EREB ALTOR - Nattramn

Die Schweden Ereb Altor sind beileibe keine Unbekannten mehr in der Szene. Im Abstand von zwei Jahren veröffentlicht das Quartett regelmäßig neue Alben, mittlerweile sind wir bei Nummer fünf angelangt. Denn nach dem hervorragenden „Fire Meets Ice“ Album von 2013 folgt jetzt mit „Nattramn“ das neue Epos nordischer Klangkunst.

Mit ihren ersten Veröffentlichungen wurden die Schweden immer wieder mit Bathory ab der „Hammerheart“-Phase verglichen. Und dies zu Recht, wenn man sich die soundgewaltigen Viking-Epen mit Black Metal Einschlag anhört. Dieser Einfluß ist nach wie vor Bestandteil der Musik von Ereb Altor, wenn gleich man mittlerweile auch andere Elemente mit in den Sound integriert hat.  

Aufgenommen und gemixt wurde das Album von Jonas Lindström im Fascination Street Studio, wo auch schon Größen wie Morbid Angel, Arch Enemy, Manowar und Firewind aufgenommen haben. Zudem gemastert von Jens Bogren hat man dem neuen Opus einen wahrhaft opulenten, erhabenen Sound spendiert.  

Schon die etwas mehr als zweiminütige Eröffnungs-Sequenz „The Son of Vindsvalr“ mit pulsierenden Drums und Chören lässt nordische Kälte aufziehen. Wie ein Aufruf zur Wikinger-Schlacht.

Das folgende „Midsommarblot“ ist dann in der Folge Epik pur. Die Melodien könnten erhabener nicht sein und der Gesang von Mats und Ragnar wechselt von Song zu Song. In dieser Gänsehaut-Nordmanns-Hymne findet der Gesang ausschließlich clean statt. Der Winter ist vorüber und für die Wikinger, die den langen Winter gemeistert haben, ist es wieder Zeit, Blutopfer zu fordern um gute Ernte und eine langen Sommer zu erzwingen. Sehr melodisches Kriegs-Epos mit bewegendem Refrain. Eine Referenz für jeden Viking-/Pagan-Metaller.

Doch mit dem Titelsong „Nattramn“ zeigt man seine dunkle Seite. Dies ist der erste von noch zwei weiteren folgenden Songs, die die schwedische folkloristische Geschichte erzählen, ähnlich wie bereits auf dem „Gastrike“-Album. Im Gegensatz zu „Midsommarblot“ gibt es hier von Ereb Altor Keifgesang zu hören, was den Black-Metal Anteil im Sound der Band rapide ansteigen lässt. Auch das Riffing ist ungleich härter und eisiger. Ein Nattramn ist der Sage nach ein rabenähnliches Getier mit großen Klauen und scharfen Zähnen. Klar, daß man einen Song darüber in dieser Art vertonen muß. Aber das ist von Ereb Altor ja nichts Neues, eher sind reine Clean-Geang-Songs als unüblich zu bezeichnen. Die mächtige Soundwand der letzten zwei Minuten scheint einen jedenfalls schier zu erdrücken.  

„The Dance of the Elves“ fährt dann den harschen Faktor natürlich zurück. Verständlicherweise bei solch einem Songtitel. Der Anfang mit Akkustik Gitarre und Bardengesang, welcher in monumentale, chorunterstützte Melancholie mündet, beschreibt die Traurigkeit der Elfen, die mit ihren Opfern nur für eine Nacht tanzen. In diesem Song wechseln Cleangesang und Gekeife ab, was die Melancholie und Bösartigkeit vereint. Der Song an sich besitzt einen hohen Folkanteil, der mächtige Sound bleibt dem Album aber immer erhalten.  

Mit „Dark Waters“ gibt’s dann 9 Minuten epischen Black Metal pur, der nach einer schleppenden Eingangsphase erst richtig loslegt. Dabei hat der Keifgesang auch gewisse Ähnlichkeit zu Bathory's Quorthon der Frühphase. Die Musik ist aber alles andere als stumpfer Black Metal. Die gewaltigen Rhythmen erzählen von einer violinespielenden Kreatur, die die Menschheit in ihren Bann zieht. Entweder man bändigt die Kreatur und lernt und wird der beste Violinist auf Erden, oder man verliert und das Ende ist nah. Soundmäßig wechseln langsamere und schnellere Parts ab und bilden eine souveräne Einheit.  

„Across the Giant's Blood“ bildet die majestetische Doom Hymne des Albums. Eine dichte doomige Phase mit erneut cleanem Gesang. Tolle Gitarrenmelodien vertonen den Weg der Langschiffe über die sich auftürmenden Wellen des Ozeans, Schiffe auf denen die Nordmänner die Segel setzen um fremde Landstriche zu erobern. Stilistisch ist dieser Song noch am ehesten an „Hammerheart“ dran.  

Beim abschließenden „The Nemesis of Frej“ werden in 8 Minuten nochmals alle Stärken von Ereb Altor. Die erhabene, epische Seite zu Beginn und am Ende und mittendrin der schwarzmetallische Part. Macht Sinn, denn der Anfang erzählt die Geschichte von Muspelheim und dem aus Feuer geschmiedeten Schwert, welches Surt, dem König des Feuers gehört. Der harsche Black Metal Part vertont dann den Teil, als der König in die letzte Schlacht zieht. Und am Ende des Ragnarök übernimmt quasi wieder der Doom.  

Mit „Nattramn“ ist Ereb Altor meiner Meinung nach der große Wurf gelungen. Für mich gilt ab sofort dieses Album als Referenz im Viking-/Pagan Metal der Neuzeit. Besser kann man epische Songs einfach nicht schreiben und umsetzen. Die Songs erzeugen beim Hören nachhaltig Gänsehaut. Nicht wegen der Kälte, die das Album durchaus auch vertont, sondern aufgrund der Schönheit der Melodien, gepaart mit der Wucht der Wikinger. Ich erhebe das Horn.... 


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