KETZER - Starless

Ich muß zugeben, daß mir die kölner Band Ketzer bisher nur so im Vorbeigehen untergekommen ist. Hier und da mal ein Song, das war's schon. Jetzt kommt mit „Starless“ deren drittes Album heraus und urplötzlich ist die Band in aller Munde aufgrund des angeblichen Stilbruchs, den Ketzer auf diesem neuen Album betreiben.

Ursprünglich kommen Ketzer auf dem blackened Thrash-Bereich, also der etwas abgefahreneren Schiene. Und zumindest Sänger Gerrit klingt auch nach wie vor stark nach Black Metal. Cleane Gesangsparts gibt es nicht, der Junge keift und kneift sich durch die Songs.  

Musikalisch hat man mit Black Metal rein gar nichts mehr am Hut und auch heftige Thrash Parts sucht man mit der Lupe. Eher brennen sich die Songs durch psychedelische, teils avantgardistische und progressive Themen in die Gehörgänge. Das fängt beim atmosphärischen Titelsong „Starless“ an und endet in der ruhigen Akkustik-Prog Nummer „Limbo“, die auch aus Pink Floyd Zeiten stammen könnte.

Dennoch ist die Musik von Ketzer immer noch recht harsch und fern von Harmonien und melodischem Overflow. Die Gitarren schlagen recht unsauber an, ohne glatte Metal-Politur und wie gesagt der Gesang von Gerrit alleine lässt die Songs eher derb wirken.  

Sogar recht punkig geht es zu bei „Godface“. Flott und in einer Tonlage vorgetragen mit einigen basslastigen Unterbrechungen und Gangshouts, ist dieser Song sicherlich der simpelste, aber besitzt durchaus eine gewisse Intensivität.

Das mit dem kurzen, akkustischen „The Hunger“ eingeleitete „White Eyes“ liefert orientalische Spuren in den Gitarrenlinien und kommt recht angepisst und aggressiv auf den Punkt, unterbricht dann aber auch durch melodisch progressive Parts.  

Man möchte meinen, daß das 11-minütige „Shaman's Dance“ logischerweise das Herzstück des Albums darstellt und tatsächlich gibt es auf dieser Länge auch das ein oder andere gute Thema zu verzeichnen, auf mich wirkt der Song aber zu unspektakulär um als Monument zu überzeugen. Zu viele schleppende Passagen ohne daß wirklich Aufregendes passiert.  

Gegen Ende wird man mit „Silence and Sound“/“Earthborn“ und dem bereits erwähnten „Limbo“ um einiges ruhiger, wobei „Earthborn“ noch etwas heftiger agiert.

Ketzer provozieren – das kann man sicherlich schon aufgrund des Albumcovers, welches einen Verurteilten oder besser eine Verurteilte zeigt, behaupten.  Zumindest interpretiere ich das so. Auch die Thematik, daß man in früheren Zeiten die Sterne und Mythen zu Rate zog, um das Leben zu bewältigen und die Religion und Mythen in der heutigen Zeit nicht mehr mit dem Sinn des Lebens vereinbar sind, da sich für die Menschheit der Sternenhimmel in dunkle Nacht verwandelt hat, ist starker Tobak und nicht mit schöngeistriger Musik zu interpretieren.  

Und Ketzer's Musik hat nach wie vor den Anspruch von Schönheit, Harmonie und Einträchtigkeit meilenweit entfernt zu sein, auch wenn man sich weiterentwickelt hat und progressive, alternative, psychedelische und atmosphärische Sounds heute im Sound der Kölner eine größere Rolle einnehmen.

Deswegen sollte man Ketzer nicht verurteilen, sondern zum Mut des Hier und Jetzt gratulieren. Ein sehr interessantes und spannenden Album, welches aber sicherlich nicht Jedermann's Sache ist.


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