FESTUNG NEBELBURG - Zwischen den Jahren

Ich sehe ja reinen Soloprojekten eher skeptisch gegenüber. Sogenannte Multi-Instrumentalisten und Alleskönner bringen Alben/Werke heraus, die von ihnen alleine oder mit geringer Unterstützung eingespielt werden. Oft bleibt dabei aber entweder musikalische Wertigkeit oder songwriterische Fähigkeit auf der Strecke. Nicht unbedingt so bei Festung Nebelburg.

Dieses Projekt des bayrischen Waldmanns Nattulv hat mit „Zwischen den Jahren“ das zweite  Album herausgebracht und bewegt sich grob im Bereich Pagan-/Folk-/light Black Metal. Man hört dem Album keineswegs an, daß hier alles von Nattulv alleine eingespielt und produziert wurde. Nein, man ist gewillt an eine vollständige Band zu glauben. Dies ist das erste Kompliment, welches man Nattulv machen darf.

Das zweite sind die Songs selbst. Klingt nach einem atmosphärischen Intro der Song „Vorboten“ noch ein wenig nach Pagan-/Mittelalter-Einerlei hat es „Drudendrücken“ dann bereits voll drauf. Nattulv's Gesang reicht von blackmetallischem Keifen über typische Mittelalter Vocals bis zu aggressiverem Cleangesang. Das alleine bringt Abwechslung. Aber auch die ständige Herausnahme des Tempos. Kaum glaubt man sich in Pagan-/Blackmetal-Raserei, unterbricht der Mainman den Song mit akkustisch unterstützten Passagen.  

Heftiger sind da das aggressive „Perchtenlauf“, sowie das etwas uneingängige „Irrlicht“. Hier herrscht der Keifgesang vor, trotzdem bleiben die Texte immer verständlich. Diese drehen sich um die einstigen bayrischen Rauhnächte. Die dunklen Nächte zwischen den Jahren, mit all ihren mystischen und teils horrifierenden Geschichten.  

„Altes Wissen“ mischt wieder heftiges mit melodischem Material und selbst mehrstimmiger Gesang in angetrunkener Stimmung bietet Nattulv hier auf. Auch das etwas biedere „Thomasnacht“ mit leichter Deutschrock-Schlagseite und das melodischere „I Hob Drammt“ beinhalten viele atmosphärische Momente, bevor „Zwischen den Jahre“ etwas ruhiger ausklingt.

Festung Nebelburg ist eine äußerst gelungene Sache, da das Hauptaugenmerk auf Gitarrenarbeit und nicht, wie vielleicht vermutet, auf mittelalterlichen Instrumenten liegt. Somit bleibt der rockig/metallische Faktor immer erhalten. Erfrischend und somit eher nicht mit Bands wie In Extremo oder Subway To Sally zu vergleichen. Manchmal fühlt man sich gar an folkigere New Model Army erinnert.  Runde Angelegenheit, die man sich immer wieder anhören kann. Respekt !!


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