CELLA'DOOR - Dämmerung


Cella'Door sind eine Gothic Metal Band aus Hannover, die mit "Dämmerung" ihr viertes Werk (nach einem Demo 2005 sowie den Alben Winter, 2006, und Endland, 2008) nun ihr viertes Album vorlegt. Aufgenommen wurden die neun Stücke bereits im August 2012, warum die CD jetzt erst zweieinhalb Jahre später erscheint, entzieht sich der Kenntnis des Rezensenten.

Die siebenköpfige Formation verfügt über zwei Leadsängerinnen, was durchaus als Alleinstellungsmerkmal gelten darf. Durch sie wird gesangsmäßig ein weites Spektrum vom Operngesang bis hin zu Growls und Gothic Typischen Vocals abgedeckt. Dazu kommt eine Violinistin, sodaß das Verhältnis Frauen : Männer in der Band 3 : 4 ist.

Die Einstiegsnummer "Per Portam Cellae...", wie der Bandname ins Lateinische übersetzt heißt und in etwa Klosterpforte bedeutet, gerät recht dramatisch. Es beginnt mit schweren Klavierakkorden, denen sich ebenso unheilschwangere Violinentöne anschließen, ehe die gesamte Band schließlich mit einem rockigen Arrangement einsteigt. Dem lateinischen Text geht ein chorhaftes Uuuuuuuuhuuuuuuhuuuuuu voraus, welches den düsteren Eindruck weiter verstärkt. Ein fesselnder Opener, der neugierig macht, auf das, was da folgen soll.

"Augenblick" weist harte Metal Riffs auf, die von klassischem Geigenspiel flankiert und von satten Drums nach vorne gepeitscht werden. "Das Ritual" zeigt die beiden Frontfrauen im wechselnden Gesang, punktet nebenbei mit Folk Elementen.

Auch mit dem nächsten Stück, "Licht", wird das Tempo hochgehalten. Hier sind zeitweise auch männliche (oder zumindest so klingende) Vocals zu hören. Inhaltlich befasst sich der Song mit Todessehnsucht, was theatralisch vom Arrangement umgesetzt wird.

Mit dem fünften Lied erreicht das Album seinen Höhepunkt. Hier ist es der Band gelungen, das Gedicht "Die Engel" von Johann Wolfgang von Goethe so zu vertonen, daß Text und Musik eine Symbiose eingehen, die den Hörer gefangen nimmt. Der ständige Wechsel zwischen Gesang und instrumentalen Momenten trägt zur monumentalen Dramatik des Vortrags bei. Könnte der große deutsche Dichter heute hören, was Cella'Door aus seinem Gedicht gemacht haben, er würde sicherlich anerkennend mit dem Kopf nicken.

Das folgende "Nach der Schlacht" bewegt sich auf ähnlichem Niveau, könnte textlich auch aus der Feder von Bodenski stammen, dessen Texte die Werke von Subway to Sally veredeln. Überhaupt könnte man sich diesen Song auch mit dem Gesang von Eric Fish vorstellen.

Verzichtbar aus meiner Sicht ist das japanisch gesungene "Kojo No Tsuki". Ebenso der Textabdruck mit japanischen Schriftzeichen. Zwar hebt sich ein solcher Titel entsprechend vom üblichen Material ab, doch so recht will das Stück nicht in den Kontext des Albums passen. Es handelt sich dabei um das gleiche Kojo No Tsuki, welches die Scorpions schon 1978 auf ihrem ersten Live Album "Tokyo Tapes" gecovert hatten. Haben Bands aus Hannover einen bestimmten Bezug zu Japan?

Der Titelsong "Dämmerung" geht textlich hart mit der Menschheit ins Gericht, indem er menschliches Fehlverhalten an den Pranger stellt. Musikalisch die vielleicht härteste Nummer des Albums, fährt sie nochmal alle Trademarks von Cella'Door auf.

"...Ad dubiam Lucem" ist der einminütige, instrumentale Rausschmeißer, lediglich auf dem Klavier gespielt.

Insgesamt ein interessantes Album, welches allerdings durchaus ein wenig mehr Vielfalt aufweisen könnte. Zu ähnlich sind die meisten Songs gestrickt, was beim Aufbau beginnt und sich in den Songstrukturen manifestiert. Dennoch sollten Genre Interessierte, die sich ansonsten mit Bands wie den bereits weiter oben genannten Subway to Sally oder auch Letzte Instanz oder Welle: Erdball beschäftigen, dieses Album mal antesten. Für M'era Luna oder WGT Gänger sicher der passende Soundtrack.


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