Armageddon - Captivity & Devourment


Christopher Amott ist bekannt als Teil der Amott-Brüder bei Arch Enemy. Dort ist dieser bekanntlich 2012 ausgestiegen, während sein Bruder weiterhin und momentan erst Recht den Erfolg der Truppe genießt. Aber Christopher Amott besitzt neben seinen Solo-Aktivitäten auch noch eine Spielwiese namens Armageddon, mit welcher er auch schon zu Arch Enemy Zeiten Alben veröffentlichte. Das letzte allerdings bereits vor 13 Jahren. Zeit also, das brachliegende Schiff wieder flott zu machen und Neues zu präsentieren. So geschehen jetzt mit „Captivity & Devourment“. Mit frischer Mannschaft bevorzugt man dieser Tage wieder die (melodic) Death-Kante, waren die letzten Alben doch eher im Powermetal-Bereich angesiedelt. Neues Spiel, neues Glück....auf geht’s.

Über allem thront natürlich das hervorragende Gitarrenspiel Amott's, der jede Spielart, ob melodisch oder thrashig, düster oder fröhlich grandios beherrscht.   

Dies wird vor allem im Opener „Captivity & Devourment“ überdeutlich, in dem er hier die Meßlatte bereits äußerst hoch hängt. Irgendwie kommt es mir so vor, als müsste bereits mit dem ersten Song die komplette Kompetenz bewiesen werden. Nun gut...auffällig ebenfalls der Growlgesang von Matt Hallquist der sich mit Clean-Passagen, ebenfalls von Amott vorgetragen, abwechselt. Die melodischen Gitarrensoli sind definitiv das Salz in der Suppe und bewegen den Song von einem guten zu einem tollen.   

Der Nachteil, wenn man die Meßlatte zu Beginn schon so hoch hängt, ist, daß danach eigentlich das Album abflachen muß.   

Ganz so schlimm ist es aber nicht. Zwar kommt „Locked In“ danach um einiges straighter und somit eingängiger, aber dies muß ja nicht unbedingt ein Nachteil sein. Allerdings rauscht der Song auch gleich wieder aus dem Ohr. Nachhaltigkeit – Fehlanzeige !

Rendition“ fängt die Atmosphäre dann wieder auf mit Sperrfeuer-Riffsalven, äußerst tiefen Growls, nettem Cleangesang und sensationeller Gitarrenarbeit.  Der Melodiefaktor der Songs ist enorm hoch und die pure Powermetal-Vergangeheit von Armageddon scheint mehr als einmal durch.   

So findet man in „Fugitive Dust“ beispielsweise ein pures Powermetal-Riff, bietet aber mit spacigem Ein-u. Ausstieg, sowie partiellem SloMo-Sound zudem Abwechslungsreiches. Dies unterstreicht, daß die Band immer bemüht ist, die Musik interessant zu gestalten und somit den Hörer vom Songwriting zu überzeugen.

Dies gelingt nicht immer. So liefert man mit „Conquer“ beispielsweise eine durchschnittliche Melo-Death Nummer und „Thanatron“ wirkt mit Akkustik-Gitarre zu Beginn, tiefer gestimmten Gitarren fortfolgend und modern ausklingend etwas strange und ziellos. Zwar wirken die Vocals hier richtig schön fies, aber dies rettet den Song dann auch nicht mehr.

Da muß uns ein kurzes, barock-orientiertes Akkustik-Instrumental („Background Radiation“) erst einmal wieder besänftigen.   

Und tatsächlich bekommt man danach mit „The Watcher“ das beste Stück des Albums vorgesetzt. Sehr druckvoller Sound, erneuter Wechsel von Growls und Clean-Vocals. Das Teil besitzt nicht zuletzt durch die tollen Melodien eine richtige Epik und somit den ein ode anderen Gänsehaut-Moment.

Bei „Equalizer“ überzeugt der Refrain und der teils elegisch anmutende Cleangesang. Ansonsten kann man den Song in die Children of Bodom – Speed/Death Schublade ablegen.   

Zum Schluß lässt man bei „Giants“ mal die Drums hervortreten. Schleppende, mystische Akkustik Parts gepaart mit eben diesen Drums bilden den Stamm um einen Song, der aber doch eher belanglos bleibt.

Sicherlich ist die Musik von Armageddon deren von Arch Enemy gar nicht mal so unähnlich. Der Death-Metal Anteil bezieht sich hauptsächlich auf die Growls, die Musik an sich kommt häufig mit tollen Melodien und operiert mehr im reinen (härteren) Metal-Bereich.   

An jeder Ecke blitzt das Können der Musiker, vor allem natürlich von Christopher Amott auf und die hebt die Qualität selbstredend an. Das Songwriting ist mir allerdings stellenweise zu bieder und uninspieriert, so daß Vieles zwar nett anzuhören ist, aber danach gleich wieder in Vergessenheit gerät.

Mit etwas mehr Seele wäre noch ein Punkt mehr sicher drin gewesen.


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