SPESSART ROCK 2017

Location: Spessarthalle, Heinrichsthal

am: 20.05.2017

Wenn ich den Informationen glauben schenken darf, war das Spessart Rock Festival 2017 die elfte Veranstaltung dieser Reihe. Also ein mittlerweile bewährter und unverzichtbarer Event, der an diesem 20.Mai erneut mit viel Herzblut über die Bühne ging. Es ist schon erstaunlich, mit wieviel Hingabe dieses Festival organisiert wird, was sich im Flair des Ganzen auszahlt. Hier trifft man sich völlig kommerzfrei, ohne finanziell großartige Aussichten und lediglich mit der Erwartung, den Spessart in Grund und Boden zu rocken.

Dafür hat man sich in diesem Jahr vier Bands ausgesucht, im Gegensatz zum Vorjahr, als man quasi eine One-Band-Show mit Vorband bot. Leider fehlte es den vier Bands dieses Jahr ein wenig an Zugkraft, denn es verloren sich ca. 150 Leute in der Halle. Das muß im Vorjahr, als man mit AB CD eigentlich ja „nur“ eine Coverband aufbot, anders gewesen sein, wenn man die Stimmen hört, die sagen, daß sich bereits beim Einlass lange Schlangen bildeten. Dieses Mal also nicht, unverständlich wenn man bedenkt, das mit Precipiation und Cervet genügend Lokalkolorit vorhanden war.

Sei's drum, die Leute sind gekommen um zu feiern und dem stand nichts im Wege. Neben den beiden genannten Bands holten die Verantworlichen noch die Kölner Rock'n Roller Cunning Mantrap und als Headliner die Heavy Rocker Blessed Hellride aus Trier. Letztere waren an diesem Abend äußerst präsent. Zum einen hing von Anfang an deren Banner über der Bühne und zum anderen konnte man die Jungs in ihren verspiegelten Brillen und bärtig ledrigem Ambiente unschwer erkennen. Ich hatte ein wenig den Eindruck von Stargehabe, wurde diesen aber im Laufe des Abends wieder los.

Aber von vorne...dem Anfahrtsweg und einem vorentscheidenden Fußballspiel der einheimischen Aschaffenburger Viktoria geschuldet, kam man kurz vor knapp an der Spessarthalle im beschaulichen Heinrichsthal an. Mit diversen Kaltgetränken im Vorfeld erfrischt, sehr zur Verwunderung von mitreisenden Nonnen im Hinreise-Zug, waren Precipitation aus Babenhausen schon mitten im Set. Auffallend schon hier der recht gute Sound in der Halle. Thomas Meyer von Cervet kündigte diesen beim Eintreffen schon begeistert an und er versprach nicht zu viel...

Precipitation sind keine Stimmungsband, dafür ist deren Musik zu vertrackt und anspruchsvoll. Desto mehr überzeugen sie mit technischer Klasse und atmosphärischem Ambiente inklusive stilvollem Outfit von Sänger Alex. Freilich wärmten sich die Besucher zu diesem Zeitpunkt am anderen Ende der Halle bei lokalen Biersorten oder bei den bezaubernden Damen in der Bar auf, so daß sich nur ein paar Nasen direkt vor der Bühne einfanden. Egal, Band und Fans hatten ihren Spaß und Precipitation, die am Vorabend bereits einen Gig in Aschaffenburg absolvierten, ließen es trotz aller Komplexität ordentlich krachen.

Eher noch weniger Leute vor der Bühne und noch mehr Gäste an den weit entfernten Getränketheken (die Veranstalter sollten echt überlegen, ob sie diese nicht an den Hallen-Seiten platzieren, um eine Nähe zur Bühne zu wahren) konnten Cunning Mantrap verbuchen. Diese Band hatten wohl die wenigsten auf dem Schirm, was die Truppe aber nicht davon abhielt, sich den Hintern abzuspielen und mit Riff-Rock loszufetzen. Mitte des Sets stand Gitarrist und Sänger Phry McDunstan dann mit bloßem Oberkörper auf der Bühne. Ein ideales Statement, um den schweißtreibenden Auftritt und die pulsierende, teils dreckig rockende Attitüde zu umschreiben. Auch wenn sie so gut wie niemanden vor die Bühne zogen....ein beeindruckender Auftritt.

