ACCUSER - Diabolic

 

....Und erneut brettern die Siegener Urgesteine Accuser ein neues Album raus. Bereits das dritte seit 2010 und nach der langen Albumspause von 1995 seinerzeits. „Diabolic“ nennt sich das gute Stück und wurde erneut von Martin Buchwalter produziert. Nachzuvollziehen....war der Vorgänger „Dependent Domination“ doch ein recht starkes Album, welches produktionstechnisch ebenfalls auf die Kappe Buchwalter's ging.

Schon der Opener „Apocalyptic Decay“ kündigt durch düstere Akkustikklänge zu Beginn an, wohin die Reise geht. Freudloser, knallharter Thrash mit gewohnt aggressivem Geshoute von Frontmann Frank Thoms. Die stilistische Nähe zu alten Sepultura ist durchaus noch gegeben. Sehr technisch, sehr anspruchsvoll sauber gespielter Hassbatzen. Trotz aller Brutalität sehr abwechslungsreiche Gitarrenarbeit, auch mal mit kurzen melodischen Schlenkern lassen die 7 ½ Eröffnungsminuten sehr kurzweilig erscheinen. Hut ab !!

Teuflisch schnell geht’s weiter mit „Diabolic“, dem Titelstück. Eine höllisch rasante Abfahrt mit toller Gitarren-Bridge. Freunde von Hochgeschwindigkeits-Thrash werden den Song lieben....auch wenn Gitarrist Uwe Schmidt hier Gefahr läuft, sich beinahe selbst zu überholen.   

Ein Titel wie „Cannibal Insanity“ ist nahezu selbsterklärend. Schöngeister sollten draußen bleiben !

Der Aggro-Level wird in ungeahnte Höhen geschraubt, brutales Thrash-Gewitter direkt in die Gesichtspartie. Accuser verstehen und verstanden es immer, feine Breaks einzustreuen, um den Songs die nötige Klasse zu verleihen. So auch hier. Brutal, aber jederzeit anspruchsvoll gespielt.

Ich muss mich immer wieder fragen, wie viele Hände Drummer Oliver Fechner eigentlich hat.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch „Deification“. Ein Feuerwerk derber Thrash Kunst, ab und zu mit einem originellen Einfall im Soundgerüst gespickt. Teilweise wirkt die Instrumentalarbeit hier gewollt konfus und schräg. Eingängigkeit geht anders...  

Mächtig, ja geradezu episch, aber gewohnt schnell beginnt „Dethroned“. Mit über 7 Minuten wiederum ein Semi-Longtrack, der aber nie langweilig wird. Auch weil die Band geschickt einen melodiöseren Gitarrenpart in die straighte Thrash Orgie integriert, welcher die doch recht straighte Brutalität adäquat unterbricht.

„Beyond the Blackness“ besticht durch Geschwindigkeit und einen Thrash typischen Refrain, welchem man durchaus Gassenhauer-Qualitäten bescheinigen kann. Accuser nehmen zudem geschickt an manchen Stellen das Tempo heraus um mit Ride-The-Lightnings-verdächtigen Parts zu überraschen.  

Eine Mischung aus straightem Thrash, schwerem Riffing, langsameren, dunklen Parts erfreut uns mit „Save your Legend“. Auch hier kann man diverse Sepultura-Anleihen erkennen und Frank Thoms gräbt einem Max Cavalera so ziemlich das Wasser ab. Somit könnte man meinen, Accuser retten hiermit diese Legende. Brasilien made in Siegen ? Warum nicht....

Frank's derbes Geschrei im Refrain bildet die Essenz von „Immortal Aggression“. Der Song ist eher im Midtempo angesiedelt und wirkt dadurch unglaublich heavy. Von unsterblicher Aggression würde ich zwar nicht sprechen, aber ein enormes Pfund ist der Song allemal.  

Mit „Remains of Hate“ gehen Accuser nochmals auf's Gas. Teilweise abgehackte Gitarren-Licks werden durch solierende, teils virtuose Melodiebögen ergänzt. Irgendwie wirken die einzelnen, zusammengeschusterten Parts witzig. Mir jedenfalls erzeugt das Ganze ein breites Grinsen im Gesicht. Trotzdem wirkt der Song in sich stimmig und in gewissem Maß auch originell.

Den Abschluß bildet das 10-minütige „World Wide Violence“. Teils orientalisch anmutend beginnend mit mächtigem Gitarrenintro nimmt der Song sehr schnell Fahrt auf und mutiert zu einer brutalen, schwer groovenden, Anklage gegen die weltweite Gewalt. Die Band zeigt nochmals eindrucksvoll ihre aus Erfahrung resultierenden, technischen Qualitäten. Erstklassiges Songwriting mit ausgedehnten Instrumental-Parts, welche trotz der Songlänge niemals eintönig wirken.

Ein echtes Thrash-Monument der derben Sorte. Gehobene Spitzenklasse !  

Accuser haben erneut ein granatenstarkes Album eingeholzt. Völlig trendfrei, musikalisch wertvoll und mit dem Charme einer angepissten Bulldogge. Warum die Band früher schon nicht und auch heute nicht in der ersten Riege deutscher Thrash Metal Bands spielt, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. „Diabolic“ ist für meinen Begriff auf jeden Fall weit aus stärker als manch hochgepriesenes Werk vergleichbar etablierter Acts der jüngeren Vergangenheit.

Teuflisch gut !!

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