BELFRY - Rest in Pieces

Belfry.

Einige Ortschaften in den USA heissen so. Hotels und Spa-Resorts auch.Und da gibt es eine Band. Belfry. Aus Düsseldorf.

Und die lassen einiges an Wut, Aggression und gewaltiger Spielfreude auf die ahnungslose Menschheit los.

Die Jungs haben sich einiges ausgedacht, um die geneigten Haarschüttler das ein oder andere Mal mit ihrer neuen Scheibe „Rest In Pieces“ zu überraschen.

Established in 2002. So der Untertitel der Internetseite von Belfry (www.belfry-metal.de). Das ist auch genau das, was beim zweiten und dritten Durchlauschen der brandneuen Scheibe durchdringt. Wohl arrangiert, fett produziert und technisch versiert. Zwar durchlitt die Band nach einer, meiner Meinung schon sehr langen Schaffensphase im „Metal-Underground“ einige Besetzungswechsel, aber das hat dem Ganzen keinen Abbruch getan. Im Gegenteil, die drei M's (Michael, Martin, Matthias) und „das B“ (Benedikt) von der jetzigen Besetzung ergänzen sich voll und ganz und lassen ihrer, manchmal etwas

eigentümlichen Spielfrenetik freien Lauf.

Belfry lassen sich nicht so einfach klassifizieren (wie einige andere Bands auch ;-) …was ja nicht schlecht ist…). Das Gesamtpaket lässt sich am Besten als Melodic-Death-Metal-Irgendwas einordnen. Es prasseln so viele verschiedene (Metal) Genres auf die Gehörgänge, als das es manchmal ein bisschen schwerfällt, den roten Faden des Albums zu verfolgen und festzuhalten.

Gnadenloses Trommelfeuer von der Schießbude trifft auf Black-Metal-Gekreische, gepaart mit szenetypischen Growls und klarer Stimme (?), manchmal sägenden, ‚tear-apart’ Riffs, die wiederum im nächsten Takt Rock ’n’ Roll spielen, im Refrain die klassische Heavy-Metal-Keule rausholen und rundrum alles gnadenlos plattmachen. Für manch einen etwas überfrachtet, für mich OK.

Belfry schaffen aber das, was viele andere eben nicht hinbekommen. Sie runden die ganze Scheibe mit einer gewissen Eingängigkeit (Oberbegriff Melodic Death) ab und finden immer wieder zu ihremUrsprung (voll auf die 12).

 Als Opener für das Album hat sich Belfry „They Walk Around“ rausgesucht. Schöne Breakbeats, kombiniert mit einer einprägsamen Hookline treffen auf Black-Metal. So ganz meins ist der Black-Metal nicht. Aber wer eine Kirche abbrennen will, bekommt von Belfry den passenden Soundtrack. (Wobei….man könnte die schnelle Schlagzeugpartie auch mit ’nem Blastbeat machen….)

„No Escape“. Nummer zwei auf dem Album, zeigt neben einer wohlklingenden Basslastigkeit mit seinen Speed-Metal-Attitüden und Hymnen die Spielfreude der Düsseldorfer. Nothing more to comment.

„Inglorious Resentment“ kommt dagegen eher schleppend rüber. Ich weiss nicht, ob Belfry diese Slow-Motion so richtig gut zu Gesicht steht. Herausgekommen ist ein Kopfkreiser, sofern die Haare noch vorhanden sind. In dem einen oder anderen Part des Songs ist eine gewisse Überfrachtung herauszuhören. Die Jungs geben sich alle erdenkliche Mühe, aber manchmal ist auch weniger mehr. Die Nummer sieben ("Lost") ist Dynamik pur. Blast/Death/Black/ - Stimmungsmacher für Selbstmörder….fein.

„Adiposity“ macht Spass. Der drückt, ist schleppend und hat an den richtigen Stellen Tempowechsel, Geschwindigkeit und Agilität. Mitten ins Gesicht. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, das sich die Herrschaften mit aller Gewalt vom längsten Tresen der Welt loseisen wollen. Gelingt auch. Genau so aber kommt unterschwellig eine gewisse Nähe zu nordeuropäischen Kreuzumdrehern zum tragen als auch eine, zumindest nicht unwahrscheinliche Verwandtschaft zu Herrn Jolly Roger.

Wenn irgendwo am Horizont ein Wikingerschiff auftaucht, hat garantiert Belfry die Segel gesetzt. Skol.

 

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