ASTRAL DOORS - Notes From The Shadows

 

Jemand 'ne Zeitreise in die Blackmore / Dio Ära der 1970er und 80er? Bitteschön, der Schweden Fünfer um die stimmliche Reinkarnation des vor vier Jahren verstorbenen Ronnie James Dio bewirbt sich mit seinem siebten Longplayer "Notes From The Shadows" einmal mehr um die Nachlaßverwaltung des kleinen, großen Mannes.

Neben biblisch angehauchten Texten (The Last Temptation Of Christ, Die Alone) singen Astral Doors in bester Dio Manier auch über Dämonen, Drachen, Tod und Teufel.

Mit "The Last Temptation Of Christ" und dem Titelstück "Disciples Of The Dragon Lord" krachen Sänger Nils Patrik Johansson und seine Mitstreiter Joachim Nordlund (g), Jocke Roberg (k), Ulf Lagerström (b) und Johan Lindstedt (d) dann auch gleich mit der Tür ins Haus. Fette Gitarren Riffs treffen auf einen knochentrockenen Bass und treibende Schlagzeug Salven. Dazu Johanssons charakteristischer Gesangsstil. Da bleiben keine Fragen offen, woher der Schweden Happen seine Inspiration zieht.

In "Wailing Wall" gibt es dann zum ersten Mal kleine Schlenker hin zu einer eigenen Identität, beklagen sollte man sich darüber allerdings nicht. Die Nummer lebt auch von ihren überraschenden Momenten.

Doch das Intro zu "Shadowchaser" ist so unverholen von Rainbow's "Man On The Silver Mountain" abgekupfert, daß der Hörer sich fragt, ob es noch eindeutiger geht. Geht es. Alleine die erste Zeile "There is crossroad between heaven and hell" ist der nächste Fingerzeig in Richtung der Idole der Formation aus Borlänge.

Das Plätschern von Wasser, Donnergrollen, Krähengeschrei und unheilschwangere Klänge kündigen eine fast 10minütige Großtat (nicht nur wegen seiner Spiellänge) an. "Die Alone" entpuppt sich als epische Powerballade, die demjenigen, der diesem Opus sein Ohr leiht, die Angst vor dem Sensenmann nehmen soll ("Why do people fear the reaper? The reaper is the light"). In starken Metaphern setzen sich die Herren mit einem Thema auseinander, wie es heutzutage fast nur noch im Death Metal besungen wird. Das ist alles andere als der Abgesang auf die komplette menschliche Rasse, wie es an anderer Stelle im Text heißt.

Danach fragt man sich, wozu das knapp anderthalbminütige Keyboard Solo "Hoodoo Ceremony" eigentlich gut sein soll. Vielleicht als kleine Verschnaufpause, bis es sich schließlich quasi als Intro für "Southern Conjuration" entpuppt, wo es dann wieder unmißverständlich zur Sache geht. Johan Lindstedt trommelt sich fast die Seele aus dem Leib, so leidenschaftlich treibt er seine Vorderleute an.  

Endgültig im zweiten Teil des Albums angekommen, wandeln sich die Songs nun zu eher kompakten Rockern, die nicht die orgiastische Breite der ersten fünf Epen aufweisen.So ist "Walker The Stalker" schon am Ende, ehe er Eindruck hinterlassen kann. Da bleibt leider nichts hängen.

Gott sei dank reißen die Wüsten Nächte, oder sind es vielleicht doch eher wüste Nächte? ;), in "Desert Nights" das Ruder dann wieder herum. Gelegentlich aufgesetzte Background Vocals wandeln zwar bedrohlich nahe an der Grenze zum AOR, nehmen dem Stück jedoch nichts von seiner Power.

"In The Name Of Rock" - kann ein Song mit einem solchen Titel enttäuschen? Vielleicht, wenn man sich zu sehr an die Klischees hält. Doch Astral Doors umsegeln diese Klippe gekonnt und liefern somit ein 1A Statement für ihre und unsere Musik ab.

Das abschließende "Confessions" schlägt textlich eine Brücke von der Religion zur Politik und endet mit einem für das Genre untypischen Fade Out, hinterlässt somit aber nochmal mit einer eigenen Note Eindruck.

Fazit: Rendevouz mit dem Fürst der Finsternis: check. Flashback in die goldene Ära von Rainbow, Dio, Sabbath, Purple: check. Einzig die teils mangelnde eigene Identität steht  Astral Doors im Weg. Wer sich aber - so wie ich - musikalisch in dieser Art des Rock bestens aufgehoben fühlt, macht mit dem Kauf von "Notes From The Shadows" nichts verkehrt.  

 

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