EDEN'S CURSE - Undercurrent

Schotten gelten ja allgemein als sparsam. Dass das nicht auf alle Bereiche zutrifft, bewiesen Eden’s Curse ein ums andere Mal. So gingen sie nicht grade sparsam mit dem spielenden Personal um: Drei Keyboarder, zwei Sänger und einen Drummer haben die Band in nur 10 Jahren verschlissen. Kontinuität sieht anders aus. Aber wenigstens gehen sie mit der Anzahl der Schotten in der Band sparsam um, denn nur zwei der fünf Musiker sind auch Schotten.

Aber etwas Gutes gibt es doch: Eden’s Curse sparen auch nicht an neuem Material. So kommt im Oktober dieses Jahres bereits das fünfte Studioalbum raus, welches auf den Namen Cardinal hört. Nach dem letztjährigen Live-Album ein weiteres Lebenszeichen der Band.

Und das beginnt schon mal sehr vielversprechend. „Prophets of doom“ besticht durch gutklassiges Riffing und eine Stimme, die irgendwo zwischen Mats Levén, Tobi Sammet und Jorn Lande liegt. Das folgende „Sell your soul“ kommt mit seinen Melodien und Pianoklängen fast schon etwas poppig daher, atmet aber trotzdem den typischen Eden’s Curse-Flair.

Mit „The great pretender“ gibt es (glüklicherweise) kein Freddy Mercury Cover, sondern einen ziemlich rockigen Metal-Song auf die Ohren, inklusive mehrstimmigem Gesang und geilem Gitarrensolo. In die gleiche Kerbe schlägt auch „Messiah complex.“ Harte Riffs, Doublebass und ein Keyboard-Gitarren-Duell, wie man es von Dream Theater her kennt sind die Markenzeichen des Songs.

Mit dem fast siebenminütigen „Find my way“ gibt es den ersten von zwei Longtracks. Recht balladesk gehalten gibt es hier die erste kleinere Verschnaufpause, bevor es wieder rockig weitergeht.

Die weiteren Songs entsprechen etwa dem Anfang der Platte, überzeugen mit tollen Melodien, großartigem Gesang und manchen ungewöhnlichen Zutaten (einleitendes Bass-Solo, Elektro-Keyboardpassagen usw.) Und einen musikalischen Gast hat man auch noch zu bieten: Bei Leave’s Eyes geschasst und somit mit viel Zeit ausgestattet, lieh Liv Kristine dem Song „Unconditional“ ihre Stimme und sorgt so für ein gutes Duett mit Sänger Nikola Mijić. Letzter große Höhepunkt ist der knapp achtminütige Rausschmeißer „Jericho“, der sich thematisch der biblischen Schlacht um Jericho widmet. Und genauso episch ist der Song auch musikalisch aufgebaut. Ein würdiger Schlusspunkt eines guten Albums.

Ingesamt ist Eden’s Curse ein würdiger Nachfolger zu "Symphony of Sin" gelungen, der als einzigen Makel vielleicht die Länge von über 62 Minuten hat. Ein, zwei Songs weniger hätten wohl auch gereicht. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn man kann es auch so sehen, dass man hier viel gute Musik für sein Geld kriegt. Chapeau!


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