MAGNUM - Escape from the Shadow Garden (Live 2014)

Das neue  Album der britischen Classic Rock-Legende Magnum, welches am 8. Mai diesen Jahres erscheinen wird, trägt den Titel „Escape from the Shadow Garden –Live 2014“. Dies mag bei dem ein oder anderen Verwirrung stiften, denn es handelt sich hierbei nicht etwa um das im Jahre 2014 veröffentlichte gleichnamige Album als Live-Version, was der Titel vermuten lassen würde, sondern um ein Set, welches neue wie alt bekannte Lieder der Band beinhaltet. Aufgenommen wurde das ganze während der Europa Tour letzten Jahres in verschiedenen Locations, ausgewählt wurden die Songs sorgfältig von der Band persönlich.

Man würde wohl vermuten, dass der Hörfluss darunter leiden würde, wenn doch die Tracks von Location zu Location springen, jedoch stellt man ziemlich zu Beginn fest, dass jegliche Befürchtungen unbegründet sind: die Aufnahmen sind alle perfekt aufeinander abgemischt, die Instrumente, der Gesang, das Publikum, alles wirkt komplett authentisch, man fühlt sich als befände man sich mitten im Konzert selbst. Insgesamt werden hier 12 Tracks von 7 verschiedenen Alben dargeboten, wobei eine ausgewogene Mischung zwischen den altbewährten Klassikern und neueren Stücken ausgewählt wurde, was bei einer Anzahl von insgesamt 18 (!) Studio-Alben keine leichte Entscheidung gewesen sein dürfte.

Eröffnet wird das Ganze mit dem typischen, unverwechselbaren Magnum Beat ohne langes Intro, man will die Sache schnell auf den Punkt bringen und mit dem grandiosen Opener „Live ‘til you die”, mit dem auch das aktuelle Album der Band schon eingeleitet wurde, das Publikum in eine feierliche Stimmung versetzen. Mit „Black Skies“ knüpfen die Briten direkt mit einem Song aus dem Vorgänger-Album an und wissen auch mit härteren Riffs durchaus zu überzeugen. „Freedom Day“ setzt zunächst mit einem atmosphärischen Gitarrensolo ein, unterstützt von Keyboard und Bass, bis schließlich Bob Catley mit den Worten „Listen to me...“ den Zuhörer mit seiner magischen „Storyteller“-Stimme völlig in seinen Bann schlägt und somit keine andere Wahl bleibt als gefesselt an seinen Lippen zu hängen (nicht wortwörtlich natürlich).

Vor dem geistigen Auge kann man förmlich Catleys Handbewegung sehen, wie sie Linien in die Luft zeichnet und so seinen Gesang untermalt (jeder, der Magnum schon Live gesehen hat, weiß, wovon ich rede). Hier wird eine für Magnum eher untypische düstere Atmosphäre geschaffen.Wer bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht völlig davon überzeugt war, dass Magnum auch härtere Songs schreiben können, wird spätestens hier eines Besseren belehrt: mit „Dance of the Black Tattoo“ stimmt Tony Clarkin einen Gitarrenriff an, bei dem niemand mehr den Fuß stillhalten kann – Headbangen ist hier auch erlaubt Es folgen mit „Blood Red Laughter“ und „Unwritten Sacrifice“ nochmal zwei Songs aus der neuen Ära der Classic Rock-Band, die spielerisch auf höchstem Niveau dargeboten werden.

