HÄMATOM - Wir Sind Gott

Es darf wieder reichlich diskutiert, angemahnt oder gezittert werden. Hämatom sind mit einem neuen, dem 5. Release heraus.  „Wir Sind Gott“...alleine der Albumtitel wird schon vielen sauer aufstoßen. Aber darau ziehen Himmelsrichtungen (die Bandmitglieder benennen sich nach Nord, Süd, West und Ost !!) ihre Stärken und lassen vor allem lyrisch vielfache Provokationen und Anklagen raus. Scheiß auf heile Welt, biedere Ansichten oder Lügen...es wird wieder abgerechnet.

Musikalisch liegen Hämatom irgendwo zwischen Neuer Deutscher Härte der Rammstein, Oomph oder Megaherz und Industrial Elementen a'la Die Krupps und folkloristischer Weisen a'la Tanzwut.

Dabei fällt auf, daß Hämatom diesmal besonders hart zu Werke gehen wollen. Der Titelsong eröffnet auch gleich das Album mit sehr harten Rhythmen, toughen Lyrics und einem Refrain, der sich bei einem einhämmert. Dies ist gleichzeitig ein Markenzeichen der Band, da meistens der Refrain die Quintessenz der Songs bietet und dieser somit fast immer stark ausgeprägt und oft auch mitsingbar ist.

Leichte Punk-Wurzeln gibt es bei „All U Need Is Love“ zu entdecken, trotz recht räudigem Refrain ein eher eintöniger Song. Mit „Fick das System“ geht’s danach aber gleich wieder in die Vollen. Hämatom operieren hier im Refrain erstmals mehrstimmig und die harten Lyrics werden durch einige Computersamples untermalt. Recht industrial-lastig.

„Made in Germany“ erhält Unterstütung durch Frauengesang und ertönt um einiges grooviger und eingängiger. Genauso eingängig wie „Offline“ und den folgenden Songs, die recht harte Gangart des Beginns wird ab dem fünften Song doch gehörig heruntergeschraubt. Vielleicht wollte man Alt-Fans nicht verschrecken und lässt es daher nicht mehr ganz so krachen.  

So könnte man „Ikarus Erben“ beinahe als Melodeath-Nummer mit folkigen Santiano-Refrains bezeichnen, oder man höre „Zu wahr um schön zu sein“, eine Ballade mit Akkustik-Einstieg und epischem Ende. Die rauhe Stimme von Nord wirkt hier allerdings arg krächzig. Schneller wird’s nur noch bei „Mach Kaputt“ mit seinem bellenden Refrain. Ansonsten verbraten Hämatom viele Stilmittel, wie Rap-mäßigen Gesang im Rausschmeißer „Ist das Kunst ?“ oder partytaugliche Rhythmen im Computersound wie bei „Halli Galli“.  

Alles in allem ein recht frisch wirkendes Neue Deutsche Härte Album von einer Band, die keine Konfrontationen scheut, musikalisch zwar hart aber meist eingängig agiert und somit den Hörer nicht mit Wut, Hass und Anti-Stimmung überbelastet. Erwähnenswert ist noch, daß man mit „I Have A Dream“ ein klares Statement gegen Rechts abliefert. Eine Herzensangelegenheit der Band, um hier unverbesserlichen Hetzern endgültig den Wind aus den Segeln zu nehmen.  

In den renommierten Kohlekeller Studios von Christian Kohlmannslehner produziert, der auch schon mit Powerwolf oder Eskimo Callboys arbeitete, gibt es auch im Bereich Sound nichts zu meckern, so daß man Hämatom ein wirklich interessantes und gutes Album attestieren kann. Natürlich muß man diese Art von Musik mögen und sollte auch nicht unbedingt zartbesaitet durch die Welt spazieren. Sonst holt man sich womöglich einen Bluterguss !!


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