E.D.E.N - Füste hoch

Deutschrock, Punk'n Roll...keine Ahnung, wie man es nennen will. So wird aber jedenfalls die Musik von E.D.E.N aus der Eifel von Label und Band selbst bezeichnet. Klar, irgendwo liegen die Kompositionen der vier Jungs und dem einen Mädel auch in dieser Schnittmenge. Allerdings wird dies den 10 Songs auf dem Debut „Fäuste hoch“ nur bedingt gerecht.

Auffällig ist zuerst einmal das spartanische schwarz/weiß Albumcover, welches durchaus Assoziationen zum Punk erweckt. Schlicht, aber sagt genau das aus, was der Albumtitel bezweckt.  

Musikalisch wird man mit dem eröffnenden Titelsong jedoch bereits überrascht. Es knallt ein dermaßen hartes Riff aus den Boxen, daß man meinen könnte, man hätte es hier mit einer deutschsingenden Metalband zu tun. Der Gesang von Thomas Brengmann lässt noch am ehesten den Vergleich mit Deutschrock-Bands zu. Viele meinen, er klinge wie Sammy Amara von den Broilers. Ich möchte dies aber weder betätigen noch dementieren. Dafür kenne ich die Broilers zu wenig bis gar nicht.  Auf jeden Fall ist „Fäuste hoch“ ein harter Opener mit Aufbruch Lyrics und gelegentlicher Frauenstimme im Hintergrunde. Diese Frauenstimme gehört Keyboarderin Laura Brengmann. Jawoll, Keyboards bzw Piano. Diese spielen in den weiteren Songs keine unwichtige Rolle.

Am ehesten noch in die Deutschrock-Ecke könnte man E.D.E.N bei „Kotzende Pferde“ schieben. Ein leicht punkiger Song mit diesem Ärzte-Vibe, den viele Bands besitzen. Nicht schlecht, aber austauschbar. Da wird’s mit „Traumtänzer“ dann gleich besser und eigenständiger. Gutes Rock-Riff, eingängiger Refrain und ein Piano-Zwischenpart lassen aufhorchen. Zudem streut die Band immer mal wieder ein Break ein. So auch hier mit teils geflüstertem, teils gescreamten Gesang.  

Ein weitere Beweis für das flexible Songwriting der Band, bei dem Basser Daniel, wenn ich das richtig interpretiere, für die Lyrics zuständig ist, folgt mit „+/+“. Akkustisch verklärter Beginn, welcher ein bisschen nach Nordsee-Romantik klingt. Ein Love-Song, bei welchem Laura im Duett singt. Abgerundet wird diese feine Nummer von eine gelungenen, melodischen Gitarrenpart.

An diesen vier Songs orientiert sich auch der Rest des Albums.  Typische Deutschrock-Abgehsongs wie „Freundschaft“, die immer einen eingängigen Refrain und somit Hit-Potential bieten, über ruhigere Nummern, bei welchen das Piano eine große Rolle spielt („Zurück“) bis hin zu abwechslungsreichen, teils politischen Songs wie „Schwarz auf Weiß“. E.D.E.N bieten ein recht weites Spektrum und heben sich dadurch positiv von Einheits-Deutschrockern, die auf Teufel komm raus auf Kommerz getrimmt sind, ab. Die Band beißt sich mit intelligenten Lyrics ins Gehirn (ein Blick ins Booklet lohnt sich immer), ohne aber zu sehr politische Meinungen zu vertreten.  

Man hat was zu sagen, sicher, aber versucht nicht mit Vehemenz dem Hörer seine Ansichten aufzudrücken. Lieber lassen E.D.E.N die Musik sprechen und die kann was. Natürlich gibt es im Rockbereich bessere Instrumentalisten wie hier, aber der Songdienlichkeit, der Härte, der Romantik, dem Liederfluß könnte man keine bessere Ausdruckskraft geben.

E.D.E.N sind eine Band, die jedem rock-affinen Hörer gefallen kann, der mit deutschen Texten keine Probleme hat. Auf jeden Fall hebt sich die Band positiv in der Szene ab und erscheinen viel intensiver als die üblichen Protagonisten auf der Bildfläche. Fäsute hoch für eine aufstrebende, junge Band. 


Bewertung:

Kommentare: