3. HAMBURG METAL DAYZ  - 19. & 20. September 2014

(ein Bericht von Rainer Kerber)  

                        

Freitag: 

Zum dritten Mal fanden nun die Hamburg Metal Dayz im Rahmen des Reeperbahn-Festivals statt. Veranstaltet von den W:O:A-Machern ICS. Ich habe es erstmalig geschafft dabei zu sein. Und das gleich in der ersten Reihe.Den Auftakt machte ein Wacken-Kult – Mambo Kurt auf seiner Heimorgel.  

Der Meister ist immer für einen coolen Spruch gut. Ach, und für alle die glaubten, er würde nur MP3’s abspielen, hat er einfach mal sein Instrument umgedreht. Im anschließenden Panel stellten sich die Macher des Wacken Open Air Holger Hübner und Thomas Jensen den Fragen der Fans.

Ein heißes Thema der Ticket-Verkauf und ebay. Hier ist wohl endlich der Gesetzgeber mal gefordert, denn dies betrifft nicht nur das W:O:A. Tja und für 20:00 Uhr wurden neue Band-Ankündigungen in Aussicht gestellt. Doch dazu später.

Dann schnell in den großen Saal hetzen und die Newcomer des Jahres (zumindest für mich) anschauen – Beyond the Black aus Mannheim. Aber wie das Leben halt so spielt, Stau auf der Autobahn. Und die Musiker mittendrin. Trotzdem gerade noch rechtzeitig angekommen, wurden schnell noch die Keyboards aufgebaut und ohne Soundcheck losgelegt. Man kann es gar nicht glauben, dass dies erst der vierte Live-Auftritt der Band um die erst neunzehnjährige Frontfrau Jennifer Haben sein soll. Natürlich war den Musikern vor dem Konzert die Nervosität deutlich anzusehen, aber schon ,mit dem ersten Ton wurde so richtig losgerockt. Die Chanteuse überzeugte mich sofort mit ihrer Hammer-Stimme. Die Band wirkte eingespielt. Während der Show zeigte Jennifer Haben, dass sie nicht nur gut singen kann, so griff sie auch zur Akustikgitarre und setzte sich an’s e-Piano. Das machte Lust auf mehr!

Leider musste ich die Show von Beyond The Black vorzeitig verlassen. Ich wollte noch ein Autogramm von einem meiner Lieblings-Buchautoren ergattern. Phantasy-Autor und Metal-FanWolfgang Hohlbein saß im Foyer. Extra dafür habe ich aus meinem Bücherregal eines der unzähligen Hohlbein-Bücher herausgesucht – Saint Nick – Ein weihnachtlicher Phantasy-Roman für die ganze Familie. 

Anschließend wieder ein kurzer Abstecher in den großen Saal. Kryptos aus Indien standen auf dem Programm. Ein Gebräu aus traditionellem Metal und aggressivem 80er Trash. Musikalisch sehr gut, aber stimmlich nicht meine Kragenweite. Mit eingebauten Clear-Vocals wäre ich sicherlich ein Fan…

Als nächstes eine Buchlesung? Jo, Wolfgang Hohlbein las aus seinem aktuellen Phantasy-Krimi “Irondead – Der zehnte Kreis” war selbstverständlich ein Muss. Eine gruselige Fahrt in einer der ersten elektrischen Straßenbahnen. So etwas möchte ich nicht wirklich erleben!

Dann war eine Erholungspause im VIP-Bereich fällig. Man muss doch fit sein für den Freitagabend-Headliner Edguy. Dabei habe ich den Metalltigger wieder getroffen. Und der ließ sich gleich von Mambo Kurt auf die Schulter nehmen, bevor der König der Heimorgel die Anwesenden mit Cover-Songs und flotten Sprüchen versorgte. Hier konnte ich auch lesen, wer nächstes Jahr noch so in Wacken auftritt: u.a. Judas Priest, Rob Zombie und Black Label Society! 

Und der krönende Abschluss des Abends: Der Tourauftakt von Edguy zum aktuellen Hitalbum “Space Police – Defenders Of The Crown”. Ein gut gelaunter Tobias Sammet, dem man förmlich die Freude ansah, endlich wieder mit “seiner Band” zu touren! Selbst die technischen Problemen bei seinem In Ear Monitoring konnten den Meister kaum beeindrucken. Das lag wohl an Geräten von Universum, der Billig-Marke des Quelle-Versands (O-Ton Tobias Sammet). Als er dann wieder hören konnte, meinte er nur lapidar jetzt müsse man die Show noch einmal von vorn starten. Ach ja, und Musik gab’s auch. Songs des neuen Albums aber auch Hits wie “Tears Of A Mandrake “ oder “Lavatory Love Machine”. Und das nicht ganz unumstrittene Cover von “Rock Me Amadeus” durfte natürlich nicht fehlen und wurde von den Fans amtlich abgefeiert. Das waren neunzig echt geile Minuten! Leider viel zu kurz. Und offensichtlich wurde die Show mitgeschnitten und soll später wohl auf einer Bonus CD landen. Da ist die Vorfreude groß!


