MAGNUM - Shadow Garden Winter Tour 2014 - supp. Ronin

LOCATION: Colos Saal, Aschaffenburg

am 24.11.2014


Montag Abend, ziemlich genau 19:00 Uhr am Roßmarkt in Aschaffenburg. Vor dem Colos Saal tummeln sich, äh, da tummelt sich niemand. An diesem Abend werden Magnum zum wiederholten Male das mit einem Award als bester Live Music Club 2013 ausgezeichnete Venue rocken. Aber will denn (fast) niemand dabei sein? Dieser Eindruck verstärkt sich, als sich auch im Auditorium zu diesem Zeitpunkt nicht allzu viele Musikfreunde ein Stelldichein geben. Auch die Tatsache, daß verhältnißmäßig viele kleine Bistrotische im Saal aufgestellt sind, nährt die Vermutung, daß es ein eher gemütlicher Abend (zumindest was die Zuschauerzahl angeht) wird.

Als um 20:03 Uhr der Support Act RONIN die Bühne entert, gibt es noch reichlich Lücken vor der selbigen. Die vier jungen Engländer lassen sich davon allerdings nicht beirren und fangen mit den ersten Tönen damit an, die Leute zu bespaßen. „Living In The Dark“ heißt ihr Opener und damit brettern Kit, Loz, Jake und Dave gleich mächtig los. Die Jungs aus den West Midlands im Vereinigten Königreich spielen Alternative Rock mit einer latenten Grunge Schlagseite und dem ein oder anderen Blues Gesprenksel, welches allerdings während der energiegeladenen Live Show eher selten zum Vorschein kommt.

Sänger Kit, der mit seinen langen blonden Haaren, der ärmellosen Jeansjacke und tight fit Jeanshose zu hundert Prozent dem Klischee des Rockstars entspricht, springt wie ein Flummi von einem Eck der Bühne ins Andere, post wie ein Sleazer, ohne dabei allerdings aufgesetzt oder gar peinlich zu wirken. Gitarrist Loz glänzt immer wieder mit filigranen Soli, welche gerade in den langsameren Stücken wie „Always In My Heart“ von der aktuellen EP „Limerence“ am besten zur Geltung kommen. Die Rhythmus Sektion mit Bassmann Dave und Schlagwerker Jake liefert einen druckvollen Hintergrund, wobei gerade der Tieftöner auch zu gerne mit dem Publikum, in erster Linie natürlich dem weiblichen Teil davon, schäkert und flirtet.  

Musikalischer Höhepunkt ihres gut dreiviertelstündigen Sets ist das düstere, elegische „Mimi Woolfe“, zu welchem die Jungs aus Worcestershire auch einen Video Clip anzubieten haben. Eine Gänsehaut Nummer par excellence.

Nach dem Anheizer Spot musste das Publikum im mittlerweile besser als zunächst befürchtet besetzten Colos Saal rund eine halbe Stunde warten, bis um 21:18 Uhr sphärische Töne erklangen und nach und nach die Herren von Magnum die noch schummrig erleuchtete Bühne betraten. Mit „Live „Til You Die“ aus dem dieser Tour den Namen gebenden „Escape From The Shadow Garden“ Album eröffneten die fünf Engländer ihr Set. Frontmann Bob Catley dirigiert von Beginn an die Fans auf seine typische Art. Der 67jährige ist ständig in Bewegung, wobei er beinahe jede Liedzeile mit entsprechender Gestik unterstreicht, was auch dem weniger des Englischen mächtigen Fan die Inhalte der Songs verständlich macht. Er erinnert mich dabei an John Jones, Sänger der britischen Folk Rocker „Oysterband“, der auf der Bühne ähnlich agiert.

Außer dem Sänger sucht allerdings bis auf wenige Ausnahmen nur Basser Al Barrow den Kontakt mit dem Publikum. Gitarrist und Songschreiber Tony Clarkin trägt die typisch britische Gelassenheit zur Schau. Er scheint ganz in sein Gitarrenspiel versunken zu sein und auch das vor ihm aufgebaute Gesangsmikro nutzt er nur sehr selten. Ein Trademark des Magnum´schen Kosmos sind die Piano / Keyboard Intros von Mark Stanway, dem man das Rockstarleben der vergangenen Dekaden deutlich ansieht. Musikalisch allerdings gibt es an ihm nichts auszusetzen. Bliebe noch Drummer Harry James zu erwähnen, der unauffällig, aber präzise seine Arbeit verrichtet und damit ein solides Fundament für den typischen Magnum Sound liefert.   

Dieser wiederum ist atmosphärisch dicht, wahre Kaskaden aus Gitarren – und Keyboardtürmen stürzen auf den geneigten Hörer herein. Dabei wandeln die fünf Musiker haarscharf an überfrachtetem Bombast vorbei, was dem Charisma der opulenten Werke allerdings keinen Abbruch tut. Das ist Hardrock mit einem Touch von Art- oder Progrock.

Über Songs wie „Black Skies“, „Freedom Day“ oder „Unwritten Sacrifice“ arbeiten sich Magnum zu Klassikern wie „How Far Jerusalem“ bis hin zu emotionalen Highlights wie „The Spirit“ oder „All England’s Eyes“ vor, ehe das mitreißende „Kingdom Of Madness“ das reguläre Set nach nur 81 Minuten beendet.

Nach wenigen Minuten des Wartens kommen Catley und Co. für die Zugaben zurück. Natürlich präsentieren sie jetzt ihre gerade erschienene Single „On Christmas Day“, die Gott sei Dank nichts von einem typischen Weihnachtssong wie er alljährlich im Advent im deutschen Mainstream Radio gedudelt wird, hat. Mit „Sacred Hour“ entlassen Magnum ihre Fans schließlich in die Nacht, nicht ohne daß der Sänger seine Bandkollegen noch zum Abschluß vorstellt und sich auf deutsch bei den Menschen im Colos Saal bedankt.  

Magnum werden ihrem Status auch anno 2014 gerecht. Dia Band hat nach wie vor Feuer und erstklassiges Songmaterial sowieso. Eine sichere Live Bank also.


Autor:  MC Lucius