THRESHOLD - supp. Overtures + The Silent Wedding

LOCATION:  Colos Saal, Aschaffenburg

am 06.11.2014


Als die britischen Prog Rocker Threshold im September ihr neuestes Album „For the Journey“ veröffentlichten, erlangte dieses Werk in den MCR CD Reviews mit 10 Monkey Coins allerhöchste Weihen. Grund genug, Threshold bei ihrem Stopp im Colos Saal die Ehre zu erweisen und zu überprüfen, wie das neue, aber auch natürlich älteres Material, live ankommt.

Begleitet werden Threshold auf ihrer European Journey Tour 2014 von zwei südeuropäischen Support Acts. Den Anfang der abendlichen Metal Feste machen dabei The Silent Wedding aus Athen. Fünf gutaussehende Burschen, von denen besonders der Sänger und der Bassist blonden deutschen Touristinnen auf Kreta oder Rhodos gefährlich werden könnten.

Sie begannen ihr Set pünktlich um 19:30 Uhr mit ihrem melodischen Power Metal. Dabei stellte sich schnell heraus, daß ihre Songs zumeist einem einfachen Schema folgen. Kurzes, zumeist elektronisches, Gimmick von Seiten des Keyboarders als Intro, bevor die restlichen Musiker einen atmosphärisch dichten Soundteppich unter den Clear Gesang ihres Fronters legen. Als Höhepunkt ihres gut halbstündigen Sets erwies sich allerdings ausgerechnet eine Coverversion von Savatages „Gutter Ballet“, welches virtuos dargeboten wurde. Bliebe die Frage zu klären, warum man, wenn man eh nur sechs Titel spielt, auf Fremdmaterial zurückgreift, obwohl genügend eigene Songs vorhanden wären. Schließlich haben die 2006 gegründeten Griechen bislang ein Full Length Album und eine EP veröffentlicht.

Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause von nur sieben Minuten enterten um 20:12 fünf Italiener die Bühne des Colos Saal. Die Overtures ballerten gleich mächtig los, ihr Heavy Metal ist von Thrash Elementen durchzogen und ihre Bühnenpräsenz um einiges griffiger und härter als jene des Griechen Fünfers, deren Performance sich im Nachhinein als brav erwies.

Besonders Fronter Michele outete sich dabei als Rampensau, seine Interaktion mit dem Publikum führte er auf Englisch mit unüberhörbar italienischem Akzent. Seine Haarpracht, quasi in 3D, würde sogar Bayern Münchens Dante vor Ehrfurcht erblassen lassen.

Die Band zeigte sich äußerst agil, ständig waren die Jungs unterwegs, wechselten die Positionen und ließen ihre Äxte gerne gemeinsam kreisen. Sie durften dann auch schon fünfzig Minuten zocken und erwiesen sich als perfekter Anheizer, wobei sie in Sachen Härtegrad an diesem Abend nicht mehr überboten werden sollten.

Während der wiederum kurzen Umbaupause hin zum Headliner des Abends, sprang deren Sänger, Damian Wilson, einfach von der Bühne runter ins Auditorium und begrüßte die Fans einzeln per Handschlag und ein paar netten Worten („Nice to meet you“, „Good to see you“). Da rieben sich schon einige verwundert die Augen, ist eine solche Aktion doch eher unüblich. Toll, der Kerl hat null Berührungsängste.

Um 21:20 Uhr starteten die sechs Engländer dann zu sphärischen Klängen ihr Set, welches reguläre 104 Minuten und mit Zugaben schließlich volle zwei Stunden dauern sollte. Mit „Slipstream“ legten Damian und seine Kollegen Karl Groom (git), Richard West (keys), Steve Anderson (bs), Johanne James (dr) und Pete Morten (git.) los und rissen die Fans im nicht ganz ausverkauften, aber doch sehr gut besuchten Colos Saal direkt zu Stürmen der Begeisterung hin. Im folgenden „The Hours“, Tage zuvor in Hamburg noch als erste Zugabe auf der Setlist, brillierte Bassist Steve mit prägnanten Hooklines, die ja irgendwie im Prog ganz besonders gut aufgehoben sind.

Während Damian Wilson wie ein Derwisch über die Bühne fegte, ließen es sich auch der Tieftöner sowie die beiden Gitarristen Karl Groom, neben Keyboarder und Produzent Richard West Hauptsongwriter von Threshold, nicht nehmen, den gesamten Platz auf der Bühne für ihre energiegeladene Show zu nutzen. Wilson, von dem es das berühmte Foto auf dem er ins Colos Saal Publikum springt gibt, kündigte unterdessen auch für diesen Abend eine Flugshow an.

Doch bis es soweit sein sollte, manövrierten sich die Briten durch eine Setlist, die Musik aus sieben Alben bereithielt, wobei acht der letztlich fünfzehn Tracks aus den beiden letzten Alben „Fort he Journey“ (fünf) und „March of Progress“ (drei) stammten, den beiden Werken also, die seit der Rückkehr Wilsons zur Band entstanden.

Tracks wie „Unforgiven“, „Long Way Home“ oder „Watchtower On The Moon“ wurden im Auditorium textsicher mitgesungen und entsprechend abgefeiert. Mit dem etwas ruhigeren „Lost In Your Memory“ gab es zwischendrin so etwas wie eine Verschnaufpause für sowohl die Band als auch die Fans.

Als „Pilot In The Sky Of Dreams“ angekündigt wurde, rechneten nicht wenige Zuschauer mit Wilsons Flugstunde, zumal er auch einen der wenigen Bistrotische vor der Bühne von zwei Fans an den Rand des Saals verbringen ließ, denn „this table stands right in my flightplan“. Doch bis zum Stagediving des 45jährigen mussten sich die Musikfreunde noch ein wenig gedulden.  

Eine bunte, von Drummer Johanne präsentierte Schachtel, genügte als Hinweis auf das zwölfminütige Epos „The Box“ aus dem aktuellen Longplayer von Threshold, mit welchem sie ihr reguläres Set beenden sollten.

Doch der Sänger war ruckzuck wieder on stage und diesmal bereitete er alles für seinen Flug vor. Er holte die Menschen vor der Bühne noch etwas dichter zusammen, um somit die Gefahr eines „Absturzes“ zu vermindern, nahm Anlauf und segelte schließlich in die ersten Reihen, von wo er ein Stück weit in das Saalinnere transportiert wurde. Zurück auf der Bühne meinte er nur „we got to do this one more time“ und zelebrierte sein Stagediving daraufhin ein zweites Mal.

Mit dem kraftvollen „Turned To Dust“ aus dem neuen Album und dem schon jetzt jungen Klassiker „Ashes“ beschlossen Threshold ein Konzert, mit dem sie mächtig Eindruck hinterlassen haben. Spielfreude, Sound, Interaktion und vor allem progressiv – metallisch – rockige Klangbilder von allererster Güte. Der Abend im Colos Saal war ein gelungener. Und das Ganze für relativ schmales Geld. 23.- Euro, die niemand der Besucher bereuen wird.    


Autor:  MC Lucius                                      zum Livebericht von der Show in Hamburg am 01.11.14 geht's hier

                                                                                            Autor: Rainer Kerber