BETWEEN THE BURIED AND ME - Coma Ecliptic

Die Progressive Metaller Between The Buried And Me nehmen uns auf ihrem achten Album (wenn man „Alaska (Instumental)“ dazuzählt) mit auf die Reise eines Mannes, der im Koma liegt und verschiedene Welten erlebt, um die zu finden, welche zu ihm passt. Als er sie findet, muss er sich entscheiden, ob Leben oder Tod. Er entscheidet sich für Leben und wacht auf in seiner eigenen Realität. Erst jetzt merkt er, daß er in einer Traumwelt gefangen war. Er erkennt jetzt wieder, wie schön die Welt eigentlich ist, wie die Menschen lachen und welch Fröhlichkeit herrschen kann. Doch mit dieser Erkenntnis stirbt er.

Soweit ein kurzer Abriss der Geschichte, inklusive erhobenem Zeigefinger, den uns die Jungs aus Charlotte/USA mit ihrem neuesten Werk „Coma Ecliptic“ erzählen wollen. Sänger/Keyboardist Tommy Rogers, die Gitarristen Paul Waggoner und Dustie Waring, Bassist Dan Briggs, sowie Drummer Blake Richardson haben sich in die Welt der Rock Opern begeben und sich nächtelang Opulentes wie Quardophenia, Operation Mindcrime und The Wall um die Ohren gepfiffen, um nun ihre eigene, moderne Rock Oper zu präsentieren.

Daß man es musikalisch drauf hat, haben Between The Buried And Me in der Vergangenheit hinlänglich bewiesen, man will sich aber nicht wiederholen, sondern immer wieder neue Entwicklungen in den Sound einfließen lassen, um die Spannung der Alben hochzuhalten. Und man kann sagen, das gelingt auch diesmal wieder.  

Das Album beginnt ruhig und besinnlich mit Pianoklängen und einfühlsamen Gesang. „Node“ ist quasi der stimmungsvolle Auftakt in die bevorstehende Reise. Herrlich melodiöse Atmosphäre, die urplötzlich durch Gitarren zerrissen wird.  

„The Coma Machine“ avanciert dann zu einer progressiven Abfahrt inklusive Growls zwischendurch. Hier wird die Mathcore und ProgDeath Vergangenheit angedeutet, auch wenn allgemein die härtere Gangart zurückgeschraubt wurde. Anfangs noch mit Piano/Gitarre leicht eingeläutet und etwas Spock's Beard-lastig angehaucht variiert man mit hübschen und abwechselnd schrägen Vocals. Wie nicht anders zu erwarten mit vielen Breaks, sehr komplex aber mit tollen Gitarrenmelodien. Ein sehr guter Einstieg ins Konzeptalbum also.

Jedoch wirken die Songs an sich bei erstem Hören sehr zerfahren. Mitunter kann das Hören durchaus sehr anstrengend werden. Man muß sich Zeit nehmen, am besten via Kopfhörer, um die Vielschichtigkeit zu genießen. Zur Nebenbei-Berieselung taugt „Coma Ecliptic“ nämlich null.  

Egal ob computergenerierte Sounds mit Gesang wie bei „Dim Ignition“, leicht orientalische Spuren und Mellotronklänge wie bei „King Redeem-Queen Serene“ oder atmosphärisches Gelage mit himmlischem Gesang zu Beginn, verträumten Gitarren und schönen Synthies wie bei „Rapid Calm“...es wird mit einer Vielzahl verschiedener Elemente experimentiert.  

Dies alles geht allerdings zwangsläufig zu Lasten des viel zitierten roten Fadens und Eingängigkeit sucht man in den Songs nahezu vergeblich. Am ehesten findet man diese noch bei „Turn on the Darkness“, wo nach düsterem Piano/Gitarren-Beginn und kurzen Growls mehrstimmiger Gesang in melodischere, harmoniebetonte Phasen führt, was in einem fluffigen Gitarrensolo endet.

Hammond-Orgel, Progmetal-Gewirr, Wah-Wah-Sounds und härtere Gitarren bietet dagegen „Memory Palace“. Ein interessanter ProgMetal Song mit Pink Floyd Melodienbögen zum Schluß.

Wie gesagt...die Kompositionen sind sehr komplex, musikalisch herausragend, manchmal gar jazzig („The Ectopic Stroll“) umgesetzt und brauchen mehr als einen Durchlauf, um den Hörer fesseln zu können.  

Sicherlich gibt es einige Gründe, warum „Coma Ecliptic“ von der Presse über Gebühr abgefeiert wird. Mir fehlt der bereits erwähnte rote Faden, der ein oder andere eingängige Zwischen-Song und die Dramatik eines Konzeptalbums. Für Progmetaller, Technik-Freaks und Liebhaber komplexer, teils disharmonischer Klänge klar zu empfehlen. Aber Vorsicht vor Blindkäufen aufgrund von Super-Rezensionen. Man muß die Musik akzeptieren, um sie zu mögen und zu genießen. Von den eingangs erwähnten Rock Opern sind die Amis doch noch ein gutes Stück entfernt.


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