MUSIC FROM THE BEAST FESTIVAL 2015

Location:  Burgwiesenhalle, Oberursel

am 10.10.2015


Am 10. Oktober war es wieder so weit....das Biest wurde losgelassen. Und zwar in der Burgwiesenhalle im hessischen Oberursel. Zum zweiten Mal fand dort nämlich das Music From The Beast Festival statt.  Aus einer Ideer heraus entstanden, mit Iron Maiden kompatibler Musik ein Festival zu veranstalten, haben Michael Rehwald und Crew dieses Mal wieder ein ganz besonderes Billing auf die Beine gestellt.

Mit den Vorab-Contest-Gewinnern Strangelet als Opener, Wicked Sensation, MaidenUnited, Mob Rules und als Krönung dem Headliner Blaze Bayley (ex-Iron Maiden) galt ganz klar Klasse statt Masse, vor allem wenn man bedenkt, daß man nahezu volle Spielzeiten gewährte.  

Also mit dem Auto ins Hessische gereist, daraus resultierend die Übernachtung in selbigem und ohne Navi letztendlich doch noch die Halle gefunden. Trotzdem noch rechtzeitig zu den Gates Open angekommen und zwei Kellerbiere später ging's dann auch rein in die Halle.

Schon  die spärliche Anzahl der Leute vor der Halle ließ es vermuten. Der massive Aufruf der Veranstalter im Vorfeld konnte nicht ganz den gewünschten Zuspruch erreichen. So konnte man im Endeffekt ca. 400 Besucher zählen. Diese waren dafür quasi handverlesen und versprühten den ganzen Abend hindurch eine richtig familiäre Atmosphäre.  

Für's leibliche Wohl war gesorgt, die Getränkepreise human. Als Speisen bot man zwar nur heiße Würstchen an, aber die Besucher waren ja nicht unbedingt zum Essen da. Dafür gab's Getränke satt und daß die Hessen die Oberhoheit auf den Äppelwoi haben, konnte man wieder einmal zur Genüge feststellen. Lecker, der Kram !

Aber es ging vor allem um eines....die Musik. Und hier gab's reichlich Hochwertiges. So starteten zu Beginn die Newcomer von Strangelet in den Abend. Natürlich mit einem Set der gespickt war mit Songs ihres Debut Albums „First Bite“. Zwar dreht sich bei Auftritten der Schwaben vieles um den Frontmann Stefan Zörner, der sich als Rampensau erweist und ständig in Bewegung bleibt. Aber ohne euch Männern zu nahe treten zu wollen....Strangelet, euer heimlicher Star ist die Drummerin Jessica Stuart. Wie eine solch grazile, äußerst hübsche junge Dame dermaßen die Felle verdreschen kann, ist aller Ehren wert. Da muß man sich als starkes Geschlecht schon gehörig anstrengen, um dies auf der Bühne auszugleichen. Strangelet schaffen dies aber doch im Endeffekt, nicht zuletzt dank des Frontmannes. Lediglich der Sound hätte beim Opener noch einen Tacken tighter rüberkommen können. Trotzdem konnten Songs wie „Privilege of Power“ oder die Halbballade „Stillborn“ überzeugen und man kann sich sicher sein, von Strangelet in Zukunft noch Einiges zu hören.

Besser wurde der Sound schlagartig bei den folgenden Wicked Sensation. Zwar wirkt der Aktionsradius von Dutch Fronter Robert Soeterbeck im Vergleich zu Strangelet's Stefan nahezu lethargisch, seine Aura zieht einen aber nicht zuletzt auch durch seine Körpergröße in den Bann. Und das der Junge singen kann (immerhin mußte er sich vor einiger Zeit einer Stimmband OP unterziehen), beweist er mit den melodischen Songs von Wicked Sensation zu jeder Zeit. Umrahmt wird der Hüne von den beiden perfekt aufeinander abgestimmten Gitarristen Michael Klein und Sang Vong, beide echte Könner ihres Fachs und traumhaft sicher im Solieren und bei der Rhythmusarbeit. Martin Mannhardt (bass), Bernhard Spitzner (keys) und Dirk Bruinenberg (drums) stehen hier in nichts nach und runden den perfekten Sound für eine Stunde feinsten Melodic Metal ab.  

