MAYFAIR - My Ghosts Inside


Autor:  Kerbinator

Bewertung:  8,5 / 10

Tracklist:

  • Loss
  • My Ghosts Inside
  • Desert
  • Blinded By Your Light
  • When Angels And Demons Meet
  • Our Fire Starts Here
  • Ghostrider
  • Boom
  • Andermal
  • Schrei Es Raus
  • Until We Meet Again


VÖ:  15.04.2016

Label:  Pure Prog Records

Das letzte Album „Schlage, mein Herz, Schlage“ wurde mit dem Song „Der Abschied“ beendet. Und wir fragten uns, hat dieser Songtitel eine tiefere Bedeutung und kommen Mayfair vielleicht nie mehr zurück ? Zudem sprach man damals davon, daß man nach dem bekanntesten Werk der Österreicher, „Die Flucht“, noch etwas zu vollenden hatte und dies mit dem letzten Album geschehen sei. Auch durch diesen Umstand konnte man so etwas wie Abschied hineininterpretieren.

Aber Mayfair sind fast drei Jahre später erneut mit einem Album zurück. „My Ghosts Inside“ betitelt handelt es sich hierbei um ein Konzeptwerk, welches die positiven wie negativen Kräfte, die in einem jeden schlummern, thematisiert. Gut, lyrisch anspruchsvoll war die Band schon immer und einfach machen sie es dadurch ihren Hörern auch heute noch nicht.  

Insgesamt ist das neue Album etwas ruhiger ausgefallen als noch der Vorgänger. Aber nach wie vor leben Mayfair's Stücke von Emotionen, Atmosphäre und dem Unerwarteten. Natürlich stehen und fallen die Songs mit der unverkennbaren Stimme von Mario Prünster, der mal leidend, dann wieder schreiend und manchmal gar dem Wahnsinn nahe intoniert. Doch auch das Gitarrenspiel von Rene ist ein nicht zu verachtendes Wiedererkennungsmerkmal im Sound von Mayfair.  

So beginnt das Album mit „Loss“ gewohnt atmosphärisch, progrock-lastig mit Mario's zerbrechlichem Gesang. Das folgende Titelstück wirkt danach erstmals mehr verstörend, aggressiver und mit härteren Gitarren auch metallischer. Gewissermaßen sind wir hier im Bereich ProgMetal angelangt, allerdings in für Mayfair typische Art und Weise – leicht aufwühlend.

Bei „Desert“, welches verhalten beginnt und etwaige orientaliche Spuren aufweist, gibt Mario nach erheblichem Spannungsaufbau und aggressiven Screams zwischendurch sogar ein paar Growls zum Besten. Mit das heftigste, was man von Mayfair so far gehört hat. Da ist man fast erleichtert bei „Blinded By Your Light“ die atmosphärischen Gitarrenklänge und den kurz an Rush erinnernden Gesang aufnehmen zu können.  

Ein weiteres Trademark von Mayfair ist, das die Band immer mal wieder deutsche Textpassagen in ihre Lyrics packt und munter zwischen deutsch und englisch hin und her pendelt. Auffallend beispielsweise bei „When Angels and Demons Meet“, ein Song der mit einer groovigen Gitarrenmelodie aufwartet und Mario nach einem verstörenden Spoken Words Part mit biestiger Stimme von der Leine lässt.

Das 1 ½ minütige, träumerisch und gesangstechnisch ruhige „Our Fire Starts Here“ geht nahtlos in das etwas horrible „Ghostrider“ über, einer härteren Nummer, die mit geisterhaftem Gesang und einem netten Gitarrenpart punktet. Schön, daß Mayfair danach mit dem balladesken „Boom“ und melodisch eingängigem Gesang wieder herunterfährt und in seiner Art und Weise etwas an neuere Marillion erinnert.  

„Andermal“ bringt, wie bei diesem Titel zu erwarten, erneut deutsche Texte mit ein. Rockige Gitarren, Gesang mit viel Hall unterlegt treiben Mayfair den Song bis an die Spitze des Wahnsinns. Ein sehr atmosphärisches Teil, quasi ein Paradebeispiel für was Mayfair schon immer standen und nach wie vor stehen.  

Mit „Schrei es heraus“ gibt’s zum Ende hin eine völlig durchgedrehte Nummer mit kratzigen Sounds und einem wahrhaften Aggro-Refrain, bevor man mit „Until We Meet Again“ das Album ruhig, melancholisch mit gezupften Gitarren ausklingen lässt.  

Mayfair bringen es nach wie vor fertig, den Hörer mit ihrem ganz eigenen, Emotionen erzeugenden Songwriting in den Bann zu ziehen. Man weiß nie, was als nächstes kommt und wird manches Mal während der Songs überrascht. Das ist ganz große Musikkunst und auch wenn man nach wie vor ein Faible für progressive, avantgardistische Klänge braucht, um der Musik von Mayfair folgen zu können, gibt es keine Zweifel daran, das die Band immer noch viel zu sagen hat und noch lange nicht am Ende angekommen ist. Und da der Abschluß-Song diesmal nicht „Der Abschied“, sondern „Until We Meet Again“ heißt, nährt das die Hoffnung, daß Mario Prünster und Co uns auch in Zukunft mit ihren Klangwelten und lyrischen Ideen beehren. 

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