FREIGERICHT ROCKT ! - Open Air 2017

Location: Freigericht-Altenmittlau

am: 01.07.2017

mit The Dead Daisies, AB/CD, The Kiss Tribute Band, April Art und Leerose

Zum dritten Mal richtete der Motorrad Club Heaven's Own das Freigericht rockt! Open Air Festival aus. Die erste Auflage 2015 war vom Winde verweht, beim zweiten Event 2016 herrschte brütende Hitze und für das Festival Nummer 3 hatte man sich den Regengott als Wetter - Partner ausgesucht. Da es auch wieder recht windig war, wurden viele Regenwolken zwar über den Festplatz hinweg gepustet, es blieben aber noch genügend übrig, um einen bleibenden, nassen Eindruck zu hinterlassen. Das war sicherlich auch der Hauptgrund dafür, dass es nicht allzu viele Kurzentschlossene gab, die den Tag und den Abend zwischen Freigerichthalle und Sportplatz verbringen wollten. So dürfte die Zahl der BesucherInnen nicht wesentlich über den 700, die sich Karten im Vorverkauf gesichert hatten, gelegen haben. Aufgrund der immensen Größe des Festplatzes, auf dem sich das Publikum weitläufig auseinander zieht, lässt es sich allerdings nur sehr schwer abschätzen, wieviele Rockfans letztlich den Weg in das Örtchen im Main Kinzig Kreis gefunden hatten.

Das Rock Castle eures Vertrauens war jedenfalls mit seiner Speerspitze Kerbinator / MC Lucius angerückt, welche von einem Sympathisanten begleitet wurden. Doors (oder besser: Gates) open war für 15:00 Uhr angesetzt, doch schon um kurz nach halb drei durften die zeitig angereisten Musik Liebhaber ins Infield. Zeit genug also, um mit einem ersten Bierchen über den Platz zu schlendern, während auf der Bühne die verschiedenen Soundchecks gefahren wurden.   

Eröffnet wurde das Freigericht rockt! musikalisch um 16:30 Uhr mit LEEROSE. Die Wiesbadener spielen melodischen Heavy Rock mit eigener Note. Natürlich war ihr Job undankbar, denn mittlerweile hatte der Regen eingesetzt und so verlor sich nur ein Scherflein Aufrichtiger vor der Bühne. Die Band, die vor fünf Jahren eine CD veröffentlichte und eine persönliche Freundschaft zu Scorpions Gitarrist Matthias Jabs pflegt, zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt und zog ihr Set eine Stunde lang souverän durch.

Um 17:45 Uhr war es Zeit für APRIL ART. Die Alternative Rock Band aus Gießen besticht einerseits durch ihre freche, lockere Musik, die sie sowohl mit Metal-, als auch mit Funk Elementen anreichert und andererseits mit ihrer Sängerin Lisa - Marie Watz, die stimmlich wie optisch einiges zu bieten hat: rote Löwenmähne, bauchfreies Top, dazu eine Bühnenpräsenz der Marke "Rampensau". Das Energiebündel rennt, springt, turnt unentwegt über die Bühne, macht das Publikum an und reißt es mit. APRIL ART mussten mit dem Handicap klarkommen, dass ihnen wenige Wochen zuvor ihr Gitarrist weggebrochen war und man nun kurz vor knapp einen neuen Saitenhexer fand, mit dem man mehr oder weniger ungeprobt das Set absolvierte. Aber, alles gut. Das klappte prima und somit konnten sich die Vier getrost als ersten Gewinner des Tages sehen. Einzig das in den Set integrierte Drumsolo gab Grund zum Stirnrunzeln. Denn dieses klang nur oberflächlich live gespielt und kam wohl größtenteils als Samples vom Band. War unnötig, aber nun gut...soll den positiven Eindruck von April Art nicht schmälern.

