CRIMSON SWAN - Unlit

Ich schwelge immer noch in Sphären der Düsternis und Traurigkeit – ausgelöst durch das Hören von „Unlit“, dem Erstlingswerk der deutschen Formation Crimson Swan. Ob man die Musik nun Funeral Doom, Dark Metal oder Death-Doom nennen will, spielt keine Rolle. Denn die Musik, mit welcher die Hamburger um die Ecke kommen, fasziniert und bedrückt zugleich.

Von der ersten (obligatorisch mit Regen und Gewitter eingeleiteten) Minute an nimmt das Album gefangen. Sei es durch die traurige Piano Passage und Engelsgesang zu Beginn oder das epochale Soundgewand, das daraufhin bei „Fade to Nothingness“ folgt. Ruhige Akkustik-Passagen spielen bei den sechs Songs immer wieder eine tragende Rolle.  

Der ruhige, cleane Gesang von Simon erinnert mehr an progressive Rockbands, im Gegensatz zu den dunklen Growls, die meist dann auftreten, wenn die Musik an Wucht zunimmt und mit atmosphärischen Keyboards begleitet majestätisch aus den Boxen wummert. Elegisch melancholische Gitarrenparts gehören genauso dazu, wie anklagende Spoken Word Parts. Ganz große Kunst, dunkler an trauriger Schönheit kaum zu überbietender Kompositionen.  

Die Songs pendeln allesamt zwischen 8 und 10 Minuten (das kürzeste, abschließende „Voidhaven“ knapp darunter !) und drücken alleine schon dadurch den Anspruch der Band aus, möglichst viel an Atmosphäre in die Songs zu packen und somit auf kurze, knackige Interpretationen zu verzichten.  

„A Waterfall of Sorrow“ kommt gänzlich ohne Cleangesang aus, ohne deswegen weniger zuberühren. Jeder Song besitzt seine ganz eigenen tollen Passagen, welche die Songs so faszinierend machen. Wenn man sich der Gänsehaut in seiner vollendeten Form hingeben will, muss man sich „Words of Perdition“ anhören. Trotz kurzer Keifgesang-Vocals und tiefer Growls bietet dieser Monolith viel sanfte Klänge, die in weiblich/männlichem Duett seine leichte Gothic-Färbung erfährt und mit einer zum Schluß ausufernden Gitarrenmelodie endet, welche nicht von dieser Welt zu sein scheint, ob der Schönheit und Wärme.  

Das Tempo ist nahezu gleichbleibend langsam, wie zähfließend, lediglich in Nuancen wird mal kurz die Double Bass rausgeholt und das Ganze dadurch flotter, wenn auch nicht wirlich schnell. Hier wird dann zudem die Rhythmusgitarre härter angeschlagen, alles aber im Einklang mit den herausragenden Melodiebögen. „Accusations“ ist hierfür so ein Beispiel, wo die Vocals auch mal richtig biestig wirken können.  

Das Ende gipfelt dann in vollkommener Melancholie darbender Düsternis in Form von „Voidhaven“. Es regieren Elegien von Gitarrenmelodien bevor das Piano und das eingangs auftretende Gewitter erneut auftauchen um abschließend das Album zu umrahmen.  

Nein, mit Fröhlichkeit und Sonnenstrahlen (jetzt zum Sommer hin) haben Crimson Swan nichts zu tun. Bei einem Albumtitel wie „Unlit“ auch nicht wirklich zu erwarten.  

Dennoch haben die Jungs ein Album aufgenommen, welches trotz aller Dunkelheit, Melancholie und Traurigkeit eine prachtvolle Schönheit an den Tag legt. Bemerkenswert ist, welch songwriterische Reife Crimson Swan bei ihrem Erstling an den Tag legen und mit welcher Kompetenz die Lieder umgesetzt werden.

Für mich ein absolutes Überraschungs-Album, welches hoffentlich nicht in der Masse von Veröffentlichungen untergeht. Ein Kleinod der besonderen Güte ! 


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