Was nach recht kurzer Pause folgte, war ein Damian Wilson in Topform. Der Threshold Sänger ist ein Ausnahmevokalist, das weiß man ja. Aber was er gesanglich wirklich draufhat, beweist er von Mal zu Mal erst richtig mit seinem Nebenprojekt MaidenUnited. Und Damian und seine Gefolgschaft legten einen Akkustik-Set vom Feinsten auf die Bretter. Oftmals erkennt man die Iron Maiden Songs, die MaidenUnited interpretieren, nicht gleich sofort, da sie eine ganz eigene Wirkung entfalten und durch den oftmals sehr einfühlsamen Gesang von Wilson eine etwas andere Richtung als die Originale einschlagen. Trotzdem bleibt viel Platz für Mitsing-Phasen und das Publikum nimmt diese dankend an. So hat man ein „Fear of the Dark“ vorher halt noch nicht gehört, es sei denn, man hat MaidenUnited bereits vorher auf dem Schirm gehabt. Klassiker reihte sich an Klassiker und einer der Höhepunkte des Sets war ganz klar „Two Minutes to Midnight“ in ausufernder Form. Damian Wilson mischte sich ins Publikum, teilte die Massen und ließ sich zum Ausklang gar von der Menge durch die Halle tragen. Klasse Auftritt, der lange in Erinnerung bleiben wird.

Die Friesen von Mob Rules waren anfangs nicht zu beneiden, nach solch einem emotionalen Teil des Festivals auf die Bühne zu müssen. Aber Klaus Dierks und Co sind ja bereits mehr als 20 Jahre im Geschäft und können mit dieser Situation souverän umgehen. Auch die Setlist der Melodic Power Metaller ist reich an Hits, was bei einer Vielzahl an Klasse-Alben auch nicht verwunderlich ist. „Black Rain“ knallt immer gut rein, aber auch Songs aus der Frühzeit gehörten an diesem Abend zum Potpourri von Mob Rules. Hat man ja unlängst mit „Timekeeper“ ein empfehlenswertes Best-Of-Album zum Jubiläum veröffentlicht. Der Sound auch hier glasklar und perfekt auf die Halle abgestimmt. Die Mischer machten wirklich allesamt einen super Job. Mit dem gelungenen Backdrop des Bandlogos und cooler Lightshow war auch der visuelle Aspekt des Auftritts stimmig umgesetzt und somit ließen die Nordlichter keine Wünsche offen.

Zum Schluß war man gespannt, was der Headliner des Abends noch so drauf hat. Blaze Bayley hatte sich angekündigt, erneut das Music From The Beast Festival zu bespielen, war er doch auch im Vorjahr beim Debut schon mit von der Partie. Entsprechend hatte der „alte“ Herr (wie immer kurios aussehend mit dem weißen Backenbart) Bock auf die Veranstaltung und konnte im Endeffekt auch einige Zweifler (inklusive mich !) überzeugen. Klar lag der Fokus der Betrachtenden fast gänzlich auf dem Frontmann, der für zwei Alben bei Iron Maiden sang und dadurch seinen Bekannheitsgrad erlangte. Aber auch seine Begleitband wirkte äußerst tight eingespielt und feuerte mit unbändiger Power aus allen Rohren. Von  „Silicon Messiah“ über „Ghost in the Machine“ zu ein paar Maiden-Songs seiner Ära...es passte alles und das Publikum fraß dem stimmgewaltigen Glatzkopf quasi aus der Hand. Daß die Herren Spaß in den Backen hatten, konne man zu jedem Augenblick sehen.    

Zum Abschluß des Festivals gesellten sich noch Damian Wilson, die Veranstalter-Crew und einige andere auf die Bühne um gemeinsam mit Blaze eine sehr gelungene Music From The Beast – Second Edition zu feiern.  

Die Kosten und Mühen der Crew haben sich gelohnt. Das Music From The Beast Festival wird durch ein starkes Billing, die familiäre Atmosphäre und dem Zusammentreffen vieler netter Leute lange in Erinnerung bleiben. So locker und gesellig geht es selten auf einem Festival zu und egal wohin man schaute, man blickte in zufriedene Gesichter. Diejenigen, die nicht da waren, haben definitiv ein Highlight verpasst und man kann nur hoffen, daß es im nächsten Jahr eine Neuauflage dieses Events gibt. Die Crew, Musiker und Helfer haben ihr Bestes gegeben. Nächstes Jahr bitte durch höhere Besucherzahlen honorieren. Es lohnt sich wirklich !


Live-Bericht:  Kerbinator

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