MICHAEL SCHENKER'S TEMPLE OF ROCK - supp. Chalice

LOCATION: Colos Saal, Aschaffenburg

am 07.11.2014

Ausverkauft – so lautete der Status des Zwischenstops von Michael Schenker's Temple of Rock im Colos Saal, Aschaffenburg. Konnte man eigentlich absehen, da zum einen an einem Freitag, zum anderen zählt Michael Schenker mit zu den besten Gitarristen der Welt und durch seine Zugehörigkeit zu UFO, Scorpions und seiner eigenen Band MSG zu den lebenden Legenden der Rockwelt. Außerdem konnte er auch für diese Tour Ausnahmemusiker um sich scharen. Den Bassisten Francis Buchholz (ex – Scorpions), Hermann Rarebell (ex – Scorpions), Wayne Findlay (Uli Jon Roth, No Sky Today) und Götterstimme Dougie White (Cornerstone, ex- Rainbow).

So konnte man doch die ein oder andere Stimme im Publikum ausmachen, die kritisierte, warum Schenker nicht in eine größere Halle ausgewichen ist. Da die Zuhörerschaft bereits durchschnittlich höheren Alters ist (ich fühlte mich mit meinen 46 Jahren hier duchaus zu den Jüngeren zugehörig) und vermutlich lieber gemütlich ein Konzert genießt, als in einem proppevollen Club zu schwitzen, kann ich diese Aussagen zum Teil nachvollziehen. Andererseits läßt der Colos-Saal immer genügend Platz um Luft zu schnappen, so auch an diesem Abend.

Den Anfang machten die Hamburger Chalice, die bereits seit Mitte der 90er die Welt mit melodischem Hardrock der gehobenen Klasse erfreuen und bereits mit Legenden wie Uriah Heep, Saga, Magnum, Asia, Nazareth....und und und getourt sind und somit auch auf diese Tour wie die Faust auf's Auge passen.  

Dementsprechend tight tritt die Band auf und man merkt ihnen die jahrelange Erfahrung, aber auch Kompetenz und Spielfreude in jeder Minute an. Leider stand der Band nur begrenzter Platz auf der eigentlich recht großen Bühne zur Verfügung, so daß der Bewegungsradius von Sänger Gino Naschke und seinen Mitstreitern doch arg eingeschränkt wurde. Trotzdem bekam Bassist Steve Lagleder sein Dauergrinsen nicht aus dem Gesicht (Gino erzählte später, daß der Mann halt so ist und nicht mit etwaigen Substanzen nachhilft), Gitarrist Oliver Scheer brillierte routiniert sowohl im Rhythmus-als auch im Solo-Bereich und Gino Naschke gab mit weißem Hemd eine gute Figur als wahrer Hard Rock-Entertainer ab. Alles im grünen Bereich also, auch wenn man der Band nicht unbedingt den besten Sound zugestand und das Publikum kaum mit den Songs vertraut war. Hier gab es einen feinen Querschnitt aus mittlerweile sechs Alben, sowie einige neue Songs des im Frühjahr erscheinenden Albums „Overyears Sensation“ zu hören. Runde Sache und Chalice verdienten sich den Applaus des Publikums redlich.

Der Maestro und sein Gefolge ließen sich danach doch recht lang bitten, bevor man um 21.30 Uhr nach einem Intro mit „Doctor Doctor“ loslegte. Somit war klar, mehr wie 90 Minuten wird es hier inklusive Zugaben nicht geben, fand doch im Anschluß ab 23 Uhr der clubeigene Event Big Easy statt. Egal, der Set war gespickt mit Songs aus allen Schaffensperioden Schenker's, die Zuschauer namen alles dankend auf und reagierten trotz gehobeneren Alters enthusiastisch auf Klassiker der Marke „Armed and Ready“, „Into the Arena“, „Rock Bottom“ oder „Lovedrive“. Wie gemacht natürlich für einen Gitarristen das Instrumental „Coast to Coast“ (vom Scorpions Album „Lovedrive“), welches die ganze Klasse Michael Schenker's zeigt. Wayne Findlay, welcher neben seiner Tätigkeit als Rhythmusgitarrist auch die Keyboards bediente, Francis Buchholz und Herrmann Rarebell (der in einem kurzen Drumsolo gewürdigt wurde) zeigten sich als eingespieltes Team und legten die Grundlage für die perfekte Umsetzung aller UFO, Scorpions und MSG Werke.  

Dougie White konnte den Songs durchaus die Krone aufsetzen und es wurde deutlich, warum er mit zu den besten Rocksängern der heutigen Zeit zählt. Kein Wackler in der Stimme, tolle Interaktionen mit dem Publikum....einfach der perfekte Frontmann.

Warum man aber „Rock you like a Hurricane“ und „Blackout“ bringen mußte...keine Ahnung !!

Zwar gibt es durch Zugehörigkeit von Buchholz und Rarebell zu den Scorpions bei diesen Songs durchaus eine Berechtigung, aber man reist immer noch unter dem Banner Michael Schenker um die Welt und dieser hatte mit diesen Hits nichts zu tun. Natürlich heizt ein „Rock you like a Hurricane“ nochmals die Stimmung auf, obwohl ich sagen muß, daß bei diesem Song zwingend die Stimme von Klaus Meine dazugehört. Jedenfalls kommt dieser Song als auch „Blackout“ als zweite Zugabe super an und ergänzen somit ein außergewöhnliches, fesselndes Konzert.

Michael Schenker, den man heutzutage ja nur noch mit Kopfsocke sieht, wirkt auf der Bühne wie ein junger, begnadeter Gitarrist, sein Alter merkt man ihm nicht an. Überzeugend in jeder Hinsicht.

Als Besonderheit wurde zudem ein Song namens „Vigilante Man“ aufgeführt, welcher auf dem kommenden Album (erscheint 2015) zu hören sein wird. Dieser ging aber in dem Hitfeuerwerk etwas unter.

Ziemlich genau nach 90 Minuten endete der Gig und die Leute konnten mehr als zufrieden nach Hause gehen. Wir blieben noch eine Weile, um uns mit den Bandmitgliedern von Chalice das ein oder andere Bier zu genehmigen. Bis auf Francis Buchholz, der kurz für einige Autogramme erschien, zogen sich die Musiker von Michael Schenker's Temple of Rock komplett zurück. Irgendwie verständlich, gibt es doch „Meet and Greet“-Karten zu kaufen.  

Kein Problem, so konnte man halt mit den fanfreundlichen Hamburgern von Chalice auf einen mehr als gelungenen Abend anstoßen !!