MOONSPELL - Extinct

„Extinct“ nennt sich das elfte Studioalbum der Portugiesen Moonspell. Oder ist es erst das zehnte, wenn man das Vorgängerdoppel „Alpha Noir“ und „Omega White“ zusammenfasst ? Egal...das neue Album der Jungs um Fernando Ribeiro ist da und es ist ein wahres Fest für alle Anhänger der gothiclastigen, charismatischen Musik der Portugiesen geworden.

Schon der Opener „Breathe (Until We Are No More)“ besitzt Hitqualitäten und schlägt als Einstiegshymne voll durch. Der dunkle, wavige Gesang von Ribeiro im Einklang mit harschen Growl-Passagen kommt sofort zum Tragen und die Melodieführung im Gitarrenbereich könnte perferkter nicht sein. Es bildet sich unvermittelt die zu erwartende Gänsehaut, wenn Ricardo Amurim die Saiten bearbeitet, ob der Schönheit und progressiven Laszivität des Dargebotenen.

Der folgende Titelsong ertönt dagegen ungleich härter und findet seinen Reiz im nachdenkenswerten, stark umgesetzten Refrain.  

Mit orientalischen Klängen hat man ja immer schon mal gerne gespielt, so auch hier bei „Medusalem“. Der Sprechgesang von Fernando steht ganz im Gegensatz zum opulenten symphonisch orchestralen Streichereinsatz, der sich wie ein roter Faden durch nahezu alle Songs zieht. Als Unterstützung für Ribeiro hat man eine Dame aufgefordert, den Gesang zu unterstützen, dies tut diese dann auch, aber eher unspektakulär.  

„Domina“ ist dann so ein Song, wo ich mich niederknien könnte, um einfach nur der Erhabenheit und tollen Atmosphäre zu huldigen. Klasse Gitarrenmelodie, die dich einfach nur berührt und in progressiven Wassern plätschert, bevor der außerordentliche Refrain dankenswertM umhaut. Dafür wird Musik geschrieben, zelebriert....gefühlt. Und welch ein Sound....vielen Dank Produzent Jens Bogren (Opeth, Katatonia). Alleine wegen diesem Song rentiert sich der Kauf des Albums. Ganz große Kunst.

Wie gut, daß „The Last Of Us“ danach recht straight daherkommt, etwas verschnaufen lässt und weder enttäuscht, noch glänzt. Gutklassige Dunkel Nummer ohne großen Glanz zu verbreiten.

Aber mit „Maliginia“ werden wir umgehend wieder in die Gefühlswelt von Moonspell zurückgeworfen. Zuerst äußerst poppig, wissen dich die plötzlichen Growls aus der Lethargie zu reißen. Es wird zudem mit sphärischen Sounds operiert, die dem Song einen hohen Mystik-Faktor kredenzen. Nicht so eingängig, wie das Eröffnungs-Triple, aber sehr spannend inszeniert.

Bei „Funeral Bloom“ erinnern mich die Gitarren manchmal an die 80er Wave-Heroen A Flock of Seagulls. Insgesamt erneut ein etwas straighterer Song, der mit der Zeit schneller wird und auch durch Growls „aufgelockert“ wird. Ein Spoken-Word Part unterbricht das Geschehen kurz, kann den tanzbaren Goth-Reigen aber nicht aufhalten.  

Mit „A Dying Breed“ hat man dann nochmals einen echten Hit am Start, der mit Streichern atmosphärisch beginnt und danach zur echten Dunkelheimer-Tanzflächenhymne wächst. Wobei der Gesang zum härtesten auf dem gesamten Album zählt. Auch bei diesem Song malen Moonspell Gefühlsbilder, die sich einprägen und auch nachträglich noch wirken.  

Nochmals etwas schleppender und waviger wird es mit „The Future is Dark“. Der Aufbau des Songs zieht sich etwas hin, aber der Weg ist das Ziel und dieses liegt wiederum in einem opulenten Refrain begründet.  

Das finale „La Baphomette“ fällt dann stilistisch total aus dem Rahmen. Französich gesungen/gesprochen wirkt es eher wie ein dunkler Chanson. Kann man mal machen, hätte man aber nicht gemusst.

Mit „Extinct“ ist Moonspell eine grandiose Rückkehr zur alten Stärke gelungen, nachdem die Vorgänger dann mal zu hart oder nicht eingängig genug rüberkamen und nur partiell überzeugen konnten. Auf diesem Album fällt die enorme Hitdichte auf und die Erkenntnis, daß es zur Zeit keine Band ähnlicher Art gibt, die solch tolle Melodien in die Songs integrieren und den Zuhörer dermaßen fesseln kann. Der Pop-Anteil ist sicher höher als früher, aber damit zünden die Songs umso mehr.  Ein Highlight in der Diskographie der Portugiesen. 


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