DEAD BY APRIL - Worlds Collide


Autor:  Kerbinator

Bewertung:  7 / 10

Tracklist:

  • Crying Over You
  • I Can't Breathe
  • Playing With Fire
  • Warrior
  • Breaking Point
  • My Heart Is Crushable
  • Can You See The Red
  • Our Worlds Collide
  • This Is My Life
  • Perfect The Way You Are
  • For Every Step


VO: 07.04.2017

Label:  Spinefarm Records

Ich bin ja echt kein Fan dieser Musikart, die zwischen emotionalen Clean Vocals und Core-Gebrüll hin-und herwechselt. Von dieser Art gibt’s mittlerweile unzählige Bands und eine gleicht der anderen. Dieses Stilmittel verwenden auch Dead By April, schwedische Band, die aber noch einen völlig anderen Sound in ihre Musik mit einfliessen lassen. Und dieser Sound ist Dance, Industrial oder computeresk integriert, was vielen jetzt ein „würg“ aus dem Hals springen lassen wird. Aber halt, Dead By April verstehen es sehr gut, diese Komponenten miteinander zu verweben und als neutraler Berichterstatter darf man das durchaus honorieren.

Gut, also die Zielgruppe ist abgesteckt. Gerade jüngere Hörer werden sich in einem solchen Sound, ähnlich wie bei den Labelkollegen von Starset, eher wiederfinden als die gestandenen Pure-Metal-Aktivisten. „Worlds Collide“ ist nun auch schon das vierte Album der vier Jungs aus Göteborg. Nach ein paar Line-Up-Wechseln hat Bandgründer und Gitarrist Pontus Hjelm mittlerweile die Clean Vocals übernommen, welche jetzt nicht unbedingt eigenständig rüberkommen, aber angenehm ins Ohr gehen. Als Gegenstück zum typischen Core-Geschrei von Christoffer Andersson, den man unter tausenden nicht wiedererkennen würde. Für meinen persönlichen Geschmack machen solche Growls immer wieder eigentlich gute Songs kaputt, bei Dead By April halten sie sich glücklicherweise etwas zurück und tauchen immer nur vereinzelt in den Songs auf. Da kann man drüber weghören und sich an der Mischung aus (Emo)-Vibes und Dance-Trance-Sounds gepaart mit harten Riffs erfreuen (oder auch nicht).  

Der Anspruch der Band soll sein, die Extreme auszuloten. Extreme zwischen harten Riffs und Elektro-Sounds. Dies führt automatisch zu einem gehörigen Industrial-Einschlag, dem aber der Gesang solcher Bands wie Ministry oder Die Krupps fehlt. So pendeln Lieder wie „Crying Over You“, „Playing With Fire“ und „My Heart Is Crushable“ immer zwischen Melodie und Wahnsinn hin und her und sehr oft lässt man auch verzerrten Gesang ertönen, der manche Songstelle spacig anmuten lässt. Die Gitarristen können mit Riff-Festigkeit punkten, besitzen aber auch ein gutes Gespür für melodische Rhythmen, so daß das Gehörte nicht zu eintönig wird.  

Große Hits oder Über-Nummern sind Dead By April nicht gelungen, dafür funktioniert das Album als Ganzes recht gut. Überraschend präsentiert sich die Band bei der Abschluß-Nummer „For Every Step“. Hier singt Tommy Körberg, bekannt aus dem Abba-Musical Chess und bereits 68 Jahre alt. Aber der Vokalist intoniert hier mit der Klasse diverser Classic Rock-Größen und veredelt diese (Halb-)Ballade mit seinem Gesang total. Man meint nicht, daß hier Dead By April am Werk sind und somit fällt dieses Albumende komplett aus dem Rahmen.  

Pontus Hjelm, neben Gesang/Gitarre auch noch als Songwriter tätig, hat „Worlds Collide“ eine gute Songauswahl und Ben Grosse eine famose, moderne Produktion beschert. Auch wenn hier Vieles doch aus der Konserve zu kommen scheint. Auch das Artwork des Albums darf man als gelungen bezeichnen. Auch wenn's wieder die Hater solcher Musik auf den Plan rufen wird....“Worlds Collide“ ist auf seine Art beeindruckend und aufgrund seiner Grenzwertigkeit provozierend. Ich sehe das als frischen Wind in der Szene und somit ist eine gute Bewertung mehr als fällig.