CARONTE - Church of Shamanic Goetia


Dass es in Italien nicht nur Powermetalbands mit klebrigen Keyboards und Chören gibt, sollte einem bekannt sein. So spielen Caronte Doom der Marke Candlemass und Konsorten. Auf ihrem Zweitwerk „Church of Shamanic Goetia“ beweisen sie, dass guter Doom nicht unbedingt aus dem hohen Norden kommen muss.

Schon der Opener lässt es vermuten: Hier wird Epik groß geschrieben. Schleppende Riffs, erhabene Gesangslinien, mächtige, perkussiv angehauchte Drums, Doom-Herz, was willst du mehr (ok, eventuell Songtitel, die man auch aussprechen kann)?

„Handlecheyapi“ beginnt mit einem (gefühlt) ellenlangen Saitenanschlag, bevor das Schlagzeug und die Gitarren den nächsten Koloss vom Stapel lassen. Gesanglich zwar nicht mehr ganz so überzeugend wie beim ersten Song, aber musikalisch top. Gitarrist Tony Bones (beknacktes Pseudonym, vor allem da der Sänger und der Bassist denselben Nachnamen gewählt haben, nur der Drummer nicht) rifft sich gekonnt doomig durch den Song und die Rhythmusfraktion unterstützt die Untergangsstimmung gekonnt.

Etwas schneller geht es bei „Wakan Tanka Riders“ zu. Dorian Bones singt gut ohne aber an einen Messiah Marcolin oder Rob Lowe heranzureichen. Im Mittelteil wird das Tempo wieder in „normale“ Doomsphären runtergeschraubt, was dem Song eine gewisse Heavyness verleiht.

Der folgende Zehnminüter „Temple of Eagles“ bietet erneut Epik vom Feinsten ohne allerdings künstlich aufgeblasen und selbstverliebt zu wirken. Epik um der Epik Willen gibt es hier nicht. Hier wird jede Sekunde des Songs gelebt.

„The Sulphur Shaman“ überrascht mit Funeral-Doom-artigen Vocals, sprich Growls. Nicht jedermanns Geschmack, aber als Stilmittel durchaus nicht uninteressant. Musikalisch passt sich der Song an die harschen Gesangslinien an und klingt dadurch nicht so episch wie seine Vorgänger.

„Black Mandala“ und der Rausschmeißer „Left Hand Voodoo” bieten wieder die aus den ersten Songs bekannte Mächtigkeit. Die druckvolle Produktion tut dabei ihr Übriges.

Wem Candlemass nicht episch genug und Reverend Bizarre wiederum zu üppig und langatmig ist, für den ist Caronte genau richtig. Was aber nicht heißen soll, dass alle anderen die Finger davon lassen sollten. Denn auch Musikfreunde, die sich gerne längere Zeit mit der Musik beschäftigen wollen und sie nicht nur nebenbei zum schnöden Berieseln laufen lassen möchte, können hier voll auf ihre Kosten kommen.


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