HAIR OF THE DOG - The Siren's Song

Hair Of The Dog – wenn ich diese Umschreibung höre, denke ich zuallererst an Nazareth und ihr gleichnamiges Album. In diesem Falle handelt es sich allerdings um eine dreiköpfige Formation aus Edinburgh/Schottland, die sich ihren Bandnamen wohl diesem Album entlehnt haben. Dabei hat die Musik von Hair Of The Dog nich allzu viel mit Nazareth zu tun.

Zwar bedient man sich auch dem klassischen Heavy Rock, oder Classic Rock wie es heute gerne bezeichnet wird, aber die Umsetzung ist dann doch eine andere wie bei Nazareth. Hair Of The Dog, die aus den Brüdern Adam Holt (vocals, guitars) und Jonathan Holt (drums), sowie deren Freund aus Kindestagen, Iain Thomson (bass), betehen, existieren bereits seit 15 Jahren. Ohne allerdings ein musikalisches Erzeugnis bisher vorweisen zu können. Einzig eine EP aus dem Jahre 2014 zeugte vom Können des Trios.  Das nun vorliegende Album „The Siren's Song“ ist also quasi das Debut, welches allerdings auch schon 2014 aufgenommen wurde, aber erst jetzt den Weg in die weltweite Verbreitung findet.  

Auffällig ist sofort das quietschbunte, an diverse Vintage-Bands erinnernde Albumartwork, welches von Domonic Sohor ausgearbeitet wurde, der bereits Werke zu Orange Goblin, Raging Speedhorn und Gurt beisteuerte. Und auch die Musik von Hair Of The Dog atmet in gewisse Weise diesen Vintage Rock Spirit, allerdings spannender rübergebracht wie bei den vielen anderen Bands, die sich dieses angestaubten Stilmittels bedienen.

Die Jungs starten mutig mit einem reinen Instrumental namen „Into The Storm“ in das Album. Ein cooles Hardrock-Riff wechselt sich mit ruhigen Breaks ab. Guter Einstieg. Adam's Stimme ertönt somit erstmals im zweiten  Song, „You Soft Spoken Thing“. Sein Gesang ist angenehm klar und hoch, ohne zu nerven und kann als klarer Pluspunkt des Sounds von Hair Of The Dog bezeichnet werden. Dem gegenüber stehen allgegenwärtige Classic Rock Riffs, die qualitativ anspruchsvoll gespielt sind, aber sich nur bedingt aus der Masse abheben.  

Bei „Don't Know My Name“ beweist Adam eindrucksvoll, daß er durchaus auch mal schreien kann. Zwar beginnt die Nummer tiefer gestimmt und gesanglich eher relaxt, wird dann aber krächziger und heftiger, bis hin zu den erwähnten Screams. Schöner Ausbruch aus dem typischen Classic Rock -Allerlei.

Generell kann man sagen, daß die Band bemüht ist, möglichst abwechslungsreich zu erscheinen um sich nicht in ein vorgegebenes Korsett pressen zu lassen. Diese gelingt immer wieder eindrucksvoll. So erinnert man bei „Weary Bones“ ein ums andere Mal an die NWOBHM-Legende Demon, nicht zuletzt wegen des an Dave Hill angelehnten Gesangs. Oder man verknüpft lässig aus der Hüfte geschossene Rhythmen mit epischen, leicht traurigen Anflügen wie bei „My Only Home“. Beim  zweiten rein instrumentalen Stück, „The Siren's Song Pt. 1“, meine ich gar leichte Keyboard-Spuren zu entdecken. Die darauf folgende, natürlich „The Siren's Song Pt. 2“ benannte Nummer, beendet dann auch das Album. Allerdings hätte ich hier mehr Epik erwartet. Stattdessen belässt man es bei einem gutklassigen Midtempo-Rocker, der gesanglich von leidenden Fragmenten bis zu erneuten Screams dennoch einiges zu bieten hat.  

Hair Of The Dog heben sich angenehm von der Masse der Classic Rock-/Vintage-Bands ab, obwohl  sie so viel nicht anders machen als der Rest. Aber immer mit einem Tüpfelchen Qualität mehr gesegnet und hervorragendem Gesang können die Schotten auf ihrem Debut durchaus auftrumpen und man merkt der Truppe ihre langjährige Zusammenarbeit in jeder Spur an. Diese Band könnte sich durchaus am Markt durchsetzen und hat das Zeug dazu, zu den momentan angesagten Kapellen dieses Genres unmittelbar aufzuschließen. Sollte man im Auge behalten.


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