MENTAL CIRCUS - Divine

Im Jahr 2012 gründete Sängerin Sanne Marico die belgische Band Mental Circus. Ein Jahr später erschien das selbstbetitelte Debüt-Album, auf dem deutlich zu hören war, das Sannes musikalische Vorbilder Evanescence, insbesondere deren Frontfrau Amy Lee ist. Nach mehreren Umbesetzungen sind nur die Sängerin und Schlagzeuger Phil Weinhold die letzten verbliebenen Gründungsmitglieder. Mit “Divine” steht nun das zweite Album der Band in den Startlöchern.

“Merciless Angel” startet mit Synthie-Klängen, die wenig später vom Schlagzeug unterlegt werden. Rhythmische Gitarren-Riffs und die stark an Amy Lee erinnernde Stimme von Sanne Marico dominieren dann den Song. Beim Refrain “Let Me Be Your God” drängen sich musikalische Vergleiche zu frühen Within Temptation auf, ohne allerdings die Niederländer einfach nur zu kopieren. “Heaven” hat eine starke Industrial-Schlagseite. Die Stimme von Sanne ist teilweise technisch verfremdet und wird gelegentlich von hektischen Synthie-Klängen unterlegt. Für mich eines der absoluten Highlights ist die Piano-Ballade “Someday”. Natürlich denkt man hier sofort an “My Immortal” von Evanescence. Sanne kann zeigen, wie variabel ihre Stimme ist. Einfach nur die Augen schließen und träumen.

Anschließend knallt dann “No Way Out” so richtig aus den Boxen. Druckvolles Schlagzeug und harte Gitarrenriffs treiben voran dazu gibt es kraftvollen Gesang zu hören. Auch in “Falling Deeper Down” wird Sanne Maricos Stimme zeitweise technisch verfremdet, was für einen Industrial Touch sorgt. Knallende Gitarrenriff geben dem Song aber auch metallische Härte. Etwas ruhiger aber nicht weniger druckvoll walzt sich “My Gesture” aus den Boxen. Fast am Ende des Albums kommt mit “Heroin” für mich ein weiteres Highlight. Ein sehr eingängiger melodischer Refrain. Dazu drücken Bass und Gitarre hart aus den Boxen. Mit 2:44 ist das aber leider auch der kürzeste Song des Albums. Abgesehen von den Industrial-Geräuschen zu Beginn ist “The Real World” ein eingängiger Song der fast schon Airplay-Qualitäten in sich birgt. Rhythmische Riffs und Schlagzeugen-Passagen begleiten den melodischen Gesang.

Der Sound von Mental Circus liegt in der Schnittmenge von Evanescence, Within Temptation und Lacuna Coil. Auf “Divine” werden die genannten Bands aber nicht einfach nur geklont. In das Songwritung sind auch viele eigene Ideen eingeflossen. Die Neuzugänge an den Saiten (Stefanie Geerts g, Dimitry Vermeire b) sorgen für einen kraftvollen Sound und Schlagzeuger Philip Weinhold leistet Schwerstarbeit hinter der Schießbude. Die Produktion ist modern und druckvoll. Kleine Abzüge gibt es allerdings für die Gesangsaufnahmen. Selbst mit besten Lautsprechern klingt die Stimme von Sanne Marico etwas dumpf. Alles in allem ein gelungenes Zweitwerk der Belgier. Ich hatte das Vergnügen, Sängerin Sanne auf dem Metal Female Voices Fest 2013 und 2016 zu treffen. Live konnte ich die Band bisher leider noch erleben. Apropos live: Bleibt zu hoffen, dass Mental Circus zumindest für die Live-Auftritte einen Keyboarder finden. Es wäre schade, wenn die Keyboard- und Piano-Melodien vom Computer eingespielt würden.


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