HULDRE - Tusmorke

Es fällt mir im ersten Moment der Katult Hof und Michel aus Lönneberga ein, wenn ich die Musik von Huldre auf ihrem neuen Album höre. Viele folkloristische Klänge beherrschen von vorne bis hinten die musikalische Szenerie. Obwohl die Band ja gar nicht aus Schweden kommt, sondern aus Dänemark. Als New Nordic Folk Metal bezeichnen Huldre ihren Stil auf deren Website. Das kommt  schon ungefähr hin. Obwohl der Folk Anteil nach wie vor immens dem Metal Anteil überwiegt.

Schon in unserem Review zum 2012er Album „Intet Menneskebarn“ wurde ausführlich darüber gesprochen, daß Huldre im Gegensatz zu den meisten nordischen Folkmetal-Bands ihre folkloristischen Weisen weit ausgeprägter rüberbringen als die angesagten Spaßbands wie Ensiferum, Finntroll und Konsorten. Nicht alleine die durchwegs in der Landessprache gesungenen Texte machen hier den Unterschied.  

Auch auf dem neuen Album „Tusmorke“ ändert sich daran nichts. Eher hat man den Eindruck, daß die Band noch mehr auf Folk setzt als zuvor. Nach wie vor wird der Gesang von weiblicher Seite, nämlich von Nanna Barslev vorgetragen. An sich hat sie diese so typische weibliche Folklore Stimme, die meistens quängelig gepresst ertönt. Hier finde ich allerdings die größte Schwäche des neuen Albums, denn der Gesang war auf dem Vorgänger noch um Einiges songdienlicher und...ja, verträglicher. Wenn Nanna wie im Eröffnungssong „Jagt“ das „R“ rollt und sich beinahe jodlerisch überschlägt, rollen sich bei mir höchstens die Fußnägel hoch. Dieser Umstand wiederholt sich leider bei manchem Song. Für mich ein Ärgernis, aber bei den meisten der 9 Songs hält sie sich netterweise in dieser Hinsicht dann doch zurück.

Musikalisch bedienen sich Huldre wieder den einschlägigen Instrumenten wie Flöte, Violine, Hurdy Gurdy und ich meine auch hier und da ein Akkordeon vernommen zu haben. Das wirkt sehr authentisch und überbringt genau das, was die Band bezwecken will. Nämlich der Menschheit die Geschichte ihres Landes musikalisch näherzubringen. Am Lagerfeuer, auf Fellen liegend, ordentlich Met im Ausschank funktioniert dies sicher prächtig. Mir wird’s auf Dauer zu viel des Guten.  

Am meisten überzeugen mich Huldre, wenn durch die Gitarren der Härtegrad ansteigt. Sehr virtuos gehen die Saiteninstrumentalisten hier nicht zur Sache, sondern belassen es meist bei dem einen geradlinigen Riff. Ganz kurz taucht auch mal blackmetallische Kälte während eines Songs auf. Hier hat sich wohl ein Irrlicht verirrt. 

Das neue Album ist eigentlich nur um Nuancen schwächer als der Vorgänger „Intet Menneskebarn“ und da auch größtenteils durch den gewöhnungsbedürftigen Gesang. Aber der Reiz des Vorgängeralbums ist im Wesentlichen dadurch bereits abgegolten, so daß Huldre wirklich nur Die-Hard-Folk-Fans überzeugen dürften. Wer also auf Folkmusik mit etwas Metaleinspielungen gefallen findet und sich auch an weiblichem Gesang der manchmal an Magd Lina (remember: Katult Hof) erinnert, nicht stört, der ist bei Huldre goldrichtig. Die hohe Punktzahl, den der Vorgänger aufgrund des außergewöhnlichen Reizes einfahren konnte, kann diesmal nicht mehr vergeben werden. 


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