INCURSED - Elderslied


Es gibt ja mittlerweile viele Pagan/Viking-Bands auf diesem Planeten. Aus Spanien allerdings war mir bisher noch keine bekannt. Das ändert sich jetzt mit Incursed. Mit „Elderslied“ veröffentlichen die Jungs aus Bilbao nun bereits ihr zweites Album.

Und wie es sich gehört, verpackt man den Dreher in ein farbenfrohes Fantasy-Artwork. So verwundert es dann auch nicht unbedingt, daß man das Album mit einem hübschen, symphonischen Intro-Instrumental betitelt „Song of the Ancient“ einleitet. Macht neugierig auf was da kommen mag....

„Heart of Yggdrasil“ bemüht dann auch den eingeschlagenen symphonischen Weg, so daß man zuerst eher an Rhapsody of Fire als an Ensiferum oder Finntroll erinnert. Bis der Gesang einsetzt. Dieser kulminiert in mitteltiefes Gegrowle, begleitet von Akkordeon-Klängen. Aber die Band setzt abwechselnd zusätzlich auf Clean-Gesang, welcher pathetisch den folkloristischen Anstrich untermalt. Recht flott vorgetragen, mit teils blastigen Drums bieten Incursed quasi symphonischen Humppa-Metal.  Nicht schlecht.  

Auch „Raging Wyvern“ kann mit sehr hohem Melodie-Faktor aufwarten. Hier kommt verstärkt die Akkustische zum Einsatz und Spoken-Word-Parts treiben erzählerisch die Geschichte voran. Das Gespür für Eingängigkeit, trotz aller härterer Growl-Passagen, ist der Band durchaus gegeben und musikalisch liegt man qualitativ auch nicht weit hinter den Platzhirschen des Genres.

Ok....manchmal gehen die Folk-Geister mit den Spaniern durch. „The Wild Hunt“ ist etwas mit Sound überladen, die Growls funktionieren wenig und die Fidel wirkt komisch. Dies geht irgendwie zu Lasten der Melodien und der Song will eindeutig zu viel. Weniger wäre mehr gewesen, aber nun gut.  

Ganz zu bierernst nehmen sich Incursed, genau wie beispielsweise Finntroll, natürlich nicht. Nachzuhören bei der Akkordeon-Party Abfahrt „Beer Bloodbath“ (blöder Songtitel irgendwie !). Ja, auch bei den nordischen Göttern wurde kräftig gefeiert. Somit passt der Song einigermaßen ins Konzept und funktioniert bestens bei Bier und Schnaps (ich hab's ausprobiert !). Auch wenn die letzte Minute dann doch etwas zu albern rüberkommt.

Da gefallen flotte, mit Wucht vorgetragene Abgeh-Nummern wie „Tidal Waves“ umso besser. Ohne größere Schnörkel wird flockig nach vorne gefolkrockt und still sitzen wird schwer gemacht.  

Epische, machtvolle Longtrack-Hymnen wie „Jötnar“, „One Among a Million“ (über 10-Minüter !) und „The Undying Flame“ verkörpern mit ihren erhabenen Melodien die folkloristische Welt, in der sich Incursed bewegen. Im Gegensatz dazu die eisige, bösartige Gegenwelt in Kurz-Intermezzen wie „Lady Frost“ oder „Suaren Luralldea“ (was soll hier der Anfang ?).  

Das bereits angesprochene „One Among a Million“ ist das unumstrittene Epos des Albums. Nicht nur aufgrund der Songlänge, sondern auch wegen den vielfältigen, abwechslungsreichen Songideen, die mal mächtig druckvoll, dann wieder anmutig schön den Hörer verwöhnen. Hier zeigt sich am besten:  Incursed können was und sind weit davon entfernt, ein billiger Abklatsch etablierter Acts zu sein. Erwähnenswert noch das Outro namens „Promise of Hope“, bei welchem nach ca. 3 Minuten Stille noch ein kurzes Hidden-Instrumental ertönt. Witziger Schlußpunkt.

Das „Elderslied“ ist besungen und ich behaupte, da wächst was Großartiges heran. Folk-Paganmetal ist ab sofort nicht mehr nur Sache der Nordeuropäer. Der Angriff aus dem Südwesten ist im Gange. Incursed ? - sollte man sich merken.  


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