtung, mit der ich mich nicht anzufreunden vermag.

Danach gleich noch einmal Trash, Holy Moses aus Deutschland. Seit mehr als  30 Jahren ist die Band eine der Speerspitzen des deutsch Trash Metal, deren Markenzeichen die tiefen bösen Growls von Frontfrau Sabina Classen sind.

Die niederländische Band Stream of Passion um Sängerin/Songwriterin Marcella Bovio konnte ich zuletzt im Mai in Hamburg live erleben, als Support für Xandria. Ursprünglich als Projekt von Arjen Lucassen in’s Leben gerufen, steht die Band inzwischen auf eignen Füßen. Ihr aktuelles Album “A War Of Our Own” nahmen sie komplett in Eigenregie auf, finanziert durch eine extrem erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne. Fünfzig Minuten voller Power, ein Mix aus Symphonic und Progressiv Metal, der mich immer wieder begeistert. Zu den Höhepunkten der Auftritte gehört immer wieder der Moment, wenn Marcella zu ihrer roten Flying V Geige greift und dem Sound von SoP einen weiteren Farbtupfer hinzufügt.

Xandria aus Bielefeld blicken inzwischen auch schon auf eine 20-jährige Geschichte zurück, mit vielen Höhen und Tiefen. Nach einer vorübergehenden Auflösung in den Neunzigern und einer längeren Pause ab 2008, kamen sie 2012 mit dem Album “Neverworld’s End” in überzeugender Weise zurück. Eingesungen von Manuela Kraller, war das Album deutlich härter als alles, was Xandria davor eingespielt hatten. Dies setzte sich mit dem aktuellen Werk “Sacrificium” mit Sängerin Dianne van Giersbergen fort. Musikalisch drängt sich der Vergleich mit frühen Nightwish auf. Symphonic Metal auf hohem Niveau. Und das bringt die Band auch hervorragend auf die Bühne. Die charismatische Sängerin zieht die Zuhörer vom ersten Ton an in ihren Bann. Der Querschnitt aus den beiden letzten zwei Alben wurde beeindruckend dargeboten. Und als Krönung verlieh Dianne dem Song “Ravenheart” aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums einen neuen Glanz.

Einen völlig anderen Sound gab’s im Anschluss von Arkona aus Russland auf die Ohren – slawischer Pagan und Folk Metal. Frontfrau Masha hat einen erstaunlichen Stimmumfang, mal schreit sie sich die Seele aus dem dann Leib, dann wiederum klingt sie zart und zerbrechlich. Besonders soundprägend sind die Einflüsse der russischen Folklore. Man hört und fühlt förmlich die Weite dieses riesigen Landes, auch durch den Einsatz von für den Metal untypischen Instrumente wie Flöte, Dudelsack und weiterer ethnischer Instrumenten. Geadelt wurde die Show durch einen Gastauftritt Christofer Johnsson, Chef und Gitarrist von Therion.

Auch die letzte Band des Festivals - Therion - konnte ich in diesem Jahr bereits live erleben, beim PPM Fest in Mons. Und wieder gibt es eine neue Sängerin zu begrüßen, Sandra Laureano ersetzt Lori Lewis. Auch die Tochter von Thomas Vikström, Linnea, war wieder mit von der Partie. Erneut gab es es bombastischen Symphonic Metal, Und es gab auch einen “Gegenbesuch” von Masha (Arkona). Ein glanzvoller Abschluss des Festivals.

Fazit

Auch bei meiner sechsten Teilnahme gab es wieder eine hervorragende Mischung aus kleinen, mittleren und großen Female Fronted Metal Bands, fünfundzwanzig waren es in diesem Jahr. Bei dieser Vielfalt versteht es sich von selbst, dass einem nicht jeder Auftritt gefallen konnte. Auch das Drumherum stimmte wieder, guter Sound, tolle Lichteffekte, eine entspannte Security. Man traf alte Freunde wieder, lernte neue Freunde kennen. Die Musiker konnten man zum großen Teil hautnah erleben. Ein kleiner Wermutstropfen für uns Fans: Im nächsten Jahr pausiert das Festival, die Organisatoren, die dies weitestgehend nebenberuflich betreiben, brauchen erst mal einen Break, um nach 12 Jahren in Folge ihre Akkus wieder aufzuladen. 2016 soll das Festival  dann mit neuen Ideen und Konzepten fortgeführt werden.



Alle Fotos Copyright by Rainer Kerber