INSOMNIUM - supp. Barren Earth & Wolfheart

Location:  Colos Saal, Aschaffenburg

am:  12.01.2017


Es passt wie die Faust auf's Auge....eine Tour von Insomnium im kalten Januar in Deutschland. Umso mehr, da man vor kurzer Zeit ein neues Album mit Namen „Winter's Gate“ veröffentlicht hat. Stilecht hat die Band sich zwei weitere Finnen-Bands als Support geholt:  Barren Earth und Wolfheart.  

Der Schnee der vergangenen Tage ist zwar wieder weg hier in Aschaffenburg, trotzdem herrscht kaltes Schmuddelwetter vor, daher also nix wie rein in den Colos Saal an diesem 12. Januar.  

Kleinere Schwierigkeiten am Einlass wegen Akkreditierung und Fotopass beiseite geschoben, fällt zuerst der üppige Merchandise-Stand auf. Dort wo meist nur 1-2 verschiedene Leibchen feilgeboten werden, gibt’s heute die Vollbedienung. Alle drei Bands haben stark aufgerüstet und präsentieren eine Vielzahl unterschiedlicher Shirts, Hoodies und sonstigen Kleidungsstücken. Und die gehen ganz gut weg, hatte man den Eindruck. Kein Wunder wenn man solch ein süßes Merchandise-Mädel hinter die Theke stellt.

Fast pünktlich um 19.30 Uhr ging es los mit Wolfheart. Der Saal war bereits zu diesem Zeitpunkt recht gut gefüllt und bereits hier entschied sich der Autor den vorhandenen Fotograben, in welchem bei jeder Band nur bei den ersten 3 Songs fotografiert werden durfte, nicht zu nutzen, um den eigentlichen guten Sichtplatz während dem Fortlauf der Konzerte nicht zu verlieren. Die Lichtverhältnisse waren sowieso recht schwierig, da bereits die erste Band mit Nebel und undurchsichtigen Schwaden aufwartete. Das visuelle Augenmerk bei Wolfheart liegt auf Mainman und Sänger Tuomas Saukkonen, der mit antätowierter Glatze und von der Statur her ein klein wenig an Kerry King von Slayer erinnert. Dementsprechend powerful brüllt der Junge die episch veranlagten Songs seiner Band durch den Set. Musikalisch hat man sogar trotz Insomnium meiner Meinung nach die besten Melodien am Start und man darf auf das in Kürze erscheinende, dritte Album von Wolfheart gespannt sein. Die Mischung aus Melo-Death Geshoute und erhabenen Gitarrenparts trifft genau den Nerv der (Pagan)-Gemeinde und dementsprechend wurde mit Zuspruch und Applaus seitens des Publikums, welches wie erwähnt bereits reichlich vorhanden war, nicht gespart. Natürlich war der Set des Openers recht kurz gehalten, nach nicht mal einer halben Stunde war Schluß. Wolfheart dürften sich aber einige neue Supporter dazugewonnen haben. Starker Auftritt !!

Barren Earth haben sich aufgrund des Bekanntheitsgrades und des durchaus erfolgreichen letzten Albums „On Lonely Tower“ den zweiten Set-Slot verdient und legen entsprechend selbstsicher und routiniert los. Im Gegensatz zu Wolfheart sind die Songs der Band weitaus komplexer um nicht zu sagen, progressiver. Sänger Jon Aldara, der mit seinem Kurzhaarschnitt und Bart auch aufgrund seiner geringeren Größe irgendwie witzig wirkt, haut tiefe Growls raus, welche jeder Death Metal Band gut zu Gesicht stehen würden. Richtig interessant wird es, wenn er selbst einen abwechslenden Gesang zwischen Growls und Cleanvocals interpretiert. Also nix mit zweitem Sänger, sondern daß macht das Energiebündel alles alleine. Starke Leistung. Trotzdem zünden die Songs von Barren Earth nicht so auf Anhieb wie bei Wolfheart, bieten dafür allerdings technisch versiertere Musik. Die Band hat ebenso sichtlich Spaß. Die Saitenfraktion wechselt oft die Seiten und die Harmonie innerhalb der Truppe scheint zu stimmen. Barren Earth pfeffern ihre Rhythmen knallhart um die Ohren, einen richtigen Hit, der das Publikum fesselt, gibt’s allerdings nicht.

Die Umbaupause zwischen Barren Earth und dem Headliner Insomnium blieb angemessen kurz, so daß das Publikum nicht unnötig abkühlte. Denn mit dem einizigen Song des letzten Albums, „Winter's Gate“ (das Album besteht halt auch nur aus einem Song) gab's gleich zu Beginn Kälte genug. Schon das Intro suggerierte eisige Temperaturen und der Nebel schwurbelte nochmals höher.  

Das Auftreten der Band wirkt dadurch mächtig, erhaben, geheimnisvoll. Insomium stellen sich meist mit dem Rücken zum Publikum vor dem Drumkit auf und legen dann heftig los, nachdem man sich umgedreht hat. Dies zelebrieren sie bei mehreren Songs, so daß man von einem Live-Trademark der Band sprechen kann. „Winter's Gate“, von welchem die ersten 7 Parts gespielt wurden, lässt immer wieder Luft für die Band, von der Bühne zu gehen, wenn düster melancholische, teils balladeske Zwischenspiele ertönen. Diese sind zwar allesamt recht kurz, beleben das Geschehen dafür eindringlich. Denn, auch wenn „Winter's Gate“ ein starkes Album ist, es besteht eben nur aus einem Song....und diesen live ohne Zwischenansagen durchzuziehen, birgt immer das Risko von aufkommender Langeweile, da ein Publikum auch immer Entertainment in Form von Ansagen, Kommunikation etc. bei Konzerten erwartet. Die Reaktionen des Publikums blieben an diesem Abend zwar erfreulich frenetisch, allerdings ernteten Insomnium mehr Applaus bei den Songs, die nach dem Koloss „Winter's Gate“ gespielt wurden. Allen voran die Über-Nummer „While We Sleep“ vom Erfolgs-Album „Shadows of the Dying Sun“, bei welchem auch unser süßes Merchandise-Mädel voller Entzückung mitsang. Auch „The Promethean Song“ und etwaige ältere Nummern sorgten dafür, daß Insomnium trotz des sperrigen Hauptsongs letztendlich ein gelungenes und musikalisch sehr gutes Konzert ablieferten. Dafür sorgte auch der gute Sound, den man im Colos Saal eigentlich immer voraussetzen darf, insofern der Mischer seinen Job beherrscht. Das tat er und somit darf man dieses Finnen-Package mit der Speerspitze Insomnium als wertig, interessant und erfolgreich bezeichnen. Auch wenn die Gänsehaut-Melodien, die man auf den Alben abliefert, live nicht ganz so hinbekommt.

Und wer sagt's denn....zum Abschluß des Konzertes hat es draußen wieder zu schneien begonnen. Somit konnte man letztendlich durch die Colos Saal-Tür noch sein ganz persönliches „Winter's Gate“ durchschreiten.

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