RPWL plays Pink Floyd

supp. Frequency Drift  - "Last" Release Show

Location:  Colos Saal, Aschaffenburg

am 12.02.2016



Ein spezieller Abend war es, an diesem Freitag, 12.02.2016, im Colos Saal in Aschaffenburg. Die Münchner Prog Band RPWL hatte zu einer Pink Floyd Cover Show gerufen. Aber nicht irgendeine Cover Show, sondern die Interpretation der 1969er „The Man and The Journey“ Konzeptshow, also aus Floyd's Frühzeit. RPWL Sänger Yogi Lang erklärte zu Beginn, daß diese wohl die allererste Konzept Show einer Band auf der Bühne war, und somit schon aus diesem Grund als legendär zu bezeichnen ist.

In's Vorprogramm geholt hatte man die Bayreuther Formation Frequency Drift um Mainman Andreas Hack, die mit ihrem sogenannten Cinematic Sound die Weichen für einen gelungenen Art-Rock Abend stellen sollten. Die wiederum nutzten die Gelegenheit zur Release-Party ihres neuen Albums „Last“, welches an diesem Abend bereits zu erwerben war, eine Woche vor dem eigentlichen Release.

Der Colos Saal war an diesem Abend gemütlich aufgebaut, mit auf den ersten Blick mehr Sitzgelegenheiten wie gewohnt, so daß man einen entspannten Abend erwartete. Trafen die Gäste anfangs noch recht spärlich ein, wurde der Saal mit zunehmender Dauer immer voller und präsentierte sich trotz angenehmer Lücken im Endeffekt als gut gefüllt und passender Rahmen dieses außergewöhnlichen Events.  

Frequency Drift betraten eher unauffällig die Bühne. Im Gegensatz zur Studiobesetzung gestaltete sich die Band live in personell veränderter Formation. Am Mikro präsentierte sich die ebenso hübsche wie bezaubernde Nadja Jaye, die Gitarrenarbeit übernahm Michael Bauer und am Bass gab Marco Geipel sein Bestes. Also schon gravierende Änderungen gegenüber den Studioaufnahmen. Musikalisch ins Gewicht vielen diese Umbesetzungen aber nicht. Der Gesang von Nadja konnte genau so sicher und klar wie der von Melli Mau auf dem Album überzeugen. Und die Gitarren spielen im Sound von Frequency Drift eh nicht die größte Rolle. Michael Bauer wirkte hier aber durchaus souverän, auch wenn er technisch ab und an improvisieren mußte.

Songmäßig lag der Schwerpunkt natürlich auf dem kommenden Album „Last“. Die Stücke fügten sich nahtlos in die meist ruhigeren Songs von Frequency Drift ein. Höhepunkt hier sicherlich das melancholisch atmosphärische „Last Photo“. Aber auch ältere Nummern wie „Mermaid“ oder die Zugabe „Dead“ konnte die Zuhörer (nie war dieser Ausdruck so passend wie heute !!) erfreuen und es gab reichlich Zuspruch für die Band. Viel mehr als nur Höflickeitsapplaus. Die Band wirkte überrascht und zum Ende nahezu ausgelassen ob der tollen Publikumsreaktionen. Als hätte man damit irgendwie nicht gerechnet.  

Als Kritikpunkt möchte ich erwähnen, daß Frequency Drift quasi ohne Lightshow auskommen mussten. Diverse Farbenspiele hätte dem cineastischen Sound der Band sicherlich noch mehr Atmosphäre verliehen und Sängerin Nadja wäre sicherlich in beispielsweise Rotlicht getaucht noch betörender rübergekommen. Eine Sängerin, die herrlich unbeholfen wirkt (sympathische Ansagen auch !) und durch ihr Lächeln die Leute irgendwie in ihren Bann zieht. Hier hätte man mit mehr Lichtspielerei, wie gesagt, noch Steigerungspotential gehabt.

Zu Beginn des RPWL Sets erklärte Yogi Lang die Hintergrundgeschichte der Umsetzung von „The Man and The Journey“ auf humorvolle Art und Weise und zog somit schon mal die ersten Sympathiepunkte an sich. Man wäre jetzt insgesamt schon länger mit dieser Pink Floyd Konzept-Covershow unterwegs, als die Meister damals selbst und nicht müde dieses Historische zu vermitteln. Die herunterhängenden, dreigeteilten, fast durchsichtigen Vorhänge ließen schon erahnen, daß die visuelle Umsetzung der Musik einen wichtigen Part des Konzerts einnehmen würde. Vielleicht eine Erklärung für die fehlende Lightshow der Vorband.

„The Man and The Journey“ bestand zu großen Teilen natürlich aus der Zeit Pink Floyd's bis 1969, aber auch auch aus Versatzstücken von Songs, die erst später oder gar nicht zu Veröffentlichungsehren kamen. Hier sei als Beispiel nur das Album „Ummagumma“ erwähnt.

Der Set wurde selbstvertständlich ohne Ansagen zwischendurch präsentiert, was eine Auflockerung zwischendurch logischerweise zunichte machte und dem Zuschauer höchste Konzentration abforderte. Die Klanggewänder, die Pink Floyd...ähm...RPWL hier astrein erzeugen, sind schwer zu greifen, driften oft tief ins Psychedelische ab, lockern aber in feinster Progmanier immer wieder mit wunderbaren Melodien auf.

Eine solche musikalische Umsetzung der frühen Visionen einer unantastbaren Ausnahmeband nötigt dem Hörer höchsten Respekt ab. Hier sitzt jede Note, jeder atmosphärische Punkt perfekt und zaubert einem ein ums andere Mal ein Lächeln ins Gesicht. Dies beispielsweise sehr früh im Set, alsYogi Werkzeugkasten und Bohrer als Percussioninstrumente bei „Work“ benutzte. Fantastisch !!

Wie schon erwähnt wurden sämtliche Songs visuell ansprechend auf die Vorhänge und auch auf den rechts am Bühnenrand stehenden Gong umgesetzt, so daß die Atmosphäre der Konzeptshow jederzeit bei Songs wie „Grandchester Meadows“, „Careful With The Axe, Eugene“, „Behold the Temple of Light“ oder „Time“ greifbar blieb. Natürlich bedarf es bei über 1 ½ Stunden Klangzauber, der nur mit wenig Gesang auskommt, einiger Anstrengung um dem Geschehen permanent folgen zu können und man muß sich schon auf diese Musikwelt einlassen, um die Umsetzung richtig genießen zu können. Dann kann man im Nachhinein zu Recht behaupten, etwas Außergewöhnliches, Einzigartiges gesehen zu haben. Eine wahrhaft große Show, die RPWL hier auf die Bühne gebracht haben. Nur mit so tollen Musikern wie Kalle Wallner, Werner Taus, Marcus Jehl, Marc Turiaux und nicht zuletzt Yogi Lang ist solch eine Umsetztung erst möglich.  

Nach „The Man and The Jouney“ spielten RPWL noch bekanntere Stücke, um auch den „Durchschnitts“-Pink Floyder zufrieden zu stellen. Allen voran das göttliche „Shine On You Crazy Diamond“, aber auch „Money“. Für den Zugabenteil sparte man sich zudem Eigenkompositionen auf, nämlich den RPWL-Song überhaupt „Hole in the Sky“, sowie „Roses“.

In Summe kann man von einem sehr gelungenen und aufgrund der historischen Relevanz wahrscheinlich unvergesslichen Abend sprechen, bei dem niemand sein Kommen zu bereuen brauchte.


Bericht + Pics:  Kerbinator

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