Die Stimmung, was die Musik angeht, änderte sich dann schlagartig. Kein Wunder, stand nun der Gig der Lokalmadatoren Cervet mit Organisator Stefan Hessler an den Drums an. Zwar musste Bassist/Sänger Zappa die Meute erst in seiner unwiederstehlichen Art zwingen, vor die Bühne zu kommen. Diese tat ihm aber sehr schnell den Gefallen und so konnte man in den Set mit altbekanntem Liedgut (Leute, wann gibt’s mal endlich wieder neue Songs von euch ?) und der bewährten Triple-Axe Tommy, Thomas und Patrick einsteigen. Tight gezockt wie immer entpuppten sich bekannte Thrash-/Death Perlen wie „Season of the Witch“, „Zombie Riot“ oder der heimliche Hit (wie ihn Zappa meist ankündigt) „Yes, We Bang !“ auch beim Spessart-Rock als Parade-Stimmungsmacher und souveräne Abrissbirnen. Apropos „Yes, We Bang !“...hier hatten sich Cervet mal nicht lumpen lassen und zwei Dance-Ladies auf die Bühne gebeten, die tatsächlich oben blank zogen. Zur Freude der männlichen Zuschauer und dem Entsetzen der netten Bar-Damen bedeute dieser Umstand den Aufreger des Abends. Auf die Gefahr hin, daß uns auch Kinder lesen, wurden diese Dance-Ladies fotografisch von uns NICHT abgelichtet (sorry, ihr sabbernden Herren !). Auch Schwertkämpfer und Horror-Statuen ergänzten das stimmige Ambiente für diesen rundum gelungenen Cervet-Auftritt, der durchaus Headlinerqualität an diesem Abend aufwies.

Diesen Part hatten allerdings, wie bereits erwähnt, die Trierer Blessed Hellride inne. Glücklicherweise stoben die Zuschauer nach Cervet nicht wieder auseinander, sondern blieben größtenteils vor der Bühne, um den entsprechenden Headliner-Rahmen zu wahren. Die Band selbst stieg äußerst unglücklich in ihren Set. Zweimal wurde die Eröffnungs-Nummer nach ca. 1 Minute jeweils wieder abgebrochen, da die Band wohl Unstimmigkeiten im Sound ausmachte. Ein Unding eigentlich, da dies einen sofortigen Stimmungskiller bedeuten kann. Hier war es also wieder, dieses latente Stargehabe. Beim dritten mal zündete der Sound offensichtlich und Blessed Hellride konnten ihren amtlichen Heavy-Rock, der diverse Rotz'n Roll und Stoner Spuren aufweist, ohne weitere Zwischenfälle auf die Leute loslassen. Natürlich wirkte auch optisch aufgrund des nun alleinigen Band-Backdrops und der optimalen Lighshow alles einen Tacken professioneller, als es bei den Band zuvor aussah. Dafür sorgte auch Schwergewichtsfronter Tiny Fuel, der so etwas wie Gandalf's Zauberstab als Mikroständer mitführte und dessen Rampensau-Qualitäten. Auch die ausgefallene Mikroständer-Beleuchtung hatte so ihre Momente. Und wieder muss ich an dieser Stelle das aufkomenden Stargehabe revidieren, denn die Band kam authentisch und punlikumsnah zur Geltung. Nette Jungs, die halt mit ihren Outfits äußerste Coolness versprühen. Da der Auftritt alles in allem eines Headliners würdig war, ließ sich der Autor dieser Zeilen nicht nehmen, am bandeigenen Merch-Stand ein Patch zu ergattern. Irgendwie war die Person hinter dem Stand überrascht, daß jemand was kaufte. Hatte ich zumindest den Eindruck. Egal, Blessed Hellride bildeten den gelungenen Abschluß eines Abends, an dem alle vier Bands ihren nicht unerheblichen Anteil hatten.

Spessart-Rock 2017 ist zu Ende. Eine Veranstaltung, die es verdient gehabt hätte von mehr Leuten frequentiert zu werden. Klar, Heinrichsthal liegt abgelegen und ist vielleicht nicht für jeden so einfach erreichbar. Auch ich hatte im Vorfeld keine Idee, wie man wieder nachts nach Hause nach Aschaffenburg kommt (mit dem Auto will man ja nicht fahren bei sowas...). Hier der spezielle Dank an Sonny und seinen Kumpel (dessen Name ich nicht mehr weiß), die völlig unkompliziert ihre Bereitschaft zur Mitnahme des Rückreisenden anboten. Das ist Rock'n Roll, solche eine liebevoll inszenierte Veranstaltung in Eigenregie ist Rock'n Roll und die Besucher, die solche Events mit ihrer Teilnahme unterstützen sind Rock'n Roll.

Ein Abend im Zeichen des Rock'n Roll - danke Stefan und dem Team, den reizenden Bar-Damen und nicht zuletzt vier tollen Bands. Bis 2018 !!

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