Samstag:

                         

Nachdem der erste Tag mit einer grandiosen Show von Edguy endete, war ich gespannt auf die Bands des zweiten Tages. Es gab eine Reihe von Bands, die ich noch nicht kannte. Aber erst mal ging es zum Stand der FULL:METAL:ARMY. Kurzer Schnappschuss der beiden Promoterinnen. Entschuldigt bitte diese unpersönliche Anrede, aber ich hab’ vergessen, nach Euren Name zu fragen.

Opener des Tages im großen Saal waren Alpha Tiger aus Sachsen. Druckvoller epischer Metal, der seine Wurzeln in den 1980er Jahren hat. Hervorragendes Zusammenspiel der beiden Gitarristen (Maiden oder Priest lassen grüßen) und eine Super-Gesangstimme harmonieren sehr but miteinander. Das war mal ein amtlicher Auftakt des zweiten Tages! Etwas mehr Publikum im Saal wäre sicherlich nicht schlecht gewesen, abder das ist nun einmal das Leid eines Openers, vor allem wenn zeitgleich der Bundesliga-Dino HSV den Bayern im Volksparkstadion ein 0:0 abtrotzt!Es ist immer wieder erstaunlich, welche Vielzahl von guten Metal-Bands das kleine Finnland immer wieder hervorbringt!  

Beispiel gefällig? Profan Omen heizten den Fans im Großen Saal der Markthalle so richtig ein. Beinharter Metal, am ehesten wohl mit den Landsleuten von Tarot vergleichbar, dazu kratziger und Klargesang im Wechsel. Geradlinig vorantreibende Gitarren sorgten für eine riesige Stimmung.

Nächster Stopp – MarX. Präsentation des etwas anderen Buches “Tankard: Life In Bermuda. Die etwas andere Biographie”. Episoden, Outings und viel Wissenswertes wurden den zahlreich anwesenden Fans zum Besten gegeben. “was haben Milchtüten mit Tankard zu tun? Die Auflösung gibt’s im Buch. Mehr als dreißig Jahre live on Stage und immer noch nicht erwachsen! Auch wenn man die Musik nicht unbedingt mag, war es doch äußerst interessant die sympathischen Musiker kennenzulernen, die in ihren Erinnerungen schwelgten. 

Wie sieht’s eigentlich aus aus mit den Medien im Metal. Eigentlich nicht sehr rosig. Eine Expertenrunde diskutieret die aktuelle Lage und versuchte sich in Zukunftsprognosen. Die gedruckten Magazine leiden an immer kleiner werden Leserzahlen. Im Rundfunk ist Metal nur sehr wenig präsent, eine einzige Sendung im öffentlich rechtlichen (bei rbb) und einige private Spartensender. Im Fernsehen gibt es gar keine regelmäßigen Metal-Sendungen (wenn man mal von der Berichterstattung über Festivals wie dem W:O:A mal absieht). Und die Online –Medien, ja es gibt sie, aber rentabel arbeiten sie nicht. Die Diskussion warf mehr Fragen auf als Antworten gegeben werden konnten. 

Dann zu etwas erfreulicherem, Bembers, ein Comedian aus Nürnberg, Nachdem als Einstieg erst mal das Klischee Franken vs. Bayern ausgeschlachtet wurde mussten dann u.a. Geschäftsreisende oder auch Techno- und Hiphop-Fans für die zum Teil derben dabei aber charmant vorgetragenen Witze herhalten. Köstlich!

Den Abschluss im MarX bildeten Motorjesus aus Mönchengladbach. Es ging noch mal so richtig zur Sache! Erdiger Hard- und Heavy-Rock in der Schnittmenge von Anthrax, Spiritual Baggers oder auch Pantera. Geradlinig  und voll auf die Zwölf. Was für ein Brett! Als Gastgeschenk gab’s für die Fans in den vorderen Reihen Freibier, der Inhalt eines ganzen Kastens wechselte fast vollständig den Besitzer. Erfrischung war auch notwendig bei gefühlten 80°C im MarX. Die Deckenventilatoren waren nur Makulatur (und könnten auch mal wieder einen Tropfen Öl vertragen).Zwei tolle Tage sind vorbei, mit viel guter Musik, Diskussionsrunden und Comedy. Wenn möglich werde ich auch im nächsten Jahr wieder dabei sein. Ein riesengr0ßes Dankeschön an die Veranstalter, die Crew, eine superentspannte Security und natürlich auch an die Künstler.

 

Alle Fotos von Rainer Kerber