KAMELOT - Haven

Mit "Haven" legen Kamelot ihr elftes Studioalbum in 20 Jahren auf. Teilweise geht man dabei etwas back to the roots, scheut sich jedoch auch nicht, auch neue Pfade zu beschreiten. Textlich gibt es eher Belangloses ("When the night begins to fall, i watch the shadows growing tall"), aber auch sehr lyrische Momente ("I've to come to stage your abdication, i'm the creation of your sins") und was die Produktion durch Sascha Paeth angeht, ist man eh über jeden Zweifel erhaben.

Dennoch kann mich das Album nicht vollends überzeugen. Den beiden Einstiegssongs "Fallen Star" und "Insomnia" fehlt der Widerhaken, der dafür sorgt, daß sie einmal ins Ohr gehen und dort auch bleiben. Erst der dritte Track, "Citizen Zero" schafft es, meine Aufmerksamkeit völlig zu gewinnen. Hier trifft eine starke Komposition auf eine überaus gelungene Umsetzung.

"Veil of Elysium" fällt dann eher wieder unter die Rubrik "Ja, nicht schlecht, aber hat man das nicht schon tausendmal gehört?", bevor mit "Under grey skies" einer der Höhepunkte des Longplayers ansteht. Eine wunderschöne Ballade, die durch den traumhaften Gesang von Delain Chanteuse Charlotte Wessels und den keltischen Touch, den Nightwish's Troy Donockley einbringt, veredelt wird. An dieser Stelle sei allerdings auch gerechterweise erwähnt, daß Tommy Karevik als Nachfolger von Roy Khan einen hervorragenden Job als Leadvocalist macht.

"My Therapy" beginnt äußerst verspielt - modern, Gott sei Dank bleibt es nicht dabei. Über ein normales Maß an Originalität kommt dieser Song allerdings nicht hinaus. Das folgende "Ecclesia" ist nichts anderes als ein 44sekündiges Intro zu "End of Innocence", welches mit fetten Riffs und wuchtigen Drums aufwartet.

In "Beautiful Apocalypse" ist das Charisma des Fronters förmlich greifbar und das darauffolgende "Liar, Liar (Wasteland Monarchy)", bei dem sich auch der griechische Gitarrist Bob Katsionis (Serious Black, Firewind) unter den Autoren findet, geht als härteste Nummer des Langdrehers durch. Arch Enemy Brülltante Alissa White Gluz ist zudem im Background zu hören. Zudem wird hier auch gegrowlt, ein Element, das bei Kamelot nicht so häufig zum Einsatz kommt, hier allerdings prima reinpasst.

"Here's to the Fall" ist eine melancholisch - bittere Ballade, deren Text beinahe als Gebet durchgehen könnte. In meinen Ohren das letzte Highlight von "Haven", obwohl danach noch zwei weitere Stücke folgen.

"Revolution" kommt mir zu aufgeregt und ungeordnet daher und ist von daher absolut verzichtbar. Das instrumentale Outro "Haven", immerhin Namensgeber der Platte, ist ein halbwegs versöhnlicher Abschluß. Durch sein Soundtrackeskes Arrangement könnte es aber auch irgendwo bei Nightwish zu finden sein.

Fazit: Mir persönlich gefallen ältere Kamelot Scheiben wie "Karma", "Epica" oder "The Black Halo" besser. "Haven" hat durchaus seine starken Seiten, besonders in den balladesken Momenten weiß das Werk zu überzeugen. Von einem Meisterstück würde ich, im Gegensatz zu manch anderen Kollegen, die "Haven" ebenfalls rezensiert haben, allerdings nicht sprechen. 


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