BEN BLUTZUKKER - Analog Blood (EP)

Die lokale (Metal)Szene ist um eine schillernde Figur reicher. Ben Blutzukker nennt sich der Herr und ist aus Nordrhein-Westfalen (wenn mich nicht alles täuscht) erst vor kurzem in unsere Heimatregion, das schöne Aschaffenburg / Unterfranken, gezogen.

Die letzten 10 Jahre verbrachte Ben mit einem Dark Electro Project namens „blutzukker“, er spielte vorher aber auch bereits ein paar Jahre in der Krefelder Thrash-Kapelle Jormundgard, die immerhin einen Beitrag zu einem Blind Guardian-Sampler beitrugen, sowie bereits im Vorprogramm von Belphegor und Nocte Obducta aufgetreten sind.  

Die Wurzeln von Ben liegen also durchaus im (Thrah-/Black-)Metal Bereich und seine neue EP „Analog Blood“ beinhaltet dann auch vier Songs aus diesem Genre. Vertont wurden Songs die wohl auch schon auf dem Electro-Album „Digital Blood“ zu hören waren, nun also im Metal-Gewand. Da ich einen Teufel tun werde und mir dieses Electro-Project anhöre, kommt es hier auch nicht zu einem Vergleich.

Wie es sich für ein One-Man-Projekt gehört, hat Ben alle Instrumente selbst aufgenommen und auch Produktion, Mix und Mastering übernommen. Ich bin ja meist skeptisch, was solche Projekte und deren Kurzlebigkeit angeht, da ich seit jeher den Bandgedanken pflege. Aber dies soll die Leistung solcher Projekt-Leute nicht schmälern.

Was zuerst bei „Analog Blood“ auffällt ist die gewagte Album-Cover Adaption auf Guns n' Roses' „Appetite for Destruction“. Lass das mal nicht den Axl sehen. Musikalisch liegt man aber Welten von Sleaze und Glam entfernt.  

Das liegt nicht zuletzt an den rauhen Vocals, die etwas an Celtic Frost's Tom Warrior erinnern. Auch musikalisch liegt Ben hier nicht sehr weit von den Schweizern entfernt. Wenn auch in abgespeckterer Variante. Kann man fein im Eröffnungssong „Walpurgisnacht“ hören, welches durch einfache Gitarren-Strukturen und Ben's rauhen Gesang geprägt ist. Zum Schluß wird man sogar akkustich.  

Auch die restlichen Stücke sind eher derb gebettet, als sich an musikalische Konventionen anzubiedern. „From Hell“ beinhaltet doomige Vibes, angetippte Gitarrenparts und ziemlich abgefuckte Vocals inkl. Gelächter. Ein leichter Hörspielcharakter kommt mir zudem in den Sinn.  

„Digital Blood“ beginnt schnell und offeriert blackmetallische Gitarren-Disharmonien. Der Song ist reichlich schräg, punktet dafür aber mit coolem Refrain. Auch das abschließende „Red“ geht in die Richtung von Black-Metal Raserei und scheppernden Rhythmen.  

Es gelingt Ben Blutzukker durchaus eine musikalische Duftmarke zu setzen, auch wenn er alles im Alleingang durchgezogen hat. Die EP klingt sehr organisch und falls hier am Computer nachgearbeitet wurde, fällt dies zumindest nicht auf. Klar, gibt es musikalisch Anspruchsvolleres auf dieser Welt, aber dem Mut eine solche EP ohne Zwänge aufzunehmen, gebührt Respekt.  

Ben Blutzukker stellt in meinen Augen eine Bereicherung zumindest der lokalen Szene dar. Um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, reicht „Analog Blood“ allemal. Es bleibt abzuwarten, ob Ben auch zukünftig den Metal-Wurzeln treu bleibt und den eingeschlagenen Weg fortführt.

Eine Punktebewertung wäre gegenüber richtigen Bands, aber auch Ben Blutzukker unfair, da man hier entweder die Leistung schmälern oder überbewerten würde. Man darf sich als aufgeschlossener Metalhead gerne „Analog Blood“ reinziehen....nicht nur in der lokalen Umgebung. Ich betrachte das Ganze mal als Appetizer für folgende Großtaten.....Gut gemacht, Ben !!


Bewertung:

ohne Benotung

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