KROKUS - Hoodoo

 

Spricht man heutzutage von eidgenössischer Rockmusik, spricht man entweder von Gotthard oder immer noch von den Veteranen Krokus. Von diesen mittlerweile ergrauten Herren gibt es nach 4 Jahren und dem guten Album Hellraiser nun endlich ein Neues, welches auf den etwas rätselhaften Namen Hoodoo hört. Können es die betagten Schweizer noch?  Das runderneuerte klassische Line-up mit Marc Storace, Chris von Rohr, Fernando von Arb, Frank Steady und Mark Kohler lässt zumindest Erfreuliches vermuten.  

Steigen wir gleich direkt in das Album ein mit dem Opener „Drive it in“. Gutes Gitarren-lead zu Beginn und ein Marc Storace, der einmal mehr verdammt nach Bon Scott klingt. Ein straighter Rock'n Roller der meiner Meinung nach immens auf den wiedererstarkten AC DC Zug abzielt, aber in deren ureigensten Version. Guter Song mit wenigen Breaks....old school Rock'n Roll pur eben.

Leichtes Dschungel-Feeling am Anfang von „Hoodoo Woman“. Etwas bluesiger angehaucht, geslidete Gitarrenarbeit. Teilweise mystische Zwischentöne verleihen dem langsameren Track einen gewissen Voodoozauber-Touch. Auf jeden Fall ein ausgefallenerer Song, den ich der Form von Krokus noch nicht unbedingt gehört habe. Stark. Völlig überflüssig dagegen das folgende Steppenwolf cover „Born to be wild“. Wer braucht zum x-ten Mal diesen Song als Coverversion? Handwerklich ordentlich verarbeitet und etwas härter und rauher als das Original, aber nicht spektakulär genug, um diesen Song auf einem regulären Album zu rechtfertigen. Hätte nicht sein müssen. „Rock'n Roll handshake“ weist erneut Tendenzen zu alten AC DC auf. Marc Storace hat etwas von seiner Unverkennbarkeit verloren, die immer vorhanden war, obwohl es schon immer Parallelen zu Bon Scott oder auch Udo Dierkschneider gab. Unabhängig davon ein rockiger Roller, der sofort ins Ohr geht und förmlich nach einer Zigarette in der einen und einem Whiskey in der anderen Hand schreit. Balladesker Beginn in „Ride into the sun“. Flüstern geht in einen tollen Chorus über. Einfache Gitarrenarbeit, die aber den Zweck nicht verfehlt und dem Song einen wünderschönen Rhythmus verleiht. Hier erleben wir endlich unverkennbar Krokus, wie man sie kennt, gespickt mit einigen neuen Facetten, aber sehr gediegen und songdienlich instrumentiert.

„Too hot“ fällt wieder eher in die AC DC Linie. Ein  Hairmetal angehauchter Refrain bringt etwas Abwechslung in diesen alles in allem rocking Midtempo song. Ich finde in diesem Titel leichte Neigungen zu Def Leppard, selbstredend mit differierendem Gesang. Guter Groover aber nicht unbedingt ein Song, der bleibend in Erinnerung verweilt. Etwas fahrt nimmt das Album mit „In my blood“ auf. Ein Stimmungshit, der zum Mitsingen einlädt und somit wohl zu einem der besseren Livesongs avancieren dürfte. Ebenso dürfen wir auch ein erstes kleineres Gitarrensolo bewundern, was mir in den vorangegangen Songs doch zugegebenermaßen etwas gefehlt hat. Groovig geht es weiter mit „Dirty street“. Der Name ist Programm. Typischer Street Rock'n Roll ältester Bauart.

Slidegitarren, so weit das Ohr reicht. Und erneut wird man von einem gitarrensoloähnlichen Part verwöhnt. Der Refrain ist, wie nicht anders zu erwarten, äußerst eingängig, soll dreckig klingen, bedeutet aber Easy Listening pur. Unspektakulär. Wieder etwas flotter zu Werke geht es in „Keep me rolling“. AC DC Riffing und ein paar nette Arrangements in Refrain und Vokalakrobatik lassen den Song flüssig erscheinen und diesen somit zu einem der besseren auf diesem Album werden. Von Innovation und Eigenständigkeit ist man aber auch hier leider meilenweit entfernt. „Shot of love“ bietet das beliebte Wechselspiel zwischen Gitarre und Gesang und ist fast schon als Highway to hell Klon zu bezeichnen. Zu gravierend sind die Parallelen zu den Australiern, das soll und darf man nicht verschweigen. Gelungene Gitarren hooklines hat der Album Rausschmeisser „Firestar“ zu bieten. Hier sind endlich wieder Krokus in altbewährter Form unterwegs. Metallischer, ausgefeilter, eigenständiger. Und ein Marc Storace, der auch nach Marc Storace klingt. In feinster Headhunter Tradition behauptet sich dieser Song als, meiner Meinung nach, mit Abstand bester des gesamten Albums.

Ich muß leider sagen, daß mich Hoodoo doch in vieler Hinsicht enttäuscht. Die fehlende Eigenständigkeit, allzu sicheres Songwriting im Fahrwasser von AC DC, mit ein paar Ausnahmen fehlende, griffige Songs. Die namhafte Instrumentalfraktion zeigt nicht ansatzweise das Spektrum ihres Könnens.

Für freunde erdigen Rock'n Rolls trotzdem immer noch hörbar, nicht mehr und nicht weniger.

Für mich eindeutig zu wenig.

 

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