Prinzipiell hat man bei der ersten Hälfte des Albums vor allem den neuen Sachen Vorzug geleistet. Wer jetzt allerdings glaubt, dass das Wichtigste bereits gesagt worden wäre, irrt. Ohne Verschnaufpause geht es weiter mit dem zweiten Teil, bei dem wir auf eine kleine Reise in die Vergangenheit mitgenommen werden.„How Far Jerusalem“ – welcher Magnum-Fan kennt das nicht? Mit diesem Klassiker aus dem 1985 erschienenen „A Storyteller’s Night“, der sagenhafte 10 Minuten und 39 Sekunden einnimmt, dürfte spätestens jetzt jedem Freund der älteren Sachen der Band das Herz aufgehen. Man spürt deutlich die zunehmende Euphorie des Publikums und auch hier überzeugen Magnum durch ihr perfektes Zusammenspiel. Obwohl zwischen den alten und den neuen Songs beinahe 30 Jahre dazwischen liegen, spürt man keinerlei Kluft zwischen diesen – im Gegenteil, dieser gewaltige Zeitsprung verdeutlicht die Zeitlosigkeit dieser musikalischen Perlen.Wir verweilen im Jahre 1985 und bekommen ein Meisterwerk zu hören, welches durch seine ergreifende Hintergrundgeschichte des 1. Weltkrieges, der mitreißenden Stimme von Bob Catley, der all seine Gefühle in seine Stimme packt und der phänomenalen Atmosphäre im Publikum, eine Gänsehaut verursacht und einem beinahe die Tränen in die Augen steigen lässt.

„Les Morts Dansant“ ist einer der Höhepunkte des Albums, Zurückhaltung gibt es unter dem Publikum schließlich keine mehr und gegen Ende des Liedes erheben hunderte Menschen ihre Stimme und fungieren als gewaltiger Chor.Um den Schleier der tragischen Geschichte ein wenig zu heben, folgt nun „Falling for the Big Plan“ – ein weiterer Song des „Escape from the Shadow Garden“-Albums – welcher die Stimmung wieder nach oben schnellen lässt und den Zuhörer mit seinem Mid-Tempo-Beat fröhlich mitwippen lässt.Heiter geht es auch mit „All England’s eyes“ weiter, indem Bob zu einem Tanz auffordert. Hier wird auch fröhlich mit dem Publikum interagiert, spielerisch ist hier das Keyboard im Vordergrund und besonders sticht hier die Leidenschaft der 5 Musiker aus England ins Auge (in dem Fall wohl eher ins Ohr).

Die ausgelassene Stimmung bleibt weiterhin erhalten: „Vigilante“ überzeugt mit einer abwechslungsreichen Mischung aus Synthesizer und Gitarrenriffs – typisch Magnum eben – und der herausragenden Gesangsleistung. Auch hier wird Bob Catley von einem lautstarken Chor unterstützt. Wieder wird man von der endlos überragenden Spielfreude der fünf Mannen beeindruckt, aber man muss hier auch das Publikum für seine fleißige Mitarbeit hervorheben. Der krönende Abschluss bildet "Kingdom of Madness“, ein Song fast so alt wie die Band selbst (veröffentlicht auf dem gleichnamigen Album im Jahr 1978). Obwohl schon tausend mal gespielt, hat die Begeisterung und der Spaß am Spielen kein Stück abgenommen. So wird im letzten Lied noch einmal brav mitgesungen bevor das Album mit einer einwandfreien Performance der Band und überschlagenden Euphorie seitens des Publikums endet.

Fazit: Das Album stellt mit einer guten Soundqualität, einer beeindruckenden spielerischen Leistung und einem klasse Publikum ein wirklich überzeugendes Live-Album dar, das Spaß macht zu hören. Die Band schafft es, viele neue Lieder darzubieten ohne die altbewährten Klassiker zu stark zu vernachlässigen und erreicht somit eine perfekte Balance, die jeden zufrieden stellen dürfte. Empfehlenswert für alle, die in Erinnerungen an eine fantastische Tour schwelgen wollen, aber auch für diejenigen, die Magnum noch nie live gesehen haben und einen Eindruck ihrer Kunst gewinnen wollen. Auch nach so vielen Jahren ihrer Existenz immer noch ein purer Hörgenuss, der uns hoffentlich noch lange erhalten bleiben wird. 


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