KATTAH - Lapis Lazuli


Kattah, daß sind vier Brasilianer, die motiviert durch ihre Landsleute Angra mit einer Symbiose aus Power-/Heavy-Metal mit progressiven Elementen daherkommt. Gespickt wird die Musik ab und an durch orientalische Zitate, um dem Sound eine eigene Würze zu geben.

„Lapis Lazuli“ ist das zweite Album der Jungs und...hört hört...Roy Z hat produziert. Aushängeschild der Brasilianer ist Sänger Roni Sauaf, der eine tolle Stimme besitzt, allerdings mit keiner eigenen Identität glänzen kann. So klingt er mal wie ein Klon von Bruce Dickinson, mal wie Geoff Tate oder Tobi Sammet. Das sind natürlich Referenzen, die es in sich haben und Roni beherrscht deren Tonlage und Stimmvolumen perfekt.  

Die beiden ersten Songs („Behind the Clay“, „Inside my Head“) sind äußerst eingängige, mit ordentlicher Power gesegnete Abgehnummern, die mit göttlichen Refrains aufwarten, welche einem die Freudentränen in die Augen treiben können, ob der Schönheit, die keinen Maiden-/Edguy Fan kalt lassen. Aber auch die progressive Linie der bereits angesprochenen Angra hat die Band offenbar beeinflußt. Das alles ist dermaßen perfekt und musikalisch fantastisch umgesetzt, so daß man über die offensichtlichen Parallelen zu den genannten Bands gerne auch mal hinwegsehen kann und darf.  

Es lohnt sich nämlich wirklich tiefer in das Album einzutauchen. Vor allem, da Kattah nach dem Eröffnungsdoppel immer wieder verschiedene Sounds in die Songs einbauen. Meist in orientalische  Vibes gefärbt, erlebt man ein Power-Metal Klangspektakel der allerersten Güte. Hintergrund-Chöre („Apocalypse“), sphärische, fliegende Synthies („Alpha Centaury“), der halb bei Maiden geklaute Song („Vetus Espiritus“) ,der dann aber doch wieder seine eigenen hymnischen Refrains einbaut...es gibt immer wieder Neues zu hören und zu entdecken.  

Somit bleibt „Lapis Lazuli“ immer spannend und gerade Gitarrist Victor Brochard überzeugt mit Souveränität und Powerchords vom Feinsten, kann aber auch die balladeske Note perfekt anschlagen. Roy Z hat dem Album ordentlich Dampf unter den Kessel produziert, so daß zu keiner Zeit irgendeine Flachheit aufkommt.

Bei dem als Single veröffentlichten „The Hidden Voice“ scheint im Gesang von Roni gar ab und an David De Feis von Virgin Steele durch. Zwar nur kurz, sorgt aber zumindest bei mir für einen zusätzlichen Aha-Effekt. Der Song an sich ist einer der straightesten und operiert in Gegenden von Stratovarius oder auch Masterplan und ist somit nicht zwingend repräsentativ für Kattah. Daher finde ich die Auskopplung als Single eher unglücklich. Na ja...

Repräsentativ ist da schon eher der Titelsong. Mit überraschenden Wendungen, wie Kindergesang, Vocals in Landessprache, Break Downs die zu mystisch akkustischer Klampfe führen. Fernöstliche Instrumente und Power-Riffs ergänzen den wohl besten Song des gesamten Albums. Genial !!

Die unvermeidliche Ballade folgt dann mit „Land of God“. Tut nicht weh, eher so im Stile von balladesken Edguy-Nummern. Ragt aber auch nicht wirklich über Durchschnitts-Balladen heraus. Das Gitarrensolo zum Schluß ist allerdings ganz nett.

Auch das darauf folgende „You Will Never Be Dead“ beginnt sehr ruhig und romantisch melancholisch. Nach zwei Minuten geht die Post aber wieder gewohnt ab, der Song genehmigt sich aber auch weiterhin äußerst melodische Unterbrechungen durch tränentreibende Gitartensoli und mehrstimmigen, epischen Gesang. Ein Song, der eine ungemein gehaltvolle Wärme ausstrahlt. Die Gänsehaut mag sich bei mir gar nicht mehr legen.....Wundervoll !!

Mit dem abschließenden „Last Chance“ lassen Kattah noch Überraschendes vom Stapel. Eine flotte Hard-Rock Nummer mit vielen Hammond Orgel Parts. Wirkt ganz anders als der Rest des Albums, besitzt eine eigene Note und kann auch in dieser Sparte durchaus überzeugen. Ein epischer Rausschmeißer hätte mir aber mehr gefallen.

„Lapis Lazuli“ ist ein grandioses Power Metal Album geworden, mit wunderbaren Melodien, Refrains zum Niederknien und mit epischer Bandbreite, wie man sie durchaus auch von Angra kennt. Sänger Roni lässt meiner Meinung nach zu oft den Dickinson raushängen, was bei mir leider einen Punktabzug in der Bewertung bedeutet. Denn, obwohl die Stimme genial ist, wirkt der Gesang halt dann leider oft abgekupfert.  

Wenn man darüber hinwegsehen kann, erlebt man ein spannendes, abwechslungsreiches Powermetal-Werk, ab und an mit orientalischen Elementen angereichert, und mit ordentlicher Power produziert. Mehr Eigenständigkeit im Gesang und die Truppe wird ne ganz große Nummer !! 


Bewertung: