ANDI THE WICKED - Freak On Frets

Warum Menschen, oder besser gesagt Gitarristen rein instrumentale Alben veröffentlichen, kann man nicht so einfach erklären. Sei es als Demonstration ihres Könnens und ausgebildeten Egos (Yngwie Malmsteen) oder der Ausdruck verschiedener Musikstile mit Hilfe des Saiteninstruments (Joe Satriani, Steve Vai) oder der generelle Fokus auf die Gitarre (verschiedenste Blues-Gitarristen)...immer haftet solchen Alben ein klein wenig Arroganz und Wichtigtuerei an.

Nicht so bei Andi The Wicked. Der hat jetzt zwar auch ein völlig instrumentales Gitarrenalbum herausgebracht, welches richtungsweisend „Freak On Frets“ betitelt ist, aber trotz all seiner Virtuosität den wichtigsten Baustein, nämlich den Song, nicht vergessen hat. Der als Andreas Dötsch geborene, knapp über 30jähriges Studio-,Messe- u. Livegitarrist ersetzt oftmals den oft vermissten Gesang durch sein Gitarrenspiel, so daß man desöfteren das Gefühl hat, es handele sich bei manchen Songs um eine instrumentale Adaption von vokalisierten Vorgaben.  

Klar, Andi möchte auch ein solches Album als Bewerbungsinstrumentarium für höhere Aufgaben nutzen. Aber schon die Eröffnungsnummer „That Rocks“ entpuppt sich nach virtuosem Auftakt durch treibenden Drumrhythmus und die erwähnte „sprechende“ Gitarre als weitaus mehr als nur Griffbrett-Wichserei (sorry !). Schnell geht er zu Werke, wie auch beim folgenden „The Shark Song“, der mit Frickelei und klassischen Elementen dann doch auch mal an Yngwie Malmsteen erinnert.  

Absoluter Höhepunkt des Schaffens auf diesem Album ist „Threat“, eine Nummer mit mehr als 10 Minuten Länge. Was bei vielen instrumentalen Geschichten mit solchen Längen oftmals Langeweile birgt, umschifft Andi gekonnt mit Abwechslung. Spannender, lauernder Beginn, mächtiger Beat und schon wird der Song schneller und punktet mit harten, metallischen Riffs. Ein Break muss her und die Gitarre wechselt in elegische Sphären. Danach geht’s mit Galoppel-Riffs im leichten Iron Maiden-Stil weiter, bevor erneut sehr hartes Riffing und ein pures Metal-Solo das Ganze abschließt.  

Eine weitere Nummer der längeren Art (über 7 Minuten) gibt’s mit „Damn Lick“ zu hören, welches aber im Gegensatz zu „Threat“ etwas langatmig wirkt. Frickelig und hardrockig wirkt es mit einer Orgie am Griffbrett eher unaufgeräumt und, wie erwähnt, zu lang.

Desweiteren ergänzt der Andi das Album mit passend betitelten Songs wie „Classic 5“, das mit seiner natürlich klassischen Note erneut an Malmsteen erinnert, und „Heavy Funk“, das mit seinen singenden Gitarren und flippigem Sound durchaus „funky“ wirkt. Daß sich Andi The Wicked nicht ganz so ernst nimmt beweisen zudem Songtitel wie „Porn“ oder „Bad in Bed“. Letzteres ist eine straighte Rocknummer mit anfangs mächtigem Tom Beat.  

„Freak On Frets“ findet tatsächlich einen guten Spagat zwischen ausdrucksstarkem Gitarrenspiel und Songdienlichkeit. Immer wenn man den Eindruck hat, Andi fokussiert sich zu stark auf seine Gitarrenverliebtheit, haut er harte Riffs raus, die vielen Metalbands äußerst gut zu Gesicht stehen würden. Auch wenn es immer mit einigen Mühen verbunden ist, ein komplett instrumentales Album durchzustehen, so ist „Freak On Frets“ doch eines der gut verdaulichen Sorte.  

Ob das Album jetzt als Bewerbungsbeleg für höhere Weihen oder einfach nur so zum Spaß gedacht war, sei mal dahingestellt. Andi The Wicked darf auch Nicht-Gitarristen durchaus gefallen.


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