CONQUEST - The War We Rage

 

Thrash Metal aus den Staaten – da fällt einem natürlich sofort die Bay Area mit seinen legendären Bands ein. Oder auch Bands wie Overkill von der anderen Seite des Landes.

Die hier vorliegende Band kommt aus St.Louis, Missouri, also nicht unbedingt aus einer Hochburg amerikanisch metallischen Geschehens. Conquest nennt sich der Vierer und wenn man diesen näher betrachtet stellt man fest, daß Conquest bereits seit Ende der 80er aktiv sind und über die Jahre hinweg bereits fünf Vollzeitdreher herausgebracht haben. Keine Neulinge also und mit „The War we Rage“ schickt sich nun die sechste Scheibe an, die Band aus den Sümpfen zu erheben.

....und die Band fordert sofort Rache mit „Coming with Vengeance“. Doch hoppla... wir hören zu Beginn ein pures Heavy Metal Riff fernab jeglicher Thrash Allüren. Diese erscheinen jedoch bald, so daß sich der Song in einen stampfenden Midtempo-Thrasher entwickelt. Derrick Brumley besitzt ein angenehmes, unaufgesetztes Stimmorgan, nicht zu brutal, aber mit genügend Härte gesegnet. Auch in höheren Gefielden bleibt die Stimme stabil. Die Gitarren sägen schön durch die Gegend, routiniert und qualitativ hochwertig. Hübscher Thrasher, der sich nicht unbedingt an zigmal Gehörtes anbiedert.  

Kleinkind's Stimme kündigt „Never Forget“ an. Schönes schweres Heavy Metal Riffing in Anlehnung an ältere Metallica gebündelt mit schnörkellosen Metal Parts aus heroischen Zeiten schnüren ein leckeres Paket gepflegter Töne. Brumley kommt teilweise clean, teilweise fies rüber. Überzeugend !!  

Welch ein Schrei nach den obligatorischen Sirenen, der „Tyrants of the new World“ eröffnet. Die Angelegenheit nimmt Fahrt auf, sprich hier haben wir es mit deutlich schnellerem Metal zu tun als zuvor. Ist dies jetzt Speed Metal oder Thrash ? Die Wahrheit liegt irgendwo zwischendrin. Furiose Gitarrenarbeit und unglaubliche Screams bilden die Essenz des Songs. Feiner Nackenbrecher, der sogar irdendetwas von Painkiller hat.

Mahnende Worte eines Anchormans zu Beginn von „Live Free or Die“. Weiter geht’s mit schnelleren Sounds. Der Gesang wirkt hier aggressiver und abgefahrener. Trotz aller Schnelligkeit aber mit genügend Melodie um die Ohren. Pfeilschnelle Gitarrensalven runden die Speed-Granate ab.

Auch der Titelsong wird mit gesprochenem Wort eingeleitet. Mächtiges Gitarrenriffing verleiht äußerste Heaviness. Die Vocal Parts sind hier etwas der Schwachpunkt. Zu abgehackt, wirr und aussageschwach wirken sie im Zusammenspiel mit den teilweise enorm schnellen Gitarren Eruptionen. Wenn der Song in die Heavy Phase überwechselt cool, ansonsten eher verzichtbar. Für einen Titelsong enttäuschend.  

„Get off my Back“ - sag ich auch immer. Reines Thrash Geshoute trifft auf coole Gitarren Schlenker. Stampfendes, rhythmisches Geballer im Metallica /Testament Gewässer schwimmend. Ein krank wirkendes Break lässt selbst den Rücken entzücken. Stark !!

Richtig lagerfeuerig wird es mit dem „Long Haired Country Boy“ nicht. Die vertonte Metallisierung des Country bringt einem sofort ein breites Grinsen ins Gesicht. Den Song sollte man wohl im Gesamtkontext nicht zu ernst nehmen, aber das Ganze ist arschtight gespielt und lässt selbst den Marlboro Mann aus dem Sattel fallen. Völlig Square Dance ungeeignet und daher einfach klasse.  

Der Beginn von „The Wicked“ kommt einem irgendwie bekannt vor. Erinnert er an Ozzy ? Könnte sein. Der Song an sich hat aber überhaupt nichts mit dem Madman zu tun. Uptempo Thrasher mit leichtem Punk Einschlag. Vom Songaufbau eher chaotisch als eingängig fasziniert er jedoch mit unbändiger Spielfreudige. Nichts absolut Neues, aber gekonnt umgesetzt.

Verspielt mit galoppierenden Drums kommt „Fall from Grace“ daher. Klingt irgendwie witzig aber auch immens rock'n rollig. Teils mit mehrstimmigem Gesang unterlegt ein echter Mitsinger, wenn auch recht simpel gestrickt.

Ruhiger wird’s mit „Turn me Away“. Sehr melodisch und tempoarm entpuppt sich der Song als so etwas wie eine Halbballade. Somit hat auch die weibliche Fraktion einen Titel zu dem sie skippen kann. Zuckersüße Melodien klingen zwar anders, vor allem bei dem wirbelnden Gitarrensolo, aber dies ist die absolut eingängigste, langsamste Nummer bisher. Raise your lighters, metallians.   

Von „Scream for my Life“ wieder aufgeweckt, geht’s weiter in dem Kampf, den wir führen. Da man es ja nicht gleich wieder übertreiben will, führt man den Hörer erst mal wieder in gepflegtem Midtempo an die härteren Zeiten heran, die Screams sind allerdings schon auf hohem Aggro-Level zurück. Solides Futter für hungrige Fans amerikanischer Thrashprägung.

In ähnlichem Stil geht’s weiter mit „Against all Odds“. Toller Gesang mit erneut hübschen Screams und sicheres Gitarrenriffing, sowie erhabenes Metalsolieren sind die Trümpfe eines flotten Uptempo-Bangers, der direkt in die Fratze haut. Killer Song.

Endgültig schwarz sehe ich, den morgigen Tag in Harmonie zu erleben. Dafür gibt mir „Tomorrow's Black“ endgültig den Rest. Hier wird zum Schluß alles zertrümmert, was noch halbwegs ganz ist. Eine schnelle Dampframme mit teils „sickem“ Gesang. Herrje, was für eine Tracht (Metal-)Prügel.

Conquest sind schwierig einzuordnen. Sicherlich liegt ein Großteil der Songs im Thrash verankert. Aber es kommen ebenso genügend pure Heavy Metal Parts zum Vorschein, was dem Album sicherlich an Abwechslung einbringt. Die Songs klingen nicht wie schon hundertfach gehört. Dies ist dem guten Songwriting, der großartigen Stimme Derrick Brumley's und den virtuosen Musikern geschuldet, die fernab von jeglichem Kitsch solieren, riffen, schredden, pumpen oder einfach nur nach vorne peitschen.

Ein außergewöhliches (Thrash-)Metal Album, welches tierisch Spaß macht.

 

Bewertung: