NAILGUN - Desolation


Nailgun sind wieder da ! Mit ihrem dritten Werk „Desolation“ gilt es den guten Eindruck zu bestätigen, den man vor allem mit dem Vorgänger „New World Chaos“ hinterlassen hat.

Gemäß Bandinfo klingt man jetzt lauter und härter als je zuvor und die Thrash-Elemente hätten zugenommen. Nun denn, dann steht ja einem fetten Nagelgeschoss nichts mehr im Wege...

...und gleich der erste Nagel sitzt. Nach kurzem Akkustik-Intro wird ein erstes Spitzen-Riff herausgefeuert. „The Message“ ist ein durchweg powervoller Opener, der Clean Gesang in mittleren Höhen ist dagegen wahrscheinlich für den ein oder anderen Geschmackssache. Die Band geht hörbar routiniert zu Werk, gerade die Gitarren von Daniel und Nenad braten fett. Den Refrain betreibt man recht melodisch, so daß man eher von druckvollem Powermetal denn von Thrash sprechen kann.  

Diese Sparte wird dann schon eher von „Asylum“ abgedeckt, von dem man mittlerweile auch ein Video gedreht hat. Der Gesang liegt eher im Hetfield/Chuck Billy Bereich, manche Passage erinnert mich irgendwie an die unvergleichlichen Angel Dust. Ein gelungener Mix also aus Thrash-Härte mit Traditionsmetal-Harmonien.  

Steffen's Drums peitschen „Crimean Crisis“ los. Ähnlich wie bei „Asylum“ liegt auch hier der Schwerpunkt auf Härte meets Melodien. Irgendwie gefällt der Gesang im Thrash-Style auch besser als die Clean Vocals. Dies kann aber auch auf den gestiegenen Härtegrad zurückzuführen sein. Jedenfalls hat das Geballer Stil und schöne Metal-Soli-Gitarrenparts sind um jeden Zweifel erhaben. Hier sind definitiv Könner am Werk.

Dagegen rausch das düsterere „Devil's Ground“ etwas an einem vorbei. Kein schlechter Song zwar, aber nicht so zwingend wie das bisher Gehörte. Irgendwie klingen die Twin Vocals und Halb-Chöre zu soft um die schnelle Grundausrichtung zu rechtfertigen. Auch das Spieluhren-artige Ende wirkt eher zwiespältig.

Sehr interessant knallt das durchweg orientalisch anmutende „Rise of Evil“. Dagegen fällt „Tyrant's Fall“ etwas ab, da man hier eher zitiert, als zu brillieren.  

Daß Nailgun durchaus auch humorvoll zu Werke gehen können, beweist „Calamity“. Irgendwie wirkt der Song wie Neue Deutsche Welle (englischsprachig) meets Thrash. Kaum ist ein brechender Gitarrenpart verklungen, ertönt fröhlich leichter Sing-A-Long mit leichten avantgardistischen Merkmalen. Außergewöhnlich...ja. Macht aber durchaus Spaß.

Das refrain-lastige „A Fading Existence“ kommt danach im Midtempo-Gewand hochmelodisch angerauscht. Leichte Brainstorm-Anleihen sind auszumachen, ist aber nicht schlimm, bleibt ja im süddeutschen Raum. Refrain folgt auf Refrain folgt auf Refrain usw. Vielleicht etwas zu clean für den ein oder anderen.

„Catch my Fall“ punktet anschließend mit mehr Power und mehr Shouts im Refrain. Eine wahrhaft feine Metal-Hymne, bevor „End of an Era“ recht episch mit einigen Spannungsbögen und netten Gitarrenparts, aber nicht immer stimmigem Clean-Gesang das Album beendet.

Zum Ende hin verliert „Desolation“ etwas seine härtere Ausrichtung aus den Augen und operiert mehr im Powermetal-Bereich. Nailgun können beides vorzüglich – Thrash-u. Powermetal. Aber irgendwie ist die Kluft zwischen beiden Stilen auf dem Album dann oftmals recht groß. Egal...mit musikalischem Können und meist sehr eingängigem Songwriting umschifft man diese Klippen souverän und hat ein Exemplar geschaffen, welches für beide Lager einiges bietet.  

Somit trifft die Band, bis auf wenige Ausnahmen, viele ihrer Nägel auf den Kopf und könnte durchaus in naher Zukunft im Konzert der Großen mitspielen. Am Gesang sollte man allerdings noch etwas feilen... 


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