IQ

Location: Colos Saal Aschaffenburg

am 29.01.2016


Ausverkauft konnte der Colos Saal am Freitag, 29.01.2016 vermelden. Nun, ich habe schon einige ausverkaufte Konzerte in diesem Laden erlebt, aber so viele Menschen ? Wüßte ich jetzt nicht, vielleicht damals bei Savatage. Fakt ist, daß sogar der Weg zum Bierstand 1 zugestellt war und manche Leute im Foyer dem Konzert beiwohnen mußten. Bedeutet, keine Sicht, nur Musik. Na ja...hierüber gab es die ein oder andere nicht gerade positive Stimme mittlerweile zu vernehmen.

Ich denke, 50 Personen weniger hätten es auch getan und jeder hätte einigermaßen sehen und ohne permanentes Geschiebe genießen können. Aber, nun gut.

Glücklicherweise war ich rechtzeitig vor Ort, um im Innenraum einen Platz zu ergattern. Schnell noch den Aloys vom Rock Live Radio (toller Sender übrigens, unbedingt reinhören !!) und seine charmante Begleitung Gaby begrüßt. Für längeren Smalltalk war durch das immer enger werdende Gedränge leider keine Zeit. Dies ist auch der Grund, warum es zu diesem Bericht keine Fotos gibt. Aus veranstaltungstechnischen Gründen war es mir nur möglich eine Digikamera mitzubringen und diese war nicht geeignet hier annehmbare Fotos aus der „Ferne“ zu schießen.  

Wie immer gab es bei einem IQ Konzert keine Vorgruppe, aber bei 2 ½ Stunden Hauptband braucht es auch keiner solcher. So startete man pünktlich in die Show mit „Sacred Sound“ vom Dark Matter Album. Dieser Song kristallisiert sich immer mehr zum Opener heraus, begann man die letzte Show im Colos Saal eben auch mit diesem. Was folgte war ein Potpourri durch die Veröffentlichungsgeschichte von IQ. Ausgespart wurden lediglich die beiden Alben ohne Sänger Peter Nicholls („Nom Zamo“ und „Are You Sitting Comfortably“ ?). Zwar forderte ein Zuschauer permanent den Song „Human Nature“ von Nom Zamo, wurde aber irgendwann von Nicholls mit einem freundlichen „Shut Up !“ in die Schranken verwiesen.  

Vom letzten Album „Road of Bones“ spielte man das wohl auch in Zukunft unverzichtbare Titelstück, sowie „From The Outside In“ und „Until The End“. Für meinen Geschmack hätte man auf letzteren Song verzichten können, da er nicht gerade zu einem Live-Höhepunkt zählt, was auch die Publikumsreaktionen bewiesen. Ansonsten ließ die Setlist keine Wünsche offen und manche Überraschung („Outer Limits“, „Awake and Nervous“) erfreute die Menge. Zu den Höhepunkten der Show zählte sicherlich der Abschluß-Track des Subterranea-Albums „The Narrow Margin“ und das sehr emotionale „Guiding Light“. Obwohl gerade bei „The Narrow Margin“ aber auch bei einigen anderen Songs auffiel, daß Peter Nicholls manche hohen Töne nicht mehr so trifft wie früher und daher eine Oktave tiefer interpretiert. Aber für wohlige Gänsehaut-Momente wie bei „Guiding Light“ ist seine Stimme aber immer noch perfekt. Vielleicht hatte sich der Sänger ja auch eine leichte Erkältung im Vorfeld eingefangen, wer weiß. Auch Keyboarder Neil Durant verpasste bei mancher Passage den ein oder anderen Einsatz, was aber wiederum den Auftritt sehr sympathisch machte, da nicht die absolute Perfektion, wie man sie im Prog eigentlich benötigt, im Vordergrund stand.  

Visuell wurden die meisten Songs wieder von der dreigeteilten Videoleinwand unterstützt, dessen Inhalte vom Projektions-Chef Dene Wilby in Zusammenarbeit mit IQ-Vordenker Michael Holmes perfekt rübergebracht wurden. Von düsteren Bildern („Road of Bones“) über Feuer oder Meereswellen....für das Auge wurde sehr viel geboten und dadurch die Stimmungen nochmals erhöht.  

Natürlich wurde die Band zweimal zu Zugaben zurückgeholt. Hier folgte auf den „Ever“-Song „Out of Nowhere“ eine Hommage an den kürzlich verstorbenen David Bowie mit „Suffragette City“. Tolle Aktion wie ich finde und man erinnerte hier eher durch Fröhlichkeit an das Schaffen von Bowie, als mit sentimentalen Klängen. Überraschend im Zugaben-Teil sicherlich „Widow's Peak“, dagegen verzichtete man auf das eigentlich unverzichtbare „The Wake“.  

Als letzten Song durfte das lange „Frequency“ ran. Ein Song, mit dem ich immer noch nicht so richtig warm werde. Aber, der Menge gefällt's und damit haben IQ alles richtig gemacht.

Das die Band richtig Spaß in den Backen hatte hier in Aschaffenburg, zeigte die ausgelassene Stimmung zwischen vielen Songs, indem sich die Musiker gegenseitig stichelten. Oder auch, daß Kult-Drummer Paul Cook bei der Bowie-Nummer seinen Drum-Hocker verließ um an vorderster Front mitzusingen (ein Roadie nahm dafür seinen Platz ein). Auch schoß die Band noch ausgelassen Selfies mit der Crowd. Ein fröhliches Ringelrein von einer bestens aufgelegten Band.

In Summe also ein weiteres tolles Konzert der Prog Legende. Wenn auch diesmal mit kleinen Schönheitsfehlern, was Überfüllung des Saals und manch musikalische Aussetzer betrifft. Aber niemand ist perfekt und IQ dürfen gerne noch eine ganze Weile in dieser Form auftreten.  

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Live Bericht von Kerbinator

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