KAYSER - IV: Beyond the Reef of Sanity

Jo, ist denn heut schon Weihnachten ? Würde der Kaiser wohl zu dieser Überraschung nicht sagen. Denn die Schweden Kayser stehen für Metal der härteren Gangart. Thrash Metal wird deren Musik im Allgemeinen bezeichnet. Eine Umschreibung, die der Band nur bedingt gerecht wird. Kayser sind die Band von ex-Spiritual Beggars Sänger Spice, der Kayser 2004 zusammen mit Drummer Bob Ruben und Gitarrist Swaney gegründet hat.

Das neue Album nennt sich „IV: Beyond the Reef of Sanity“ und legt los wie die Feuerwehr. Das Titelstück steht bereits am Albumanfang und ist noch am ehesten dem Thrash zuzuordnen. Spice performt in seiner rauhen Art und Weise, die einen gewissen Asi-Faktor aufweist und der mich ein bisschen an Kermit von der deutschen 80er Metalband Tyrant erinnert. Doch schon mit „Asphalt and Suicide“ zeigen Kayser, wie vielfältig ihre Art von Metal ist. Klar, die Riffs sprechen meist eine eindeutige Thrash-Sprache, aber die Refrains besitzen ein großes Maß an Harmonien und der oft dann mehrstimmige Gesang hofiert in reinen Metalgebilden. Der räudige Charme bleibt stets erhalten, aber durch die Melodien liegen Kayser auf einer Welle mit Bands wie Rage oder auch Megadeth.  

„I Sold My Soul (for your dream)“ legt da noch einen drauf und zeigt, welch variable und eigentlich gute Stimme Spice doch hat. Eine richtig satte Metalkehle mit rauchigen Vibes. Passt hervorragend zum Sound und verfälscht die immer wieder auftretenden Thrash-Rhythmen in keinster Weise.  

Und welch tolle Riffs der gute Swaney raushauen kann, beweist das harte „Old Blanket“. Da steht der wippend rockende Fuß nicht still und die Luftgitarre brennt lichterloh. Zudem kann der Junge fantastisch solieren. Das Gitarrensolo brilliert technisch sauber und filigran. Würde vielen pure fuckin' Metalbands gut zu Gesicht stehen. „Through the Darkness“ steht dem in nichts nach und „One Man Army“ verbindet Schnelligkeit mit rhythischem Druck.

Das Album schwächelt lediglich bei „Debris (of a dream)“ ein wenig, da der Song zwar qualitativ ansprechend durch die Gegend thrasht, aber einigermaßen belanglos durch die Gehörgänge plätschert. Hat man sich an die 3-4 Minuten Abfahrten gewöhnt, haut einen das 13-Minütige „The Silent Serenade“ beinahe um. Mit einem Longtrack hat man irgendwie nicht gerechnet. Hier ziehen Kayser viele Register. Von zahflüssig doomigem Beginn über Stoner Rock Attitüden bis zu hmynischen Gesangslinien ist alles vorhanden. Dabei wirkt der Song trotz der Länge nicht langweilig und wiederkehrende Passagen spinnen einen gewissen roten Faden in den Longtrack. Trotzdem würde ich den Song nicht als das Herzstück des Albums bezeichnen, auch wenn das bei 13 Minuten nahe liegt.

Mit „Allergic to Live“ gibt’s dann nochmal das volle Kayser-Brett mit drumintensiven Passagen und leicht epischen Anflügen, bevor mit „Dusk“ gar ein wahres Thrash-Epos das Album abschließt. Großartige Soundwände und erhabene Rhythmen werden aus dem Ärmel geschüttelt, als wäre es das Leichteste der Welt.

„IV: Beyond the Reef of Sanity“ ist eine äußerst abwechslungsreiches, musikalisch hochwertiges Album geworden, welches seine Basis zwar im Thrash bezieht, aber fast in jedem Song in andere Stilarten abdriftet. Das passt perfekt zum musikalischen Können der Musiker und wirkt nie überfrachtet, sondern jederzeit homogen. Kayser können Vieles und schaffen es, das Ganze auch noch stimmig umzusetzen. Ein tolles Album....auch zu Weihnachten.


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