Aus dem Aschaffenburger / Frankfurter Raum kommen AB/CD. Seit mehr als einem Viertel Jahrhundert bespielen die Jungs die Bühnen der Republik und wo sie auftauchen, ist Stimmung und gute Laune vorprogrammiert. Kein Wunder, bringen sie doch unter dem Motto "Bon Scott meets Brian Johnson" die Musik von AC/DC unter das Volk. Natürlich war das auch in Freigericht nicht anders, wo AB/CD ab 19:30 Uhr auf der Bühne standen und wo mittlerweile mehrere hundert Fans steil gingen. Ob "Hell's Bells", 'Highway To Hell" oder "You Shook Me All Night Long" - die Klassiker der australischen Riff Rocker sind quer durch alle Altersklassen bestens bekannt und so avancierte die Tribute Truppe zum perfekten Anheizer für den Headliner des Festivals.  

Und den gaben THE DEAD DAISIES, eine australisch - amerikanische Hard Rock Band mit bekannten Musikern des Genres, ab 21:00 Uhr. Diese verdienten sich ihre Meriten in Formationen wie Thin Lizzy, Whitesnake, Motley Crue, Foreigner oder Dio. Alte Hasen also, die während der letzten Konzerte ihrer Europa Tournee 2017 jedoch auf ihren Bandgründer David Lowy, der aus privaten Gründen nach Australien gereist war, verzichten mussten. Er wurde zwar durch Yogi Lonich erstklassig ersetzt. Im Vergleich zu seinen Kollegen John Corabi (v), Doug Aldrich (g), Marco Mendoza (b) und Brian Tichy (d), die allesamt über ein großes Ego verfügen und sich auf der Bühne, Mendoza mit seinem Bass auch mal front of stage in der Menschenmenge, hochprofessionell zeigen, hielt sich der Ersatzmann aber deutlich zurück.

Die DAISIES haben auf ihren bislang drei Studioalben schon eine ganze Reihe Songs fabriziert, die das Zeug zum Klassiker haben. Das schmissige CCR Cover "Fortunate Son" zündet ebenso wie Band - eigene Kompositionen wie "Long Way To Go", "Mexico", "With You And I" oder "Make Some Noise". Der Hard Rock der Marke DEAD DAISIES fiel in Altenmittlau nicht nur auf nassen, sondern vor allem auch auf fruchtbaren Boden, denn das Publikum feierte die 90 Minuten mit den Headlinern freakig ab.

Den Slot als "Special Midnight Act" hatte THE KISS TRIBUTE BAND aus dem südhessischen Groß Umstadt erhalten. Nachdem die Umbaupausen vorher jeweils bei ca. 15 Minuten lagen, wurde das Stage Layout für die Nachahmer der New Yorker Rock Legende aufwändig umgestaltet. Somit sah man dort gefühlt eine Stunde lang (viel weniger dürfte es tatsächlich nicht gewesen sein) nur einen von einem Spot angestrahlten Vorhang. Klar, um eine Kiss Show authentisch auf die Bühne zu bringen, muss natürlich auch das Äußere dazu passen. Das erfordert eben ein gerüttelt Maß an mehr Zeit und Arbeit.

Als der Vorhang schließlich fiel, standen dann auch Demon, Starchild, Spaceman und Catman auf der Bühne, die in der Tat imposant aussah. Auch die Kostüme der vier Musiker sind detailgetreu nachempfunden, so dass man sich beinahe wie auf einem echten Kiss Konzert fühlt. Insgesamt fiel der Gig der Tribute Band allerdings doch etwas dünn aus.

Trotz des (Dauer)Regens hat es sich gelohnt, das Freigericht rockt! Open Air zu besuchen. Faire Preise (Bier 0,3 l 3 Euro, Bratwurst 2 Euro, Mega Burger 6 Euro), viel Platz, klasse Sound, nette Menschen rundherum, eine tolle Bandauswahl - der MC Heaven's Own hatte alles richtig gemacht. Trotz des Clubnamens haben aber auch sie keinen Einfluß auf Petrus und das Wetter...

Autor:  MC LUCIUS

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