THE BLUE POETS  - 2017

Location: Colos Saal, Aschaffenburg

am: 06.04.2017

Es sollte ein lauschiger Abend werden, an diesem Donnerstag im Aschaffenburger Colos-Saal. The Blue Poets, die Band um Wahnsinns-Gitarrist und Errorhead-Mainman Marcus Deml hatten sich für eine ihrer ausgesuchten Konzerte angekündigt. Klar, daß man sich eine solche Gelegenheit nicht entgehenlassen konnte. Die Akkreditierung für Fotos wäre beinahe vom Einlass-Menschen gekippt worden, letztendlich konnte man ihn aber überzeugen, daß genau diese Akkreditierung vorlag. Dies war auch wichtig, hatten wir diesmal wieder unseren Frankfurter Fotografen, Peter Götz, dabei.

Schon beim Betreten des Colos Saal wurde deutlich, daß sich hier keine Menschenmasse einfinden wird, sondern die Audience mehr für Gourmets des Blues Rock gedacht ist. So verbreiteten die im Saal verteilten Stehtische, an denen die Frauen ihren Wein tranken und die Männer sich das ein oder andere Pils genehmigten, irgendwie so eine Art Bar-Atmosphäre. Letztendlich lag der Zuschauer-Zuspruch so in etwa bei 100 – 150 Leuten, die aber ihr Kommen keinesfalls bereuten.

Marcus Deml, wie immer mit seinem Hut als Markenzeichen auftretend, verzauberte von der ersten Minute an mit seinem variantenreichen, hochwertigen Gitarrenspiel. Dazu schneidet der Herr passend zu den Tönen eine Grimasse nach der anderen, was zum einen manchmal ur-komisch wirkt auf der anderen Seite aber äußerst sympathisch rüberkommt. Der Mann lebt seine Musik in jeder Faser. Aber auch seine Bandkollegen zeugen von außergewöhnlicher Qualität. Allen voran der australische Frontmann, Gordon Grey, dem man seine Herkunft aber nicht anmerkt, da er perfektes Deutsch spricht. Der Sänger besitzt ein tolles, rauchiges Organ, was grandios zum Blues Rock der Blue Poets passt. Aber auch die etwas unscheinbarer auftretenden Phil Steen (Bass) und Felix Dehmel (Drums) leisten an ihren Instrumenten Großartiges, was sich nicht zuletzt in jeweils eingestreuten Soli während des Konzerts äußerte.

Geboten wurden natürlich alle Songs des selbstbetitelten Debutalbums. Da dieses Album ja eine breitgefächerte Spielwiese des Blues Rock darstellt, überträgt sich dies selbstredend auch auf die Aufritte der Band. Luftiges wie „Sad Sad Sad“, „Goodbye“ oder „Alien Angel“ treffen auf leicht sperrigeres Material wie „Shallow Words“ oder „Won't You Suffer“. Alles wirkt wie aus einem Guss und die Band ist perfekt aufeinander eingestimmt.Man scherzt miteinander zwischen den Songs und Marcus Deml ließ es sich nicht nehmen, in kurzweiliger, humorvoller Art den ein oder anderen zynischen, zeitkritischen Seitenhieb auf politische Akualitäten loszulassen. Er drängt sich dadurch aber nicht auf, sondern lässt seine Statements einfach im Raum stehen.

In Gedenken an den zu früh verstorbenen Gary Moore huldigten die Blue Poets dem Iren mit einer eigenen Cover-Version und auch Deep Purple, Hendrix und The Cream kamen zu diversen Blue Poets Ehren. Und dann waren da ja noch die, oben bereits angedeuteten, improvisierten Soli von Phil Steen und Felix Dehmel. Gerade das Drumsolo von Felix zeigte eine spielerische Klasse, vom Feinsten. Dabei fing der Gute ganz gemächlich an, so daß man dachte „ok, das kann ich auch....“. Aber was er dann an Drumwirbel präsentierte, kann einfach nur als genial bezeichnet werden.

So ging nach knapp zwei Stunden ein außergewöhnlicher Abend zu Ende, der eine Band zeigte, die man immer wieder sehen möchte. The Blue Poets wirken einfach nur sympathisch. Da ist nichts gespielt, sondern die pure Musikfreude sprudelt aus den einzelnen Musikern geradezu heraus. Dazu braucht es keiner vollen Hütte mit unüberschaubarer Menschenmenge. Nein, im Gegenteil bewahrt gerade die angesprochene Bar-Atmosphäre ihren ganz ureigenen Charme.

Klasse Konzert, danke Macus und den Blue Poets für diesen wunderschönen, lauschigen Abend.


Autor:  Erich Robbers

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