CHAINFIST - Scarred

Es erreichen einen heutzutage ja viele Promos, welche die Anschläge auf der Tastatur nicht Wert sind. Zu überschwemmt ist der Markt.....  

Aber ab und an wird man dann doch von einer unerwarteten Perle überrascht. So in diesem Fall, wo mit „Scarred“ das 2. Album der Dänen Chainfist vorliegt.

Musikalisch wird einiges geboten. Grundlegend im puren Heavy Metal Bereich verwurzelt, findet man Elemente aus Thrash, ProgMetal und modernen Anstrichen wieder.

Dies beginnt bereits mit dem coolen Opener „Scars of Time“, der die Klasse der Band offenbart. Extrem zielsicher bewegen sich die Musiker durch den Song, der im Refrain mit Hetfield-ähnlichem Gesang und ansonsten angenehm cleaner Stimme von Jackie Petersen aufwartet. Der Sänger hat sich im Vergleich zum Debut nochmals gesteigert, was demnach als positiver Faktor zu nennen ist. Zudem mit neuem Gitarristen bestückt, findet man die genau richtige Dosierung zwischen gesunder Härte und feinen Melodiebögen. Dies macht die Songs angenehm zu hören.   

Beispielsweise wird „1000 Ways to Bleed“ von einer herrlichen Gitarrenmelodie eröffnet, entwickelt sich aber zu einem echten Thrash/-Powersmasher. Doublebass-Drums peitschen den Song in schnelle Gefielde, abgerundet von einem mächtigen, kompetent vorgetragenen Gitarrensolo. Die Band lässt sich wirklich durch zahlreiche Breaks richtig was einfallen, um die Songs spannend zu gestalten. Ohne allerdings das Liedgut zu überfrachten.

Wirklich überraschend, mit welchem Können im Musikalischen und im Songwriting Chainfist hier auftreten. Als wäre die Band schon jahrzehntelang im Geschäft. Parallelen zu Mercenary, auch aufgrund der dänischen Herkunft, kann man teilweise ziehen, genauso wie manche Verneigung zu In Flames und Co.

Als echte Hitsingle könnte sich „Black Rebel Noise“ herauskristallisieren. Eine straighte, stadiontaugliche Abgeh-Nummer, mit Refrain und Backgroundchören der Volbeat-Klasse. Hier wird mehr auf Eingängigkeit denn auf spielerische Finesse gesetzt, was dem Song diese gewisse Hit-Tauglichkeit einbringt. In akkustischer Form befindet er sich zudem noch als Bonus auf dem Album.

Mir persönlich gefallen aber die komplexeren Sachen der Band besser. Nachzuhören beispielsweise in „Another Day in Hell“ mit seinem balladesken Aufbau („Gods of Wrath“-Metal Church ich hör dich rufen) und dem permanenten Wechsel zwischen Cleangesang und Thrash-Shouting. Zwischendurch wird auf Hochgeschwindigkeit gesetzt, dann wieder abrupt gedrosselt, Heavy-Riffs ausgepackt und mit hübschen Melodien garniert. Genial..

Die Klasse der Songs wird nicht durchgehend gehalten. So gehen Titel wie „10.000“ oder „Poison Moon“ nur als gut durch, da man Gehörtes entweder wiederholt oder die Songs nicht auf Anhieb zünden. Spielerisch ist man allerdings um jeden Zweifel erhaben.  

Erwähnenswert noch das flotte „Statement“. Hier wird fast durchgehend gerifft was das Zeug hält und das schnelle Gitarrensolo tut sein Übriges. Sowie das abschließende „Mass Frustration“, welches in eine ähnliche Kerbe schlägt wie „Another Day in Hell“, also ruhiger Aufbau und Wechsel zwischen Shouts und melodiebetontem Clean-Vocals.

Klasse Album der Dänen, auch wenn man sich zum Ende hin etwas wiederholt. Die Songs sind allesamt fein arrangiert, mit einer ordentlichen Portion Härte, aber auch meist mit tollen Melodien gesegnet, so daß fast nie Langeweile aufkommt. Mit etwas Glück, das jede Band benötigt, könnte hier zukünftig Großes auf uns zukommen. Wenn Jackie Petersen noch etwas an seinem Wiederkennungswert arbeitet, bin ich sogar davon überzeugt, daß man noch viel Gutes über und von  Chainfist hören wird.

Beide Daumen hoch für ein Album, welches auf geniale Weise Thrashelemente, modernen Metal und Old Schooliges, sowie Prog-Anleihen vereint. Nicht verkopft, sondern einfach nur toll anzuhören. Einige Füller....ja, aber der angenehme Gesamteindruck bleibt.

 

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